Impact Investing: Trumpf gegen Trump?

Impact Investing: Trumpf gegen Trump? 

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Mit Donald Trump hat die nach wie vor grösste Weltmacht nun einen Mann an der Spitze, der Klimawandel leugnet und staatliche Ausgaben für das Gesundheitssystem, Bildung oder Soziales stark kürzen möchte. Haben nachhaltige Investitionen das Potenzial, diesem neuen politischen Kurs der USA entgegenzuwirken?

Seit dem Wahlsieg Donald Trumps beobachten Anlageberater einen Anstieg in der Nachfrage nach „ESG“-(Environmental, Social, Governance) und Impact Investments. Auch so genannte „Wutspenden“ frustrierter Wähler an gemeinnützige Organisationen, die der Trump-Regierung Paroli bieten, haben bereits Rekordausmasse erreicht. Prominente Milliardäre begannen in den letzten Monaten Trumps umstrittener Politik gezielt entgegenzuwirken: Bereits im Dezember lancierten Bill Gates, Amazon-Gründer Jeff Bezos, Alibabas Jack Ma und eine Reihe weiterer Investoren einen eine Milliarde US-Dollar schweren Fonds zur Förderung sauberer Energietechnologien. Nach Trumps Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen im Juni verkündete Michael Bloomberg, Philanthrop und Exbürgermeister von New York, dass seine philanthropische Organisation den nun fehlenden Beitrag der USA zur Umsetzung des Abkommens decken würde. Zudem startete er kürzlich die an Lokalregierungen gerichtete American Cities Initiative. Diese investiert 200 Millionen US-Dollar in Programme zur Förderung der öffentlichen Gesundheit, Kontrolle von Waffen, Immigrationsinitiativen und zum Kampf gegen den Klimawandel – Themen, denen unter der Trump-Regierung Mittel zu fehlen drohen.

Impact Economy: Problemlösung jenseits der Politik

Gesellschaftspolitische Einflussnahme durch Geldmittel ist nichts Neues. Impact Investoren verwirklichen politische Ziele jedoch nicht durch Lobbyismus: Die Vertreter der so genannten Impact Economy investieren privates Kapital für das öffentliche Wohl sowie für den sozialen und ökologischen Fortschritt. Wo dies möglich ist, werden marktwirtschaftliche Lösungen und innovative Unternehmensmodelle gefördert. Die LGT engagiert sich in diesem Sinn seit 2007 mit LGT Venture Philanthropy und LGT Impact und investiert in skalierbare Unternehmen mit sozialer Mission.

Nachhaltige und Impact Investoren erwarten, dass sich die Menschen immer weniger auf die Politik verlassen werden, wenn es darum geht Probleme zu lösen, und dass profitable Unternehmen eine bedeutendere Rolle spielen werden. Anders als ihr Präsident glauben beispielsweise 70 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung an die globale Erwärmung und dass diese künftigen Generationen schaden wird.

Doing good is good business

Die Impact Economy möchte Gutes tun, oftmals ist sie jedoch auch ausgesprochen profitabel. Innovative und nachhaltige Unternehmen sind aus wirtschaftlicher Sicht schlicht die bessere Investition, argumentieren Verfechter von ESG- und Impact Investments. Einer Studie von Morgan Stanley zufolge übertreffen nachhaltige Anlegefonds etwa traditionelle Equity-Fonds in puncto Gewinne – bei geringerer Volatilität. Zudem erfreut sich der Sektor der nachhaltigen Anlagen wachsender Beliebtheit: Während ESG-Investitionen seit 2014 um 33 Prozent gewachsen sind, konnte der Impact-Investing-Sektor allein im letzten Jahr beinahe 50 Prozent Wachstum verzeichnen. Investoren – insbesondere die „Millennial“-Generation, Family Offices oder Stiftungsfonds – üben Druck auf Vermögensverwalter aus. Sie sollen das Angebot an nachhaltigen Anlagen und Impact-Investing-Möglichkeiten ausbauen. Auch auf Unternehmerseite wird von einem Boom des Sozialunternehmertums gesprochen: Millennials haben wie noch keine Generation zuvor den Anspruch, nicht nur Geld zu machen, sondern gleichzeitig auch Positives zu bewirken. Sie dominieren den Sozialunternehmenssektor und hinterlassen ihre Spuren in der Wirtschaft. Diese Gruppe der etwa 16- bis 35-Jährigen ist bereits jetzt die stärkste Kraft auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt und wird in nur zehn Jahren 75 Prozent der Arbeitskraft stellen.

Make America sustainable again

Grund für Optimismus? Womöglich. Die Politik hat sich in Zeiten der globalen Vernetzung stark verändert und – zumindest in westlichen Demokratien – scheint ihre Macht, sich globalen Trends zu widersetzen, begrenzt. Mit seiner kontroversen Haltung in puncto Klimawandel und Förderung fossiler Brennstoffe hat sich Donald Trump klar gegen den internationalen Konsens und den Trend am Weltmarkt gestellt. Wie ein Bericht des World Economic Forums zeigte, waren Solarpanele und Windenergie im Jahr 2016 mitunter ebenso günstige Energiequellen wie fossile Brennstoffe – mitunter sogar billigere. Selbst der weltgrösste Vermögensverwalter BlackRock empfiehlt Investoren in einem 2016 publizierten Bericht, Klimarisiken in Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen; ein Abschnitt behandelt sogar mögliche Massnahmen von Regierungen zur Reduktion von CO2-Emissionen. Nicht zuletzt ist einer Umfrage des Forum for Sustainable and Responsible Investment (US SIF) zufolge der Klimawandel für Investoren zu einem Hauptgrund geworden, Kapital zurückzuhalten.

Noch ist es zu früh, um das Ausmass Trumps katalytischer Wirkung auf nachhaltige Investitionen klar beurteilen zu können. Bleibt er seinem bisherigen Kurs jedoch treu, so könnte durch die Macht der Investoren sein Wahlkampfslogan „Make America great again“ letztlich gerade in jenen Politikbereichen wahr werden, die er am meisten bekämpft.

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