Hedge Funds und das Alpha Paradoxon 

In den vergangenen 12 Monaten erzielten Long/Short Equity-Strategien vergleichsweise hohe Renditen.  Bei Long / Short Equity  werden Aktien gekauft, die als unterbewertet angesehen werden und gleichzeitig solche leer verkauft, die als überbewertet eingestuft werden. Ein gegenüber der Hedge-Funds-Branche skeptisch gesinnter Beobachter würde diese Erfolge auf die generelle Marktentwicklung zurück führen und nicht auf die Fähigkeiten der Funds-Manager. Long/Short Equity Manager hätten einfach von den steigenden Aktien-Märkten profitiert, ihre Gewinne seien einfach auf der Woge der Aktienrallye nach oben getrieben worden.

Eine genauere Analyse zeigt allerdings, dass unser skeptischer Beobachter irrt. Der Haupttreiber der positiven Rendite war nämlich nicht der Boom an den Börsen, sondern die Fähigkeit der Manager, zusätzliche Rendite, das so genannte Alpha aus den Aktienmärkten zu extrahieren. Zum Beispiel indem sie Long- oder Short-Positionen in Titeln aufgenommen haben, die Aussichten auf eine bessere (Long) oder eine schlechtere (Short) relative Rendite im Vergleich zum Markt haben. Dieses Alpha lässt sich ablesen, wenn zwischen der Manager-Rendite und einer hypothetischen Rendite aus dem Produkt des Manager Netto-Marktexposure und der Markt-Performance eine positive Differenz besteht. Sehr vereinfacht ausgedrückt lässt sich mit dieser Berechnung ablesen, wie viel zusätzliche Rendite die Aktivitäten des Funds-Managers gegenüber dem Markt erzielen konnten. Angesichts dieses numerischen Beweises muss der Skeptiker seine anfängliche Annahme („vom Beta getriebene Rendite“)  aufgeben.
Wenn er nun allerdings weiterhin  nachdenkt, nach welchem Mechanismus sich Alpha in der Manager-Rendite kristallisiert, sieht sich der Skeptiker bald mit einem Paradoxon konfrontiert:

Die Auswahl von Titeln auf der Long- und Short-Seite beruht auf einer tief gehenden Analyse, welche die fundamentalen Faktoren des zukünftigen Erfolg oder Misserfolgs eines Unternehmens bedingen. In einer solchen Analyse steckt die gesamte Erfahrung, das analytische Können, das Netzwerk, usw. eines Managers. Auf der Suche nach attraktiven Aktien-Titeln folgt der Manager seinem besonderen, individuellem, oft einsamen Weg bis er – sozusagen – seine Investment-Perlen gefunden hat. Allerdings bleibt diese Suche wertlos, wenn der übrige Markt diese Perlen nicht entdeckt: denn erst wenn die Investoren von einem Titel begeistert oder enttäuscht sind, wird die Aktie eine entsprechend starke oder schwache Performance aufweisen. Hier liegt das Paradoxon von Alpha Investments: Trotz aller Mühe und allem Können, trotz all seinen hervorragenden, idiosynkratrischen Fähigkeiten ist es für den Manager doch notwendig, dass alle Anderen – also der „normale“ Markt – „seine“ Perlen ebenfalls entdeckt.

Diese intellektuelle Pointe wird unseren Skeptiker freuen. Dennoch: „Die Perlen“, das Alpha bei Long/Short Equity Managern, ist zurück  darüber freuen sich alle Hedge-Funds-Investoren.

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