Grünes Geld = leere Tasche?

Grünes Geld = leere Tasche? 

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Mein Geld nachhaltig anlegen und dabei eine höhere Rendite einfahren als mit einem konventionellen Investment. Geht das überhaupt? Sind die nachhaltigen Fonds (auch ESG / SRI Fonds genannt) nicht doch eher etwas für philanthropisch orientierte Investoren?

Das Vorurteil, dass ich auf Rendite verzichten muss, wenn ich in nachhaltige Anlagen investiere, höre ich oft, auch wenn verschiedene Studien das Gegenteil beweisen. Weshalb ist das aber so?

Wenn ich einen nachhaltigen Investmentansatz wähle, dann schränke ich mein Universum der investierbaren Unternehmen ein. Viele Investoren sind deshalb der Meinung, dass sich daraus schlechtere Renditemöglichkeiten und ein höheres Risiko ergeben.

Dem ist aber nicht so. Denn gerade die zusätzlich zu den traditionellen Kriterien Rendite, Risiko, Liquidität berücksichtigten ESG Kriterien (ESG = Umwelt, soziale Verantwortung und gute Governance) helfen, Chancen und Risiken besser einschätzen und damit ein Unternehmen umfassender verstehen zu können. Firmen mit einem guten ESG Rating haben geringere Firmenspezifische Risiken sowie loyalere Investoren, dh. sie können neues Kapital zu geringeren Kosten aufnehmen.

Nachhaltigkeit ein Kosten- und Risikosenker

Dass Nachhaltigkeit nicht eine Bürde für die Unternehmen darstellt, sondern dadurch die Betriebskosten gesenkt und der Gewinn gesteigert werden können, zeigen viele Beispiele. Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihrer Geschäftsstrategie integriert haben, erschliessen schneller neue Märkte, haben es einfacher gut ausgebildete Mitarbeiter zu rekrutieren, können die Kosten dank Ressourceneffizienz senken und sind in den meisten Fällen innovativer als ihre Konkurrenten. Innovativere Firmen sind wettbewerbsfähiger; damit erhöhen sie auch ihre Zukunftsfähigkeit. Weiter ist ein Unternehmen, das sich zu Nachhaltigkeit bekennt, besser vor Haftungs-, Reputations- und gesetzgeberischen Risiken geschützt; was auch wieder die Betriebskosten senkt.

Verschiedene Studien stützen diese Aussage. Mercer hat zwischen 2007 und 2009 insgesamt 36 Studien untersucht und festgestellt, dass mehr als 80 Prozent der Studien einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Performance aufzeigen. Auch RCM zeigte in ihrem Sustainability White Paper, dass Investoren, die über den Zeitraum von 5 Jahren (2006 – 2010) nur in die Unternehmen investiert hätten, die ein überdurchschnittliches ESG Rating hatten, eine höhere Rendite von 1.6 Prozent erzielt hätten. Weiter zeigte RCM auf, was auch verschiedene akademische Studien bewiesen haben, dass Firmen mit einem hohen ESG Rating geringere Kapitalkosten und tiefere Fremdkapitalkosten aufweisen sowie eine höhere Kreditwürdigkeit geniessen.

Die DB Climate Change Advisors haben 2012 sogar über 100 Studien zu nachhaltigen Investitionen geprüft und kamen zu folgendem Ergebnis: 89 Prozent der Studien zeigen, dass Unternehmen, deren Nachhaltigkeitsmanagement positiv bewertet wird, auch ökonomisch besser aufgestellt sind. Auch sie konnten aufzeigen, dass diese Firmen geringere Kapitalkosten haben und für die Investoren ein geringeres Risiko darstellen.

Damit sollte sich jeder Investor, dem die Rendite am wichtigsten ist, nur in Portfolios investieren, die die ESG Kriterien bei der Auswahl der Unternehmen mitberücksichtigen.

Auch für die LGT ist klar, dass sie bei ihren Fonds neben der Fundamentalanalyse die ESG Kriterien mit in die Analyse integriert. Sie kann die Resultate der verschiedenen Studien nur bestätigen, dass Unternehmen mit einem hohen ESG Rating besser abschneiden als ihre Peers, und dass damit das Portfolio insgesamt besser abschneidet als der traditionelle Benchmark.

Extra finanzielle Performance

Noch zu wenig beachtet wird von Investoren nachhaltiger Anlagen aber, welchen Mehrwert im sozialen und ökologischen Bereich diese Unternehmen generieren. Anders sieht dies im Bereich des Impact Investing aus, wo die extra finanzielle Rendite ins Zentrum rückt. Der Impact Investor will eine direkte positive soziale und/oder ökologische Wirkung erzielen. Die finanzielle Rendite rückt dabei in den Hintergrund.

Aber nicht nur der Impact Investor sollte diese extra finanzielle Rendite in Betracht ziehen. Denn Firmen, die Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsstrategie integriert haben, schaffen mehr Stellen, stossen weniger CO2 aus und haben tiefere Energiekosten als ihre konventionellen Konkurrenten. Damit verdienen Investoren von nachhaltigen Anlagen nicht nur mehr Geld, sondern tun dabei der Gesellschaft und Umwelt tatsächlich etwas Gutes. Was ja eigentlich die primäre Absicht der Investoren war.

Neben den Investoren und Nachhaltigkeitsverantwortlichen sollten sich für das Thema aber insbesondere die Finanzchefs dieser Welt interessieren. Sie sind die Wacher über die Geldflüsse im Unternehmen und sollten daher daran interessiert sein, Kosten und Risiken für ihre Firma zu senken und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Denn Grünes Geld = volle Tasche!

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Es gibt 4 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Prof. Lorenz Reibling at 16:05

    Ich bin Ihnen sehr dankbar. Nach Jahren intensiver Vorarbeit, nicht zuletzt mit Prof. Dr. Peter Droege in ihrem schoenen Land, sind wir nun in der Lage, oekonomisch sinnvolle Projekte wie Geo-Thermale-Communities (GTC) in Austin-Texas, wie auch Energiemassnahmen in hunderten von Wohungen in Harlem/Manhattan-NY (bis zu 90% Einsparung) mit relativ geringen und kosteneffizienten Interventionen vornehmen. Dazu braucht man nicht nur das notwendige „monetary“ Kapital, das viele besitzen, sondern ausgewaehltes „intellectual-capital“, das cluster-like an besonderen Stellen der Welt und in besonderen Firmen angesiedelt ist. Dazu wird im allgemeinen auch Taurus gerechnet. Und in der tat, wir rechnen gerne.

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 16:54

      Sehr geehrter Herr Prof. Reibling
      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich sehr, dass Sie mit Ihren Investitionen in grüne Immobilien-Projekte zeigen, dass es erstens möglich ist, und sich zweitens rechnet. Und dass Sie dabei mit der Universität Liechenstein zusammenarbeiten ehrt mich: Liechtenstein ist zwar klein, aber es hat sehr viele innovative Köpfe, die das intellectual-capital im Bereich nachhaltiges Bauen und Investieren mitbringen.

      Ich wünsche Ihnen weiter viel Erfolg.

      Freundliche Grüsse
      Ursula Finsterwald

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 12. Juni 2014 | Die Börsenblogger

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