Green Investment: Wie nachhaltig sind «grüne» Geldanlagen wirklich? 

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So genannte «grüne Anlagen» entwickeln sich zu einem Boomthema institutioneller und privater Investoren. Doch wie viel Hype und wie viel wirkliche Nachhaltigkeit steckt hinter dem grünen Etikett?

Gemäss Marktbericht des «Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)» hat das Wachstum nachhaltiger Geldanlagen in der Schweiz, Österreich und Deutschland zwischen 2011 und 2012 um 16.2 Prozent zugenommen. Das Volumen nachhaltiger Investmentfonds und Mandate betrug Ende 2012 in diesen Ländern 71.4 Milliarden Euro. Die Finanzteilnehmer gehen von einem weiteren Wachstum für die nächsten Jahre aus.

Grüntöne: Wer bestimmt über die Nachhaltigkeit?

Die Rating-Agenturen bewerten grüne Anlagen mit dem so genannten ESG-Ansatz. ESG steht für Environment, Social and Corporate Governance. Auf gut deutsch bedeutet das so viel wie Umwelt- und Sozialkriterien sowie Kriterien der guten Unternehmensführung. Grün ist in diesem Kontext somit nicht mit ökologisch zu setzen – es handelt sich vielmehr um einen ganzheitlichen Ansatz. Bei Unternehmen, die bei einer nachhaltigen Anlage berücksichtigt werden sollen, wird daher nicht nur eine finanzielle Analyse vorgenommen, sondern auch eine sogenannte ESG-Analyse. Doch weshalb? Unternehmen haben nicht nur finanzielle Risiken zu bewältigen, sondern sie sind auch Umwelt- und Sozialrisiken ausgesetzt. Vernachlässigen sie diese, kann das ihr Geschäft nachhaltig schädigen, beispielsweise mit höheren Energiekosten, Strafzahlungen wegen Umweltverschmutzung und Reputationsverlust bis hin zum Verlust der «licence to operate».

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden auch in diesen Bereichen strenger. Je nach Branche können die sozialen Risiken (bspw. Textilfirmen, die in Bangladesch oder China produzieren) oder die Umweltrisiken (bspw. Chemiekonzerne, Minengesellschaften) überwiegen. Dieselben Kriterien der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) gelten grundsätzlich für alle Branchen. Dazu gehören die Trennung von CEO und Verwaltungsratspräsident, Regelungen bei Bonuszahlungen und vieles mehr.

Wie in allen Anlageklassen gibt es auch bei einer nachhaltigen Anlage verschiedene Strategien. Denn jedes Finanzinstitut verfügt über einen eigenen Ansatz und interpretiert den Begriff Nachhaltigkeit etwas anders. Die am weitesten verbreiteten Konzepte basieren auf dem Anwenden von Ausschlusskriterien («Negative Screening»), dem «Best-in-Class Ansatz» oder der «Integration».

Die LGT führt in einem ersten Schritt eine Selektion der Anlagen mittels Ausschlussverfahren auf Basis von Negativkriterien (Negative Screening) und einem Fokus auf Anlagechancen (Positive Screening) durch. Daraus ergibt sich das nachhaltige Anlageuniversum. In einem zweiten Schritt wird die ESG-Analyse mit der Finanzanalyse kombiniert (Integration). Die Selektion und Integration führen dann zu einem ganzheitlich konstruierten Portfolio, welches ESG-Kriterien, aber auch finanzielle Kennzahlen berücksichtigt.

Entscheidend: Wie «grün» denkt der Anleger selbst?

Die vielen verschiedenen Strategien und Bezeichnungen für nachhaltige Anlagen machen es für den Investor schwierig, die für ihn richtige Anlage auszuwählen. Als Anleger muss ich mich daher im Vorfeld eines Investments fragen: Was genau will ich? Was bedeutet für mich Nachhaltigkeit? Möchte ich einen strengen Ansatz fahren, also Branchen wie die Rüstungsindustrie bereits im Vorfeld ausschliessen? Wenn ich diesen strengen Ansatz wähle, muss ich mir bewusst sein, dass mein Anlageuniversum reduziert wird, was zu einer geringeren Diversifikation des Portfolios führen kann. Wenn ich mich jedoch entscheide, einen breiteren Ansatz zu wählen (Best-in-Class, Positive Screening, Engagement) dann kann ich meine Anlage über alle Industrien breit streuen, investiere aber weniger strikt nach ethischen Gesichtspunkten.

Ob sehr strenge oder weiter gefasste Strategien gewählt werden, eines haben alle Investoren in nachhaltige Anlagen gemein: Sie wünschen, dass ihre Anlage eine attraktive Rendite abwirft und diese auf anständige Weise erwirtschaftet wird. Um dies zu erreichen, werden die Umwelt-, sozialen und Corporate Governance Risiken mit in die Unternehmensanalyse einbezogen. Welche das sind und was dies für Sie als Investor bedeutet, lesen Sie demnächst im zweiten Teil dieses Blog-Beitrags zu nachhaltigen Anlagemöglichkeiten.

Leselinks:
«Nachhaltige Anlagen performen klar besser» (cash.ch 5.2.2014)
«Das Vermögen ist nicht zum Verzocken da» (finanzen100.de, 12.2.2014)
Nachhaltige Geldanlagen als Anlageklasse

Es gibt 4 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Zeigt her Eure Strategien! « LGT Finanzblog
  2. Oliver W. at 15:26

    Womöglich sind Investments mit geringen Beträgen bei grünen Crowdfunding-Plattformen eine neue Alternative. Da werden die Infos sehr transparent dargestellt…

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 18:01

      Lieber Oliver W.
      Da kann ich nur zustimmen. In der Tat gibt es bereits mehrere Crowdfunding Plattformen, die sich auf „grüne Investments“ fokussiert haben. Zur Zeit sehe ich dies vor allem bei der Finanzierung von Projekten in erneuerbare Energien. Weiter kommt Crowdfunding, oder auf gut Deutsch Schwarmfinanzierung, zur Finanzierung von start-ups oder auch im Bereich der social entrepreneurs zum Tragen.

      Viele Grüsse
      Ursula

  3. Pingback: Grünes Geld = leere Tasche? « LGT Finanzblog

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