Grüne, blaue, soziale und nachhaltige Bonds – alles für die SDGs?

Grüne, blaue, soziale und nachhaltige Bonds – alles für die SDGs? 

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Die Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals/SDGs) der Vereinten Nationen sind der Fahrplan, um bis 2030 eine nachhaltigere Welt zu schaffen. Doch die Finanzmittel der 195 Unterzeichnerstaaten zur Umsetzung der Ziele sind begrenzt. Die Privatwirtschaft ist aufgefordert, ebenfalls einen Beitrag zu leisten.

Rund 1.5 Trillionen US-Dollar aus der Privatwirtschaft werden laut Experten benötigt, um die Richtungsänderung zu mehr Nachhaltigkeit einzuleiten. Investoren stellt sich also die Frage, wie sie an die Umsetzung der SDGs beitragen und gleichzeitig ihre Renditeziele erreichen können. Hierfür müssen die SDGs in konkrete Anlagemöglichkeiten „übersetzt“ werden.

Möglichkeiten für Anleiheninvestoren

Im Bereich der Anleihen sind Green Bonds (grüne Anleihen) und ihre Ableger, die sozialen, nachhaltigen und blauen Anleihen eine Möglichkeit im Sinne der SDGs zu investieren. Dies könnte dazu beitragen, diese Anleihen weiter zu verbreiten. Denn bisher entfällt nur etwa ein Prozent des internationalen Anleihenmarkts auf grüne Bonds, aber die Anlageklasse wächst schnell. Bis 2020 sollen grüne Anleihen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar emittiert werden. Wurden grüne Anleihen zunächst vor allem von Entwicklungsbanken begeben, gibt es heute wesentlich mehr Emittenten. 2018 wurden 25% dieser Anleihen von staatlichen Stellen und staatsnahen Körperschaften begeben, 30% von Finanzinstituten, 18% von Unternehmen und 9% von Entwicklungsbanken. Auch die geografische Verteilung der grünen Anleihen wurde in den letzten Jahren vielfältiger. 2018 entfielen 40% der weltweiten Emissionen auf Europa, 29% auf den Raum Asien-Pazifik (davon 19% auf China) und 21% auf die USA. Dass die Emittenten aus 46 verschiedenen Ländern stammen, veranschaulicht die beachtliche geografische Reichweite der Anlageklasse. Hierzu tragen auch Neueinsteiger wie Island, der Libanon und Neuseeland bei.
Diese Anleihen sind deshalb geeignet, die SDGs zu unterstützen, weil das aufgenommene Kapital thematisch zielorientiert im Sinn der SDGs investiert wird. Bei Green Bonds reicht das „Zielspektrum“ beispielsweise von erneuerbaren Energieprojekten, über ökologisch konzipierte Gebäude, nachhaltige Verkehrslösungen bis hin zu sauberem Wasser.

Die jungen Ableger der Green Bonds

Neben grünen Anleihen sind in vergangenen drei Jahren neue zielorientierte Anleihen entstanden, die als Ableger der grünen Anleihen gelten. Soziale Anleihen dienen beispielsweise zur Finanzierung von Projekten wie Basisinfrastruktur, Zugang zur Gesundheitsversorgung und Bildung oder bezahlbare Wohnungen – in der gleichen Weise, wie grüne Anleihen ökologische Projekte unterstützen. 2018 wurden sozialen Anleihen im Wert von 14 Milliarden US-Dollar begeben.

Nachhaltige Anleihen erreichten im selben Jahr ein Volumen von 17 Milliarden US-Dollar; damit werden Projekte finanziert, die sowohl soziale als auch ökologische Ziele verfolgen. Sogenannte Blue Bonds (Blaue Anleihen), die von der Weltbank neu eingeführt wurden, decken eine kleinere Nische ab. Sie sollen meeres- und ozeanorientierte Projekte finanzieren, die Vorteile für Umwelt, Wirtschaft und Klima versprechen. Ob sozial, nachhaltig oder blau, all diese Anleihen bieten Anlegern eine grosse Auswahl an Projekten, die sie mit ihren nachhaltigen Anlageentscheidungen unterstützen können.

Die SDGs erreichen – zielorientierte Bonds einsetzen

Grüne Anleihen und ihre Ableger können aufgrund ihrer Ausrichtung erheblich dazu beitragen, die SDGs zu erreichen. Deren bisherige Entwicklung zeigt, dass für bestimmte ökologische Ziele hohe Kapitalbeträge aufgebracht werden können. Je besser die Standards für Transparenz und Berichterstattung in diesem Segment werden, desto schneller dürften wohl auch die Zuflüsse ansteigen. Erste grössere Initiativen zur Vereinheitlichung und Steigerung von Transparenz wurden bereits gestartet, zum Beispiel mit dem EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen. Dieser sieht die Entwicklung eines einheitlichen Klassifikationsschemas (einer Taxonomie) für Wirtschaftstätigkeiten vor, die als ökologisch nachhaltig betrachtet werden können. Die Taxonomie wird es Anlegern ermöglichen, in Bezug auf die angestrebten Auswirkungen, besser fundierte Anlageentscheidungen zu treffen. Zudem soll die neue Taxonomie mit den SDGs harmonisiert werden, damit die Anleger dedizierte nachhaltige Entwicklungsziele ansteuern können.

Auch wenn diese Art von Initiativen noch am Anfang steht, rechnet LGT Capital Partners damit, dass grüne Anleihen und ihre Ableger eine immer wichtigere Rolle bei den SDG-basierten Allokationsentscheidungen der Anleger spielen werden.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 28. August 2019 | marktEINBLICKE

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