Harry Markowitz: Die Eier-im-Korb-Methode

Harry Markowitz: Die Eier-im-Korb-Methode 

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Beinahe wäre die Theorie der effizienten Diversifikation gar nicht zustande gekommen.

Dass man sein Geld nicht in eine einzige Anlage stecken sollte, ist keine sehr neue Erkenntnis. Bereits während dem ersten Bullenmarkt an der Wall Street 1792 versuchten Anleger, ihre Risiken möglichst gut zu streuen. Allerdings gingen sie dabei eher intuitiv vor, nach der Eier-im-Korb-Methode, wie es übrigens auch heute noch viele Anleger tun. Es vergingen 160 Jahre, bis 1952 in einem amerikanischen Fachmagazin, dem «Journal of Finance», ein Artikel erschien, in dem erstmals ein wissenschaftliches Modell zur Erstellung eines optimal diversifizierten Portfolios vorgestellt wurde. Autor des Artikels war ein gewisser Harry Markowitz und das Modell sollte ihm 1955 den Doktortitel und 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften eintragen. Nebst diesen beiden offiziellen Titeln, erhielt Markowitz später auch den inoffiziellen Titel als Vater der modernen Portfoliotheorie. Im Kern zeigt diese Theorie, wie ein Portfolio mit mathematisch-statistischen Verfahren effizient diversifiziert werden kann. Effizient bedeutet, dass der erwartete Ertrag bei gegebenem Risiko maximal, bzw. das erwartete Risiko minimal ist. Dieses Konzept mathematisch optimierter Portfolios war damals bahnbrechend.

Dass Markowitz aber überhaupt auf die Idee kam, sich wissenschaftlich mit der Optimierung von Portfolios zu beschäftigen, ist teilweise einem glücklichen Zufall zu verdanken. Als er nämlich seinen Doktorvater Jacob Marschak treffen wollte um sich über mögliche Themen für seine Dissertation zu unterhalten, traf er im Vorzimmer dessen Aktien-Broker, der ebenfalls einen Termin mit Marschak hatte. Da der Professor verspätet war, mussten die beiden längere Zeit warten. Sie kamen ins Gespräch und es war schliesslich dieser Broker, der ihm vorschlug, für seine Doktorarbeit mathematisch-statistische Methoden auf das Studium der Geldanlage und Finanzmärkte anzuwenden. Auch Marschak gefiel die Idee und der Rest ist Geschichte.

Wie bahnbrechend seine Theorie tatsächlich war, zeigte sich, als Markowitz seine Doktorarbeit 1955 vor der Dissertationskommission verteidigen sollte. Eines der Kommissionsmitglieder war nämlich Milton Friedman, einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und ebenfalls ein zukünftiger Nobelpreisträger. Und ausgerechnet Milton Friedman argumentierte, dass die Portfoliotheorie gar nichts mit Ökonomie zu tun habe und Markowitz deshalb der Doktortitel verweigert werden sollte. Allerdings wurde Friedman nach kurzer, heftiger Debatte von den anderen Kommissionsmitgliedern überstimmt. Obwohl nicht unbestritten, sind heute die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie aus der professionellen Geldanlage nicht mehr wegzudenken und Basis für die Anlageentscheide vieler institutioneller aber auch privater Anleger.

Leselink:
Hier erhalten Sie einen guten Überblick über die wichtigsten Punkte der Modernen Portfoliotheorie

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 26. August 2014 | Die Börsenblogger

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