Hongkong bietet gute Bedingungen für Unternehmen

Hongkong bietet gute Bedingungen für Unternehmen 

In Zeiten von Unruhen in Hongkong sorgt das Linked Exchange Rate System – die Währungsbindung des Hongkong Dollars an den US-Dollar – für Stabilität.

Hongkong belegte im kürzlich veröffentlichten Bericht „Ease of Doing Business“ der Weltbank für 2020 Platz drei und lag damit deutlich vor viel grösseren Volkswirtschaften wie den Vereinigten Staaten (Platz 6) und dem Vereinigten Königreich (Platz 8). Eine wichtige Anerkennung, unterstreicht diese doch das Engagement Hongkongs, unabhängig von den derzeitigen Unruhen gute Bedingungen für Unternehmen zu schaffen. Eine wichtige Rolle bei der Schaffung dieses guten Umfelds spielen die Regulierungs- und Wirtschaftsbehörden und eine Säule der Stabilität ist die Währungsbindung an den US-Dollar.

LERS als Anker

Mit dem Linked Exchange Rate System (LERS) koppelt Hongkong seine Währung seit 1983 an den US-Dollar. Das LERS, auch bekannt als „Currency Board Regime“, hat bereits mehreren Wirtschaftskrisen standgehalten, darunter die Asienkrise Ende der 90er Jahre, der SARS-Ausbruch 2003 und die globale Finanzkrise vor einem Jahrzehnt.

Das System funktioniert so gut, weil klare, genau definierte Regeln gelten, wobei die Hongkonger Währungsbehörde Devisenreserven von 439 Milliarden US-Dollar gegenüber einer Geldmenge von 210 Milliarden US-Dollar hält. In seiner jährlichen Überprüfung der Sonderverwaltungszone Hongkong lobte der Internationale Währungsfonds (IWF) die LERS „als Anker der Stabilität, der dazu beiträgt, nachhaltiges Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und das reibungslose Funktionieren der umfangreichen Finanzdienstleistungsindustrie zu gewährleisten“.

Löhne und Beschäftigung unter Druck

Nun sind in Hongkong jedoch insbesondere der Einzelhandel und das Gastgewerbe unter Druck geraten, da weniger Touristen nach Hongkong reisen und die Verkäufe von hochwertigen Artikeln deutlich zurückgingen. In der Wirtschaftstheorie heisst es, makroökonomische Schocks würden politische Instrumente (etwa eine Erhöhung der Staatsausgaben) und/oder andere Mechanismen erfordern, um negativen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft entgegenzuwirken.

Eine IWF-Studie vom Januar 2017 stellte jedoch fest, dass Preise und Löhne in Hongkong noch flexibler sind als in besonders offenen Volkswirtschaften wie den Vereinigten Staaten, was das eingangs erwähnte Ranking der Weltbank bestätigt. Und da Hongkong die Zinssätze nicht selbst festlegen kann und die Währung an den US-Dollar gebunden ist, zeichnen sich wirtschaftliche Schocks in den Preisen und am Arbeitsmarkt ab. Auch offizielle Daten deuten darauf hin, dass diese Anpassung nun stattfindet. Der Beschäftigungsgrad nimmt angesichts der sinkenden Einzelhandelsnachfrage und den Auswirkungen des US-amerikanischen und chinesischen Handelskrieg ab. Es ist anzunehmen, dass die Tragweite und Dauer von Lohnrückgängen und Arbeitsplatzverlusten davon abhängen wird, wie lange die Krise andauert und wie heftig sie ausfallen wird.

LERS bleibt zentral

Die lokalen Behörden haben bereits eine Reihe von Massnahmen angekündigt, darunter eine Steuererleichterung von 19.1 Milliarden Hongkong Dollar sowie die Stützung der Immobilienmärkte. Unserer Meinung nach wäre es jedoch falsch zu glauben, dass die Löhne und das Beschäftigungsniveau in Hongkong in den kommenden Quartalen nicht beeinträchtigt werden. Allerdings ist aus unserer Sicht die Rolle der LERS jetzt noch wichtiger, da die US-Dollar-Bindung als kritischer Stabilitätsanker für Hongkong dient.

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