Goldpreis: Alles Gold was glänzt?

Goldpreis: Alles Gold was glänzt? 

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Gold – eines der beliebtesten und wertvollsten Edelmetalle. Schon seit langem ist Gold nicht nur ein Grundstoff in der Schmuckindustrie, sondern hat auch in der Finanzwelt einen grossen Stellenwert. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg sollte Gold seinen Beitrag zur Stabilität der Währungen leisten. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Abkommens (Gold-Dollar Standard) Anfang der 1970er Jahre, wurde Gold in der Finanzwelt weiterhin mit dem «sicheren Hafen» oder einem «Schutz vor Inflation» assoziiert.

Grundsätzlich verhält sich der Goldpreis wie alle anderen Preise: Er hängt von Angebot und Nachfrage ab. Gold wird dabei sowohl als Investitionsgut als auch als Rohstoff für die Industrie nachgefragt. Das Angebot wird durch die Goldgewinnung in den Minen und durch den Goldverkauf determiniert.

 Gold als sicherer Hafen?

Betrachten wir den Goldpreis über einen längeren Zeitraum (12/2000 – 10/2013): Goldpreis (12/2000 - 10/2013)

Quelle:LGT, Datastream

Etwa um die Jahrtausendwende kam Bewegung in den Markt. Besonders in Krisenzeiten stieg der Goldpreis rapide an (z.B. 2008) und unterstützte somit die Fluchttheorie der Anleger: Eine Umschichtung anderer Investitionen zugunsten von Gold. Diverse Studien haben diesen Zusammenhang bereits untersucht. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt, je kürzer der Zeithorizont ist. Nimmt man für die Untersuchung tägliche Daten, so sind die Zusammenhänge stark ausgeprägt. Ein solcher Effekt zeigt sich aber auch global. Während in Entwicklungsländern der Zusammenhang allerdings weniger ausgeprägt ist, scheint er doch für Industrienationen eher zuzutreffen. Wenn wir aber die vergangenen zwei Jahre betrachten, ist hier eine gegenläufige Entwicklung zu erkennen: trotz anhaltender Krisenstimmung fällt der Goldpreis (-30% vom historischen Höchststand, Stand Oktober 2013).

Gold als Inflationsschutz?

Aktuell, also in einer Phase, in welcher Nationalbanken viel Geld in das Finanzsystem pumpen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern, ist die Angst vor Inflation auch in den Industriestaaten nicht weit. Gold wird als Rohstoff auch zugesprochen, eine Kompensation für Inflation zu bieten (oder gar ein Inflationsindikator zu sein). Längerfristig betrachtet scheint es hier einen leicht positiven Zusammenhang zwischen steigender Inflation und dem Goldpreis zu geben. Betrachtet man jedoch auch hier kürzere Zeithorizonte, so zeigt sich, dass dieser Zusammenhang nicht immer gegeben ist oder es zeigt sich vollkommen anderes Bild: Der Goldpreis sinkt bei steigender Inflation. Dies wirft die Frage auf, ob es nicht einen «besseren» Inflationsschutz gibt?

Kontribution zur Inflation aus der Sicht einzelnen Güterklassen:

Kontribution zur Inflation aus der Sicht einzelnen Güterklassen

Quelle: LGT, Datastream

Fazit: Gold glänzt nicht immer

Historisch betrachtet ist Gold ein emotional aufgeladenes Thema, es hat für die Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Die Mythen, die sich um dieses Edelmetall ranken, scheinen sich über einen längeren Zeitraum zu bewahrheiten, bei den jüngsten Marktentwicklungen erhärten sie sich allerdings nicht. Zum Schutz vor Inflation (hier gemessen am CPI – Consumer Price Index) eignen sich Realwerte generell gut, jedoch sollte man sich hier nicht nur auf Gold beschränken. Erfolgsversprechender scheint hier ein ganzer Korb aus Realwerten zu sein (Insbesondere der Sektor Energie). Dabei verlassen wir aber bereits wieder die «emotionale Schiene der Realwerte» – Denn, ein Goldbarren im Tresor vermittelt doch immer noch ein anderes Sicherheitsgefühl als ein Fass Öl. Aber vielleicht ändert sich das ja in Zukunft.

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Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Peter Sigg at 16:31

    Interessanter Input zum Gold und zur Inflation. Es ist spannend auf der Grafik zu sehen, wie sich die Inflation über die Jahre aus der Preissteigerung der einzelnen Produkte im Güterkorb zusammensetzt. Als effektiver Inflationsschutz macht hier ein breit diversifiziertes Exposure zu Rohstoffen (insbesondere Energie und Agrarrohstoffe) sicherlich Sinn. Dies insbesondere, wenn man die zunehmende Angebotsknappheit und die steigenden Produktionskosten in Betracht zieht.

    • Silvan Ehrmann
      Silvan Ehrmann at 12:07

      Guten Tag Herr Sigg. Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. In der Tat ist der Zusammenhang über den gezeigten Zeitraum deutlich erkennbar. Es wird sich zeigen, ob dies auch in Zukunft der Fall sein wird. Freundliche Grüsse

  2. Pingback: Die negative Goldpreisspirale « LGT Finanzblog

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