Griechenland: Gesunde «Korrektur» einer grossen Fehlentwicklung

Griechenland: Gesunde «Korrektur» einer grossen Fehlentwicklung 

Griechenland hat seit seinem Euro-Beitritt eine ausserordentliche Achterbahnfahrt erlebt. Ein Vergleich mit einigen der erfolgreichsten Schwellenländer kann dies gut visualisieren. Erinnern wir uns kurz daran: Griechenland wurde kurz nach dem Beitritt zum Euro von MSCI zum «Developed Market» aufgewertet, so wurde es im letzten Jahr, also einige Jahre nach Ausbruch der Krise, wieder zurückgestuft und gilt nun als «Emerging Market». Seitdem lauft der Markt wieder sehr gut.

Betrachten wir in diesem Zusammenhang das nominale Bruttoinlandprodukt pro Kopf in US-Dollar, wie es vom Internationalen Währungsfonds für alle Länder ermittelt wird. Diese Statistik ist eine gute, wenn auch nicht perfekte, vergleichende Messlatte für die Wohlstandsmehrung. Konkret vergleichen wir Griechenland mit Südkorea und Taiwan.

In den rund zwei Jahrzehnten von 1980 bis zur festen Anbindung der Drachme an den Euro 1999 entwickelte sich das Pro-Kopf-BIP dieser drei Länder in durchaus vergleichbaren und «normalen» Bahnen (vgl. Grafik). Griechenland beginnt 1980 auf deutlich höherem Niveau (fast 50% höher als Taiwan und doppelt so hoch wie Südkorea), doch die erwähnten industrialisierenden asiatischen Länder holen von tieferen Niveaus ausgehend tendenziell stetig auf, wie es im Normalfall ja auch sein sollte. Es gibt aber auch herbe Rückschläge, wobei insbesondere im Fall Südkoreas in den 1990er Jahren auffällt (koreanische Währungsschwäche und Kreditprobleme).

Griechenland: Gesunde Korrektur einer grossen Fehlentwicklung

 

Die auffälligste Entwicklung ist jedoch der massive Wohlstandsprung, den Griechenland mit dem Beitritt zum Euro erlebt. Hinter diesem visuell «verdächtig auffälligen Sprung verbarg sich natürlich eine klassische Kreditblase, wie wir heute alle wissen (Hierbei ist Griechenland übrigens kein Einzelfall. Wenn wir die BIP-Daten Spaniens nehmen, sieht es nicht wesentlich anders aus).

Im Hinblick auf die Zukunft erscheint mir jedoch folgender Punkt als wichtig: Das griechische BIP hat sich inzwischen deutlich korrigiert. Es befindet sich wieder in etwa auf dem Niveau Koreas und Taiwans – d.h. in etwa dort, wo es auch ohne die Euro-Kreditblase im Normalfall angekommen wäre. Aufgrund der extremen Dimensionen des griechischen Auf-und-Ab es ist natürlich möglich, dass Griechenland noch weitere Wohlstandseinbussen (nicht nur) gegenüber den gezeigten Ländern verbuchen wird. Märkte und Volkswirtschaften neigen schliesslich als «soziale Systeme» oft dazu, wie ein Pendel in eine Richtung auszuschlagen, bevor sie sich wieder zur Gleichgewichtsposition bewegen.

Doch meiner Ansicht ist die kreditgetriebene Fehlentwicklung, die Griechenland und andere Länder nach ihrem Beitritt zum Euro in mehr oder weniger stark ausgeprägtem Ausmass erlebt haben, jetzt weitgehend korrigiert. Die Märkte dürften sich trotz diverser offener Fragen und Risiken wahrscheinlich ebenfalls zunehmend auf diese Optik «einschiessen».

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