Höchstrenditen mit Wein-Investments

Höchstrenditen mit Wein-Investments 

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Mit einer Rendite von mehr als 30 Prozent über die letzten zwei Jahre übertrifft Wein andere Luxusgüter wie Kunst, Oldtimer, Diamanten oder Münzen deutlich. Andreas Vetsch, Hedge-Fund-Analyst bei LGT Capital Partners, über das weltweit beliebteste Luxusinvestment.

Wein begleitet den Menschen seit geraumer Zeit. Gemäss Überlieferungen wurden bereits 7000 Jahre vor Christus Weinreben in der Region um das Schwarze Meer kultiviert und die Etrusker brachten den Wein um 1000 vor Christus nach Europa. Dass Wein auch zum Investmentobjekt wurde, haben wir Napoleon III. zu verdanken. Er legte im Rahmen der Weltausstellung 1855 in Paris den Grundstein, indem er Bordeaux-Lagen in fünf Qualitätskategorien einteilen liess. Diese Klassifizierung gilt bis heute. Sie ist gewissermassen ein Vorläufer heutiger Marketingkonzepte, denn sie beflügelte die Markenbekanntheit und Reputation dieser Weine und verlieh der Bordeaux-Region eine mythische Aura.

Gut Ding hat Weile

Heute deckt Bordeaux 90 Prozent des weltweiten Markts an investierbaren Weinen ab. In der höchsten Qualitätsklasse finden sich lediglich fünf Premier-Cru-Weine der Güter Châteaux Lafite-Rothschild, Margaux, Latour, Haut-Brion und Mouton-Rothschild. Diese hochwertigen Weine brauchen viel Zeit, um den vollen Geschmack zu entfalten – und dementsprechend entwickeln sich auch ihre Preise. Ein Château Margaux Jahrgang 2000 wurde beispielsweise im Sommer 2002 zu einem Preis von 400 US-Dollar auf den Markt gebracht. In den ersten Jahren blieb der Preis unverändert, bis er ab 2006 anstieg. Der momentane Wert liegt bei über 1000 US-Dollar und dürfte weiter steigen. Der Wein ist nun trinkreif und mit jeder entkorkten Flasche erhöht sich der Preis der noch gelagerten. Die voraussichtliche Genussspanne vom Château Margaux Jahrgang 2000 geht bis ins Jahr 2050 – preislich bleibt also noch viel Luft nach oben. Neben Bordeaux Weinen eignen sich weitere französiche Weine aus dem Burgund oder Rhône Gebiet, italienische Weine aus dem Piemont und Montalcino sowie spanische Weine wie Ribera del Duero oder Rioja für Investments. Ausserhalb Europas bieten sich Sauvignons aus dem Napa Valley, Pinot Noirs aus Oregon oder auch australische Weine aus dem Barossa Valley und Margaret River an.

Das Weinetikett als Visitenkarte

Bei der Weinpreisbildung sind objektive Faktoren von grosser Bedeutung. Dazu zählen Merkmale, die bereits vor dem Kauf auf der Etikette der Flasche ersichtlich sind, wie das Weingut oder der Jahrgang. Bei einem „Château Haut-Brion“ handelt es sich beispielsweise um den besten Wein des Haut-Brion Weinguts, einen voll fermentierten, trockenen Wein von rubinroter Farbe und vergleichsweise niedrigem Alkoholgehalt. Neben dem Namen ist zudem der Jahrgang von zentraler Bedeutung, denn es braucht viel Wärme und Licht, wenn aus den Blüten Trauben werden, zwischendurch ein bisschen Regen und Trockenheit bei der Ernte. Ein optimales Zusammenspiel von Sonne und Wasser führt zu aussergewöhnlichen Jahrgängen mit enormem Preispotenzial – oder wie Galileo Galilei einst sagte: „Wein ist Sonnenlicht, zusammengehalten von Wasser“.

Die Million-Dollar-Nase beflügelt Preise

Aber nicht nur objektive Faktoren sondern auch sensorische Attribute wie der Geschmack im Glas respektive im Mund oder der Nachgeschmack spielen eine zentrale Rolle bei der Preisbildung. Experten brauchen Begriffe wie „Komplexität“, „Charakter“ und „Reifungspotenzial“, um die Qualität zu beschreiben. Mit nur wenigen Worten in ihren Weinbewertungen und Degustationsberichten können sie das Verhalten der Weinkonsumenten (und Investoren) entscheidend beeinflussen. Obwohl es unzählige Experten gibt, erhält nur eine sehr kleine, elitäre Gruppe von ihnen weltweite Aufmerksamkeit. Dazu gehören Robert Parker, James Suckling, Neal Martin oder auch Jancis Robinson. Mit ihren Magazinen oder Kolumnen in Zeitungen erreichen sie eine grosse Leserschaft. Der Einfluss dieser Kritiker ist enorm und darum erstaunt es nicht, dass Robert Parker seine Nase und seinen Gaumen für eine Million US-Dollar versichern liess. Dies brachte ihm den Spitznamen „Million-Dollar-Nase“ ein. Jancis Robinson hat dafür ein interessantes Nebenamt. Neben der Kolumne in der Financial Times und ihrem persönlichen Blog ist sie die persönliche Weinberaterin von Queen Elisabeth II.

Robert Parker Margaux 2000 Review
Score: 100 Points
Absolutely compelling in two tastings of this vintage, the 2000 Margaux is composed of 90% Cabernet Sauvignon and 10% Merlot. The extraordinary seductiveness, complex aromatics, and purity it exhibits lead me to believe it has reached its window of full maturity. Medium-bodied, with layers of concentration, stunning blue, red, and black fruits intermixed with spring flowers, a subtle dosage of new oak, and a distinctive personality that is elegant while at the same time powerful and substantial, this is a multi-dimensional wine that was extremely approachable and drinkable in both tastings I had of it. The color remains a healthy, even opaque bluish/purple, but there is no reason to hesitate to drink it. It should evolve for another 30-40 years, so there is no hurry either.

Schwellenländer und Europa als Zugpferde

Million-Dollar-Nase hin oder her, am Ende des Tages unterliegen auch Luxusgüter wie investierbare Weine dem makroökonomischen Umfeld. Zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 büsste der Wein-Benchmark Liv-ex-Fine-Wine-100-Index 22 Prozent an Wert ein und auch die strukturellen Unsicherheiten in China 2011 drückten auf die Wein- und Rohstoffpreise. Der weltweite wirtschaftliche Aufschwung und die wachsende Nachfrage aus den Schwellenländern führten jedoch zu einer Erholung – und das Umfeld bleibt vielversprechend, wie eine aktuelle Studie von Bain & Company belegt. Europa hat sich in jüngster Zeit von wirtschaftlichen Unsicherheiten erholt und die Luxusgüterbranche rechnet mit einem deutlichen Umsatzplus. Auch die Nachfrage aus aufstrebenden Luxusgütermärkten wie China, Russland oder den Arabischen Emiraten nimmt weiter zu. Die weinbegeisterten Chinesen laufen gar zu neuer Höchstform auf. Aufgrund lokaler Steuersenkungen floriert der inländische Markt für Luxusgüter und gutsituierte Chinesen kaufen wieder vermehrt in Europa ein.

In vino reditus

Obwohl die globale Produktion von Spitzenweinen in den letzten Jahren ausgeweitet wurde, kann das Angebot mit der ungebremsten Zunahme der Nachfrage nicht mithalten. Die Fläche und Anzahl der Toplagen sind begrenzt und die Spitzenweingüter können jeweils nur eine beschränkte Traubenmenge pro Hektar produzieren. Diese Angebots-Nachfrage Dynamik wird die Preise vorderhand weiter in die Höhe treiben. Zudem erhöht das Diversifikationspotenzial die Attraktivität der Anlageklasse. Investierbare Weine haben sich also nicht überraschend zum beliebtesten Luxusgut entwickelt und ist sich ein Investor der beschriebenen Preistreiber bewusst, kann er mit Wein auch zukünftig gute Renditen erzielen. In Spitzenweinen scheint also nicht nur die Wahrheit, sondern auch viel Rendite zu liegen. In diesem Sinne „in vino veritas“ oder aber „in vino reditus“.

 

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Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. Dezember 2017 | Die Börsenblogger
  2. christian seilern-aspang at 09:32

    Von diesen sagenhaften Renditen beim Wein hörte ich schon, aber wer kauft um diese „Börsenpreise“ den Wein zurück. Dies ist leider mir nicht bekannt. Die Händler zahlen natürlich nur eine Bruchteil.
    Wenn Ihr jemanden kennt der diese Preise zahlt bitte an meine o.a. E-Mail schicken.
    Herzliche Grüße und gesegnete Weihnachten
    ChS

    • Andreas Vetsch
      Andreas Vetsch at 11:05

      Sehr geehrter Herr Seilern-Aspang,
      Vielen herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Die im Artikel dargestellte Weinperformance widerspiegelt den Liv-Ex Index, die weltweit einzige elektronische Börse für Spitzenweine mit Sitz in London. Die Liv-Ex wurde 1999 gegründet und stellt Weinhändlern, Börsenhändlern und Brokern einen Marktplatz und eine elektronische Handelsplattform zur Verfügung, auf der sie, genau wie Wertpapiermakler, schnell und einfach mit Weinen handeln können. Der Unterschied zu anderen Handelsplattformen, wie Aktionshäusern, ist der, dass auf Liv-Ex nur registrierte Weinhändler und Fachleute mit einer nachgewiesenen Erfahrung im Weingeschäft Gebote abgeben und Angebote einstellen können. Die Preise beruhen dabei auf den effektiv abgewickelten Transaktionen also realen Preisen. Der Liv-Ex Index hat sich auf dem Markt für Qualitätsweine zur führenden Informationsquelle über aktuelle Preise, Preisschwankungen und historische Lagerbestände von Spitzenweinen entwickelt.
      Neben einer Analyse des Liv-Ex Index besteht die Möglichkeit die weltweiten Auktionspreise zu analysieren. Die Renditen bei den Auktionen sind dabei sehr vergleichbar mit jenen des Liv-Ex Index.
      Ich wünsche Ihnen auch frohe Festtage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
      Beste Grüsse,
      Andreas Vetsch

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