Handelskonflikt: Geld ist Macht

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Wirtschaft ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln – so scheint es, wenn man aktuelle Handelskonflikte betrachtet. Doch die finanzwirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Nationen können im Hintergrund eine ganz eigene Dynamik entfalten.

„Amerika First“ ist die neue Maxime der US-Aussenbeziehungen, ob im Handelsstreit mit der EU oder im Zollkonflikt mit China. Die neue US-Regierung scheint vor Selbstbewusstsein zu strotzen – und sie hat gute Gründe dafür: Die größte Wirtschaftsmacht der Welt, ein importhungriger Absatzmarkt mit mehr als 300 Millionen Verbrauchern, führend in nahezu allen digitalen Zukunftstechnologien und obendrein ausgestattet mit dem Dollar als globaler Leitwährung, in der rund 40 Prozent aller internationalen Zahlungen durchgeführt werden. Wenn Geld Macht ist, dann hat Amerika sehr viel davon und viele Möglichkeiten, seine finanziellen Trümpfe auszuspielen – doch zumindest im Umgang mit China sind der US-Administration subtile, aber klare Grenzen gesetzt.

China als heimliche „Bank of Amerika“

China ist nicht nur ein Konkurrent auf dem internationalen Parkett, sondern auch der größte ausländische Gläubiger der USA. Peking hält amerikanische Schuldtitel im Volumen von fast 1,2 Billionen Dollar – fast 20 Prozent aller Papiere in nicht-amerikanischen Händen. Nur die US-Notenbank hält als grösster Einzelgläubiger noch mehr „US Treasuries“. In den letzten zehn Jahren verdoppelten die Chinesen ihre Bestände sogar nahezu, während die US-Fed begann, Papiere in ihrem Bestand wieder abzustossen. Auch der immense Devisenschatz des Reiches der Mitte im Wert von circa drei Billionen Dollar lässt manche Analysten von der „Bank von Uncle Sam“ sprechen. Welchen beträchtlichen Einfluss dieser gigantische Dollar-Schatz auf die Finanzmärkte hat, zeigten chinesische Gedankenspiele, über die der Finanzdienst Bloomberg jüngst berichtete. Eine Andeutung, dass China seine US-Anleihen und Dollar-Reserven reduzieren könnte, jagte die Rendite der US-Anleihen in die Höhe. Trotzdem taugen Devisen und Anleihen nur sehr bedingt als chinesisches Machtinstrument:

Interdependenzen und der subtile Zwang zur Kooperation

Würde die chinesische Regierung wie angedeutet ihre Dollars und Papiere massiv abstossen, käme es zu einer drastischen Entwertung amerikanischer Staatsanleihen. Auch der Dollar würde einbrechen – mit dramatischen Auswirkungen zunächst für die USA, allen voran der Trump-Administration. Sie ist auf Staatsanleihen und einen stabilen Dollar angewiesen, um die mühsam erkämpfte Steuerreform zu finanzieren. Doch auch die chinesischen Finanziers würden hart getroffen, denn der chinesische Währungs- und Anleihenschatz verlöre immens Wert, der chinesische Yuan würde auf Talfahrt geschickt und Chinas eigener weltpolitischer Handlungsspielraum schrumpfte in sich zusammen. Bei aller politischen Rivalität schaffen die wechselseitigen Abhängigkeiten gute Gründe für eine Rückkehr zur Kooperation zwischen den Supermächten.

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