Hochverzinsliche Anleihen: Hochzins vor dem Fall? 

Artikel bewerten

Zinstragende Anlagen haben seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise Ende Februar 2009 eine ansehnliche Wertentwicklung vorzuweisen. Dies gilt für Staatsanleihen wie für Unternehmensanleihen, insbesondere jedoch für hochverzinsliche Anleihen. Während Investment Grade-Anleihen, also Anleihen mit einem Rating von BBB- oder besser, seit dem 1. März 2009 einen Gesamtertrag von 62 Prozent verzeichneten, konnten sich Anleger mit in US-Dollar notierten hochverzinslichen Anleihen genau das Doppelte an Ertrag gutschreiben lassen*.

Der annualisierte Gesamtertrag von über 15 Prozent, auf den hochverzinsliche Anleihen in dieser Zeit zurückblicken, speist sich aus zwei Quellen. Eine ist der Kupon, also die jährliche Verzinsung. Aufgrund der niedrigeren Bonität der Emittenten ist der Kupon einer Hochzinsanleihe höher als jener, den eine Anleihe mit Investment Grade-Bonität Investoren bieten muss.

Die zweite Renditequelle war in den zurückliegenden fünf Jahren die Risikoprämie von hochverzinslichen Anleihen, also das Mehr an Rendite im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen, das ein Schuldner mit niedriger Bonität seinen Anlegern bieten muss. Diese Risikoprämie ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, so dass sich auch Emittenten mit niedrigen Ratings zu immer niedrigeren Zinsen verschulden konnten.

Wer als Anleger 2009 eine Anleihe erworben hat, konnte sich seitdem über den Rückgang des am Markt geforderten Renditeaufschlags freuen. Denn indem auf den Finanzmärkten das Renditeniveau vor sich hinsank, stieg der Preis seiner Anleihe im Portfolio. Auf diese Weise erzielten Hochzinsanleihen eine Performance, die locker mit Aktienindizes wie z.B. dem SMI mithalten konnten. Gleichzeitig wiesen sie eine deutlich geringere Volatilität als Aktien auf.

Vieles deutet heute darauf hin, dass die Zeiten attraktiver Renditen im hochverzinslichen Anleihesegment Vergangenheit sind. Denn während Aktien, zumindest in der Theorie, unlimitierte Kursgewinne erzielen können, ist dies bei Anleihen nicht möglich. Ein weiterer Rückgang des Renditeaufschlags ist spätestens dann nicht mehr möglich, wenn null erreicht ist. An diesem Punkt würden risikobehaftete Hochzinsanleihen die gleiche Rendite abwerfen wie risikolose Staatsanleihen. Kein Anleger würde sich darauf einlassen.

In der Praxis gibt es daher selbst in Zeiten üppig fliessenden Zentralbankgeldes einen Mindestrenditeaufschlag, den hochverzinsliche Anleihen bieten müssen, damit sie Käufer finden. Sein Allzeithoch erreichte der erforderliche Aufschlag** im Dezember 2008 mit 20.4 Prozent. Im Juni dieses Jahres, also keine fünfeinhalb Jahre später, erreichte er mit 2.21 Prozent sein Allzeittief. Aktuell bewegt er sich auf einem Niveau von leicht unter 2.6 Prozent. Egal, wieviel Liquidität die Zentralbanken den Finanzmärkten noch aufdrängen und selbst wenn Risikoprämie tatsächlich noch weiter fallen sollte, muss man weder hellseherische Fähigkeiten besitzen noch studierter Mathematiker sein, um zu erkennen, dass die Gesamtrendite hochverzinslicher Anleihen in Zukunft deutlich unter jener der vergangenen Jahre liegen wird.

Hinzu kommen einige Faktoren, die Grund zu Beunruhigung bieten, denn sie zeugen von einer gewissen Sorglosigkeit, um nicht zu sagen Leichtsinnigkeit unter der renditejagenden Anlegerschaft: So sank beispielsweise die durchschnittliche Rendite für hochverzinsliche Neuemissionen seit Anfang 2012 von rund 8 Prozent auf aktuell nur noch 6.5 Prozent. Das Emissionsvolumen von Hochzinsanleihen erreichte in Europa im ersten Halbjahr mit rund 85 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Hinzu kommt, dass die Anlegerschutzklauseln, über den jede Anleihe verfügt und in der die Rechte und Pflichten von Anlegern und Emittenten festgehalten sind, seit Anfang 2013 zunehmend zuungunsten der Anleger aufgeweicht werden. Herauskommen dabei sogenannten Covenant-Lite-Loans, die bis Ende 2012 praktisch nicht an den Anleger zu bringen waren. Mittlerweile jedoch finden sie wieder so reissenden Absatz, dass sich die amerikanische Zentralbank wiederholt besorgt geäussert hat.

Viele Anleger verdrängen dabei das Risiko eines Zahlungsausfalls. Vor allem Investoren im «High Yield»-Markt müssen mögliche Zahlungsausfälle einkalkulieren, wenn sie ihre Erwartungen an den Gesamtertrag formulieren. Während sich die Risikoeinstufungen der Rating-Agenturen auf einer linearen Skala bewegen (AAA, AA, A, BBB, BB, B, CCC, …), steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls exponentiell an, je weiter das Rating sinkt. Eine Analyse des LGT Fixed Income Researchs hat ergeben, dass Investoren in den schwächsten Kreditqualitäten nicht mehr angemessen für das zusätzlich eingegangene Risiko kompensiert werden.

Es scheint daher an der Zeit, Investitionen in hochverzinslichen Anleihen zu überdenken, Gewinne zu realisieren und den Anlagefokus neu auszurichten.

Referenzen
Der Leichtsinn am Anleihenmarktnimmt zu (Faz.net, 11.07.2014)

*iBoxx $ Liquid High Yield Index, bzw. Barclays Global Aggregate Corporate Index
**Ausgedrückt im Barclays US Corporate High Yield Index minus der Rendite für eine 10-jährige US-Staatsanleihe. Quelle Bloomberg

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. Juli 2014 | Die Börsenblogger

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.