Hedge Fonds: Durch eine selektive Allokation zum idealen Portfolio

Hedge Fonds: Durch eine selektive Allokation zum idealen Portfolio 

Das Hedge-Fonds-Universum ist sehr heterogen. Es umfasst eine Vielzahl an Investmentstrategien. Es lohnt sich aber dennoch, einen genaueren Blick darauf zu werfen, denn die passenden Ansätze verbessern ein klassisches Portfolio.

Durch ihre relativ hohe Gebührenstruktur stossen Hedge Fonds bei vielen Investoren auf Abweisung, bevor sie sich überhaupt über ein potenzielles Alpha oder Diversifikationsmöglichkeiten Gedanken gemacht haben. Zudem steht die Anlageklasse immer wieder in der Kritik – und dies ist nichts Neues. So kritisierte die Finanzjournalistin Carol Loomis bereits 1970, dass die Absicherung durch Short-Positionen nicht nötig sei. Das Konzept des «Hedging» sei stark überbewertet und drücke längerfristig auf die Renditen. Knapp 50 Jahre später unterstützen viele Branchenkritiker diese Aussage immer noch.

Gesundes Industriewachstum

Trotz der Kritik und der erfreulichen Renditen von klassischen Portfolios über die letzten Jahre, hat sich die Hedge-Fonds-Branche sehr gut entwickelt. Die Anzahl Hedge Fonds und die von ihnen verwalteten Vermögen ist stark angestiegen. Heute gibt es über 5300 Hedge Fonds, welche weltweit Vermögen in der Höhe von insgesamt 3600 Milliarden US-Dollar verwalten.

Source: Preqin, LGT Capital Partners

Die Branche ist jedoch sehr diversifiziert, und es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Eine Kategorisierung scheint sinnvoll: Der wohl bekannteste Anlagestil innerhalb der Branche nennt sich „Global Macro“. Dieser erlangte durch die Soros Quantum Fonds Berühmtheit. Bei diesen Fonds werden globale makroökonomische Entwicklungen analysiert und basierend auf den Ergebnissen, die Kauf- respektive Verkaufspositionen bestimmt. Es gibt aber auch systematische Anlagestrategien, wie die sogenannten „Trendfolger“, welche mithilfe von computerbasierten, technischen Analysen Marktbewegungen ausnutzen. Daneben gibt es weitere Stile, alle mit sehr spezifischen Eigenschaften.

Vielfalt an Strategien

Die Auswahl aus dieser breiten Palette an Anlageklassen, Investmentstrategien und zugrundeliegenden Instrumenten ist herausfordernd. Durch das sehr individuelle Markt- und Risikoverständnis von Hedge Fonds, dürfen diese nicht miteinander respektive mit Long-Only Anlagen, bei denen der Investor ausschliesslich Kaufpositionen eingeht und auf steigende Kurse hofft, verglichen werden. So sind Long-Short Aktienfonds viel weniger dem Marktrisiko ausgesetzt und verfügen über ein anderes Risikoprofil als traditionelle Aktienfonds. Trendfolger sind sehr diversifizierend und bieten Schutz in schwierigen Marktphasen, während Arbitragestrategien ihre Renditen mit geringem oder gar keinem Marktrisiko erzielen. Doch wie sollen diese sehr unterschiedlichen Ansätze miteinander verglichen und die passende Anlage gefunden werden?

Überflieger kritisch beurteilen

Dabei gilt es zahlreiche Stolpersteine zu überwinden. Legt ein Investor beispielsweise zu viel Gewicht auf historische Renditen, kann dies zu ungewünschten Resultaten führen. So haben Long-Short Aktienstrategien mit einem Long-Bias, also mit systematisch mehr Kauf- als Verkaufsposition, über die letzten Jahre hohe Renditen erzielt. Die Diversifikation von Fonds mit einem Long-Bias innerhalb eines traditionellen Portfolios ist aber deutlich geringer. Zudem haben Trendfolger mit langen Halteperioden eine bessere Performance erzielt, als jene mit kürzeren. In einem Umfeld geprägt von tiefer Volatilität hat sich Reaktivität nicht ausbezahlt. Aber auch bei längeren Halteperioden sind die Diversifikation und der Kapitalschutz deutlich geringer, was sich negativ auf das Portfolio auswirkt.

Kapitalschutz vs. absolute Renditen

Darum ist es wichtig, dass die Feinheiten verstanden werden und der Investor weiss, was für eine Rolle die Hedge-Fonds-Allokation im Portfolio spielen soll. Eine Kombination von Long-Volatilität und Trendfolger bietet beispielsweise sehr viel Diversifikation und Kapitalschutz, schneidet aber im Vergleich zu Aktien in gewissen Perioden schlecht ab:

Source: LGT Capital Partners, Bloomberg. Long Vol / Trend: 50% CBOE Eurekahedge Long Volatility Hedge Fund Index and 50% SG Trend Index.

Der gute Kapitalschutz ist in der linken Grafik dargestellt. Sie zeigt, dass Long-Volatilität und Trendfolger in volatilen Aktienmarktphasen sehr gute Renditen erzielen. Aus Diversifikationsperspektive sind vor allem die Marktphasen interessant, in welcher Aktienindizes wie der MSCI World unter Druck sind. Diese Strategien erwirtschaften aber nicht konstant gute Erträge. In Zeiten tiefer Aktienmarktvolatilität können negative Renditen auftreten.

Im Vergleich zu Long-Volatilität und Trendfolgern liefern Global-Macro-Strategien konsistentere Renditen, bieten umgekehrt aber weniger Schutz in schwierigen Marktphasen:

Hedge Fonds: Durch eine selektive Allokation zum idealen Portfolio
Source: LGT Capital Partners, Bloomberg

Die Grafiken zeigen, dass die Global-Macro-Renditen unabhängiger von der Aktienmarktvolatilität sind. Sie haben den Anspruch konstante Renditen über verschiedene Marktzyklen zu generieren, bieten umgekehrt aber weniger Kapitalschutz während Aktienmarktkorrekturen.

Wichtiger Baustein eines diversifizierten Portfolios

Investoren haben also eine sehr breite Palette an Hedge-Fonds-Strategien, um ein klassisches Portfolio zu ergänzen. Dabei ist es wichtig, die Vor- und Nachteile der einzelnen Ansätze zu kennen, um deren Rolle genau zu definieren. Klar, in den Jahren seit der Finanzkrise war es schwierig, die Rendite eines klassischen Portfolios zu übertreffen. Die globalen Quantitative-Easing-Programme der Notenbanken führten zu einer beispiellosen Erhöhung der Marktliquidität, begleitet von tiefer Inflation und geringer Volatilität. Das Resultat ist einer der längsten Bullenmärkte der Geschichte, in welcher sich direktionales Long-only Exposure ausbezahlte und Diversifikation kostete. In Zeiten von negativen griechischen Zinssätzen und rekordhohen US-Aktienmärkten, ist es aber sinnvoll über Portfoliodiversifikation nachzudenken. Eine selektive und gut strukturierte Hedge-Fonds-Allokation kann ein klassisches Portfolio dabei erheblich verbessern.

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