Im Labyrinth der eigenen Dogmen

Im Labyrinth der eigenen Dogmen 

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Zukunftsszenarien, in denen die Menschen Sklaven von „super-intelligenten“ Robotern werden, hatten in den letzten Jahren Hochkonjunktur. Was allerdings oft übersehen wird: Es braucht gar keinen super-intelligenten Computer, um dem Menschen die Freiheit zu entziehen. Oft bleibt der Mensch nämlich im Labyrinth seiner selbst erschaffenen Dogmen gefangen.

Die „neue Unfreiheit“ ist weniger davon abhängig, wie stark künstliche Intelligenz sich entwickeln und inwiefern sie Oberhand gewinnen wird, sondern eher davon, wie stark jemand dazu neigt, sich einer Ideologie zu unterwerfen. Diese Gefahr lauert in vielen Bereichen: von der Medizin bis zur Architektur, von der Industrie bis zur Finanz. Dass man in jedem dieser Bereiche gewissen Prinzipien folgt, ist selbstverständlich. Die Frage ist, wann bzw. welche dieser Prinzipien einen ideologischen Charakter entfalten. Ich wage hier eine Antwort: Prinzipien sind oder werden ideologisch, wenn man sich an sie hält, obwohl die Realität ihre Gültigkeit in Frage stellt. Mit Realität meine ich – neben der tatsächlichen Welt – auch neue Erkenntnisse, die Summe von bestimmten Erfahrungen, usw. gegen solche ideologischen Fallstricke ist auch der Investor nicht immun.

Zwei Beispiele für ideologisches Denken in der Finanzindustrie

Managed Accounts

Die Schwächen von Anlagefonds haben sich im Jahre 2008 offenbart: Ihre Intransparenz – was die Liquidität der Strategie oder deren Inhalte (zum Beispiel im Fall Madoff) anbelangt – hat damals viele Investoren in die Irre geführt. Eine mögliche Lösung hierfür ist die Umsetzung einer Investmentstrategie via Managed Acoounts („MAC“). Diese bieten vollständige Transparenz über die Zusammensetzung des Portfolios sowie über die getätigten Transaktionen und schliessen damit Betrugsfälle à la Madoff aus. Der dogmatische und auf Transparenz fixierte MAC-Verfechter würde – angesichts dieses klaren Vorteils – Investments nur über Managed Accounts tätigen und herkömmliche Fondsinvestments meiden. Damit würde er aber die Renditeziele der Transparenz unterordnen, die MAC anbieten.

Wer nämlich dogmatisch nur in MAC investiert, schränkt das Universum der möglichen Investments ein, d.h. gewisse Strategien werden ihm verschlossen bleiben. Im Gegensatz hierzu wird ein undogmatischer Investor die Transparenzvorteile von MAC mit allfälligen Renditevorteilen einer Strategie vergleichen, welche nur als Fondinvestment verfügbar ist. Wenn die Renditevorteile für ihn überwiegen, dann wird sich ein undogmatischer Anleger für das Fondsinvestment entscheiden.

Quantitative Strategien im Aktienbereich

Hedge Funds haben eine lange Tradition im quantitativen Strategiebereich. Im August 2007 erlebten diese Strategien starke Verluste – man sprach von einem „Quant meltdown“. Dieses Ereignis führte dazu, dass einige Investoren bis heute Hedge Funds meiden. In den letzten 10 Jahren haben sich die quantitativen Strategien allerdings weiterentwickelt und ihr Arsenal an Techniken ist um einige bahnbrechende Innovationen wie Big Data und Künstliche Intelligenz reicher geworden. Wer diese Strategien kategorisch ablehnt, erkennt nicht an, dass die quantitativen Strategien von heute ganz andere Qualitäten aufweisen, als dies vor 10 Jahren der Fall war.

Weiterhin mit alten Landkarten auf Kurs

In einem früheren Beitrag hatte ich auf die Volatilität der Investoren in Bezug auf ihre Überzeugungen und Prinzipien hingewiesen. In diesem Beitrag möchte ich hingegen das Risiko von ideologisierten Überzeugungen betonen. Um wieder eine Seefahrt-Analogie zu verwenden: Der dogmatische Investor bestimmt den Kurs des Schiffes basierend auf Seekarten, die er noch für aktuell erachtet. Dies kann fatal sein, wenn die Karten tatsächlich veraltet sind. Würde der Investor aus der Kabine schauen, könnte er erkennen, dass die Felsen näher sind und der Strom stärker ist, als von der Karte angegeben.

 

LGT Capital Partners fokussieren ihre Anlagekompetenz auf vier Bereiche: Private Markets, liquide alternative Anlagen, Multi-Asset-Lösungen und Speziallösungen long-only. Seit 1997 konnte die Firma hier grosse Expertise aufbauen.

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