Gold: Nur noch ein matter Glanz

Gold: Nur noch ein matter Glanz 

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Noch im März dieses Jahres schienen Goldanleger den richtigen Riecher zu haben. Von seinem Tiefstpreis von 1‘188 US-Dollar am 19. Dezember 2013 hatte Gold eine veritable Erholung hingelegt. So kostete eine Unze am 14. März dieses Jahres 1‘383 Dollar, immerhin ein Plus von über 16 Prozent. Doch die Euphorie entpuppte sich als Strohfeuer.

Nach einem Rückgang auf ein Niveau um 1‘300 Dollar setzte Ende Mai eine verstärkte Abwärtsbewegung ein, die den Goldpreis innerhalb kurzer Zeit auf unter 1‘250 Dollar gedrückt hat. Sechs aufeinanderfolgende Tage mit nachgebenden Preisen bedeuteten die längste Abwärtsbewegung seit August 2013. Seit Jahresanfang bleibt damit nur noch ein magerer Zugewinn von 3.2 Prozent.

Die Gründe für den kurzfristigen Preisverfall, ebenso wie für die auch längerfristig verhaltene Preisentwicklung, sind vielfältig.

So geht die über Exchange Trade Funds («ETFs») generierte Goldnachfrage von Privatanlegern bereits seit dem vergangenen Jahr zurück. In den Zeiten des Goldrausches ging bis zu einem Fünftel der jährlichen Goldproduktion in den Besitz von ETF-Käufern über. Dies hat sich im vergangenen Jahr geändert.

Obwohl die Goldhausse bereits im vierten Quartal 2011 ihren Höhepunkt überschritten hat, setzte eine nachhaltige Abwärtsbewegung erst im Oktober 2012 ein. Im vergangenen Jahr flohen die Anleger regelrecht aus den Gold-ETFs, als der Ausstieg der amerikanischen Zentralbank (Fed) aus ihrem Anleihekaufprogramm konkrete Züge annahm. Seitdem trieben zwar verschiedene politische Faktoren wie z.B. der Bürgerkrieg in Syrien den Goldpreis vereinzelt wieder bis an die Grenze der 1‘400 Dollar. Danach jedoch fiel er stets wieder bis auf das Niveau von rund 1‘200 Dollar zurück.

Auch die aktuelle Goldschwäche ist zu einem grossen Teil auf Finanzinvestoren zurückzuführen. Zwar haben die Abflüsse aus den ETFs zuletzt deutlich nachgelassen. Allerdings haben sich die «Netto-Long-Positionen», also die Positionierungen, die auf steigende Preise setzen, in den vergangenen Tagen auf den niedrigsten Stand seit Anfang Februar reduziert. Auch die physische Nachfrage, insbesondere aus China, Indien und der Türkei, ist zur Zeit gering.
Für Goldanlagen spricht im aktuellen Umfeld nicht allzu viel. Der US-Dollar hat zuletzt gegen die meisten anderen Währungen aufgewertet. Dies allein bringt den in Dollar notierten Goldpreis unter Druck. Weit bedeutsamer ist jedoch, dass der Bedarf an Inflationsschutz bei einer Inflation von rund einem Prozent in Europa und anderthalb Prozent in den USA gering ist. Gleichzeitig stellen die globalen Bond- und Aktienmärkte eine Alternative dar, die viele Anleger anzieht.

Eine Ausnahme bilden allerdings auch hier die Aktien der Goldminenbetreiber. Zwar ist ein deutlicher Unterschied in der Entwicklung des Goldpreises und der Goldminenaktien nicht ungewöhnlich, insbesondere in Phasen steigender Goldpreise. In der schwachen Performance seit Spätsommer 2011 zeigen sich jedoch beide vereint.

Für den weiteren Jahresverlauf besteht wenig Aussicht auf eine grundlegende Trendumkehr. Solange der wirtschaftliche Aufschwung in den Industrieländern nicht abreisst, die Inflationserwartungen nicht anziehen, politische Spannungen regional begrenzt bleiben und die Aktien- und Bondmärkte nicht einbrechen, besteht aus Sicht vieler Anleger wohl auch weiterhin kein Grund für die Anlage in Gold. Ausnahmen bilden allenfalls antizyklisch denkende Investoren und solche, die aus strategischen Überlegungen einen gewissen Teil ihres Vermögens in Gold halten – unabhängig von kurzfristigen Preisentwicklungen.

Wer zu spät auf den Zug des scheinbar unaufhaltsam steigenden Goldpreises aufgesprungen ist, mag sich nun vielleicht damit trösten, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Während der Goldanleger seit Anfang des vergangenen Jahres einen Wertverlust von gut 25 Prozent hinnehmen mussten, wären Anleger in Silber darüber wohl noch froh. Sie haben seitdem fast 40 Prozent verloren.

Referenzen
Spekulanten trauen Gold und Silber nicht mehr (FAZ, 3.6.2014)

Gold miners under pressure from price falls (FT, 2.6.2014)

Gold Above 4-Month Low as Investors Weigh Drop After Stocks Gain, Bloomberg 3.6.2014

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 6. Juni 2014 | Die Börsenblogger

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