Groschenromane: Die heile Welt zum kleinen Preis

Groschenromane: Die heile Welt zum kleinen Preis 

Nur ein paar Groschen – das ist der Eintrittspreis in eine Welt voll Liebe, Leidenschaft und Abenteuer in den noch immer begehrten Heftromanen.

Sogar in Österreich, wo der Groschen als Unterwährung noch bis zur Einführung von Euro und Cent im Umlauf war, ist er seit 2001 Geschichte. In vielen Redensarten und Begriffen blieb er freilich erhalten. Wer eine Sache endlich kapiert hat, bei dem ist der Groschen gefallen. Und wer den Groschen nicht ehrt, ist angeblich des Schillings nicht wert. Wir legen Notgroschen für schlechte Zeiten zurück, kennen alle Bert Brechts Dreigroschenoper (oder zumindest die Moritat von Mackie Messer). Und einen Spitzel pflegte man einst als Achtgroschenjungen zu bezeichnen.

Literatur für kleines Geld

Aber der Groschen taucht auch im Zusammenhang mit einem ganz besonderen Literatur-Genre auf. Sogar im Zeitalter von E-Books und E-Papers wissen wir, was Groschenromane sind: preiswerte Romanheftchen (auch wenn sie mittlerweile weit mehr kosten als umgerechnet ein paar Groschen) mit tendenziell eher trivialem Inhalt. Weil man für kleines Geld literarische Unterhaltung für die Zugfahrt kaufen kann, nennt man Groschenromane mitunter auch „Eisenbahnliteratur“.

Die heile Welt für wenig Geld. In Deutschland wurde früher das Zehn-Pfennig-Stück als Groschen bezeichnet. Für ein paar Groschen konnte man dann in den einschlägigen Heftromanen erfahren, welche Damen sich aktuell in den Arzt Dr. Frank verliebt hatten, oder welche Abenteuer Jerry Cotton, der von einem deutschen Autor erfundene fiktive FBI-Agent aus Connecticut, bestehen musste.

Es fällt auf, dass die umgangssprachliche Bezeichnung für Heftromane nicht nur im deutschen Sprachraum in Verbindung mit dem Preis steht, der für sie gezahlt werden muss. In den Vereinigten Staaten nannte man die im 19. Jahrhundert allmählich populär werdenden Kurzromane „Dime Novel“. Der Dime ist eine Münze der Vereinigten Staaten im Wert von zehn Cent oder einem Zehntel Dollar. In Grossbritannien wurden die Heftromane „Penny Dreadful“ genannt. Überall haben Heftromane also einen Ruf als „Kleingeld-Literatur“.

Eine Million Dollar für Superman

Doch bekanntlich lassen sich auch mit kleinen Preisen hohe Umsätze erzielen. Alles nur eine Frage der Menge. Obwohl die Groschenromane ihren Zenit längst überschritten haben, gibt es nach wie vor eine grosse Lesergemeinde, die gern abwechselnd in romantischen oder abenteuerlichen Fantasiewelten schwelgt. Die rund 90 000 Neuerscheinungen, die allein in Deutschland Jahr für Jahr auf den Markt kommen, wollen schliesslich verkauft werden.

Viele ältere Romane werden derweil nicht mehr gelesen, sondern sorgfältig aufbewahrt, denn gesuchte Titel unter den Groschenheften erzielen auf dem Gebrauchtmarkt mitunter Rekordpreise. Vor allem, wenn es sich um Comics handelt. Als Kult-Heftchen gilt der erste Superman-Comic aus dem Jahr 1939. Eines dieser rar gewordenen Exemplare wechselte vor ein paar Jahren für eine Million Dollar seinen Besitzer.

Leselinks
– Ausführlicher Beitrag zum Thema „Groschenromane“ in der Studierendenzeitschrift der Universität Halle (Saale)
Informationen rund ums Sammeln von Groschenheften

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