Haare schön? Der finanzpolitische Haircut 

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In Finanzfragen ist ein Haircut keine haarige Angelegenheit. Er bezeichnet eine drastische Rasur bestehender Verbindlichkeiten eines Staates.

Der Haircut in finanziellen Fragen ist nicht aus der Mode, sondern aus der Not geboren. Wenn ein hoch verschuldeter Staat fällige Kredite nicht mehr zurückzahlen kann, müssen Gläubiger einen Abschlag auf ihre Anleihen hinnehmen. Die Staatsanleihen in ihrem Besitz werden sprichwörtlich rasiert, ihr ursprünglicher Wert beschnitten. Jüngstes europäisches Beispiel für diese Form des Schuldenschnitts ist Griechenland. Griechische Staatsanleihen wurden bereits mehrfach beschnitten, um eine ungeordnete Zahlungsunfähigkeit des Landes zu verhindern.

Der Haircut schafft also zunächst einmal neue Handlungsmöglichkeiten für den betroffenen Staat. Ihm wird ein Ausweg aus der Abwärtsspirale aus Verschuldung, rigorosem Sparen und nachlassender Wirtschaftskraft eröffnet. Der Schuldenschnitt muss allerdings in der Regel mit weit reichenden finanzpolitischen Veränderungen erkauft werden. Der neue Haircut frisiert also nicht nur die Schuldenbilanz, sondern verpflichtet den so Beschnittenen auch zu einem veränderten Lebensstil. Alte Zöpfe wie ein überbordender Beamtenapparat, luxuriöse Ausgaben im Verteidigungsetat und manch lieb gewonnene staatliche Errungenschaft fallen der Schur zum Opfer. Auch für die Gläubiger ist ein Haircut keine Kosmetik, sondern ein wirklicher Einschnitt. Manch prächtige Bilanz büsst durch den neuen Schnitt deutlich an Glanz, Fülle und Volumen ein. Für ihren Verzicht bewahren die Gläubiger zumindest die Hoffnung darauf, dass ein Teil ihrer Anleihen wieder beglichen wird.

Leselinks zum Thema Haircut:
Der österreichische Standard fasst die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen (10. März 2012).
Eine kritische Reflexion der Krisenpolitik liefert der Blog Die wunderbare Welt der Wirtschaft (11.Oktober 2011): Mehr als 60 Prozent Haircut für Griechenland?
Der Blog NeverMindTheMarkets entlarvt Trojanische Pferde der europäischen Finanzpolitik im Rahmen des Haircut (1. Dezember 2012).

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. August 2013 | Die Börsenblogger

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