Hedge Funds und Nachhaltigkeit: Gegensatz oder Zukunftsmodell?

Hedge Funds und Nachhaltigkeit: Gegensatz oder Zukunftsmodell? 

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Hedge Funds waren bislang nicht gerade für nachhaltiges Investieren bekannt – doch es gibt Anzeichen für eine Trendwende in dieser viel kritisierten Industrie.

Der Hedge-Funds-Industrie wird immer wieder vorgeworfen, nur an der Maximierung ihrer Gewinne interessiert zu sein, ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Folgewirkungen. Viel zitiert wird beispielsweise Paul Signers Elliott Management, welches nach der Insolvenz Argentiniens im Jahre 2001 Staatsanleihen zu günstigsten Konditionen kaufte. Während sich ein Grossteil der Gläubiger auf eine reduzierte Rückzahlung einliess, verklagte Singer die zweitgrösste Volkswirtschaft Südamerikas und liess argentinische Vermögenswerte beschlagnahmen, um den eigenen Gewinn zu mehren. Ein anderes kontroverses Beispiel ist Anthony „Schokoladenfinger“ Ward, dessen Spitzname aus einem James Bond Film stammen könnte. Er machte im Jahr 2010 Schlagzeilen, als sein Hedge Fund Armajaro 241 000 Tonnen Kakaobohnen kaufte – genug um 5.3 Milliarden Schokoladenriegel herzustellen. Solche Transaktionen beeinflussen Lebensmittelpreise mit Konsequenzen für Produzenten und Konsumenten weltweit.

Die kritischen Stimmen sind also nicht ganz unberechtigt – aber man kann das Verhalten einzelner Akteure nicht auf die gesamte Industrie übertragen.

Marktmacht versus Markteffizienz

Ausserdem tragen Hedge Funds durchaus zu funktionierenden Finanzmärkten bei. Nehmen wir das Beispiel Rohstoffe. Steigen Preise massiv an oder sinken sie stark, werden oft Spekulanten dafür verantwortlich gemacht. Wären die Preise aber tatsächlich nur wegen diesen Marktteilnehmern hoch oder tief, würde das bedeuten, dass diese nur zu hohen Preisen kaufen und zu tiefen verkaufen. Dies macht überhaupt keinen Sinn. Vielmehr versuchen Hedge Funds, unterbewertete Anlagen zu kaufen beziehungsweise überbewertete zu verkaufen. Sie tragen damit massgeblich zu einer fairen Preisbildung und effizienten Märkten bei.

Nachhaltige Strategieansätze auf dem Vormarsch

Darüber hinaus berücksichtigen immer mehr Hedge Funds ESG-Kriterien bei ihren Anlageentscheidungen. Wie bei traditionellen Anlageklassen verfolgen sie dabei unterschiedliche Ansätze. Long-Short Aktien Funds schliessen beispielsweise unethische Sektoren ganz aus oder verwenden einen „Best in Class“ Ansatz, bei dem nur in die nachhaltigsten Firmen innerhalb eines Sektors investiert wird.

Für Global Macro Funds, welche in verschiedenste Anlageklassen wie Währungen investieren, ist es schwieriger, Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen. Aber auch hier lassen sich Filter anwenden. So können die der Währung zugrundeliegenden Länder in homogene Gruppen eingeteilt und auf ESG-Kriterien untersucht werden. Die UN PRI (Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen) ist dabei, einen umfassenden Leitfaden auszuarbeiten, um ESG-Faktoren in den Anlageprozess verschiedenster Hedge-Funds-Strategien einzubeziehen.

Insgesamt tut sich in diesem Bereich also einiges, und das Interesse an nachhaltigen Themen steigt, wie folgende Grafik aus unserem ESG Report 2018 zeigt:

Hedge Funds
Quelle: LGT Capital Partners

Und auch auf der Anlegerseite stehen Nachhaltigkeitskriterien hoch im Kurs. Gemäss einer Umfrage der Credit Suisse ist die Nachfrage nach ESG-Produkten gestiegen. Strategien, welche diese Faktoren berücksichtigen, erscheinen 2018 zum ersten Mal innerhalb der Top 10 Kundenbedürfnisse.

Die Trendwende braucht Transparenz und klare Richtlinien

Um die Ethik der Hedge Funds steht es also nicht so schlecht, wie der Ruf vermuten lässt. Trotzdem muss noch viel verbessert werden. Denn Hedge Funds können alleine durch ihre Marktmacht eine Trendwende zu nachhaltigem investieren bewirken. Einerseits können durch Verkaufspositionen unethische Firmen abgestraft oder gar Druck auf Staaten ausgeübt werden, welche Nachhaltigkeitskriterien mit Füssen treten. Andererseits lassen sich mit Kaufpositionen vorbildliche Unternehmen respektive Länder unterstützen.

Meine persönliche Mitarbeit bei der UN PRI zur Entwicklung von ESG-Richtlinien für Hedge Funds ist eine Gelegenheit, klare Richtlinien zu definieren, um die Manager bei der Erreichung ihrer ökologischen-, sozialen- sowie Governance-Zielen zukünftig zu unterstützen.

 

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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