Impact Investments: Wie lässt sich die soziale Rendite messen?

Impact Investments: Wie lässt sich die soziale Rendite messen? 

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Der Erfolg von sogenannten «Social Impact Investments» drückt sich vor allem in einer Kennzahl aus: der positiven Wirkung, die sie auf benachteiligte Menschen entfalten. Doch wie messen die Impact Investoren die soziale Rendite ihrer Anlagen? Kaum eine andere Frage bewegt den Impact-Investing-Sektor so sehr wie diese. So schrieb einer seiner Pioniere, Jed Emerson, kürzlich in seinem Blog «The Metrics Myth» über die Notwendigkeit der quantitativen Erfassung vom qualitativen Mehrwert und die OECD veröffentlichte den Bericht «Social Impact Investment: Building the Evidence Base».

 Mangel an langfristigen Studien

Und doch bleibt die allgemeine Diskussion noch zu oft in der Theorie stecken – aus Mangel an repräsentativen Feldstudien mit qualitativ hochwertigem Datenmaterial, das über einen längeren Zeitraum und die regelmässige Befragung der Betroffenen erhoben wurde. Dieser Mangel verwundert nicht. Die Messung von sozialem Impact ist eher unbekanntes Terrain für den Mainstream der Investoren, deren Alltag meist von traditionellem Denken in Finanzmodellen und Quartalszahlen bestimmt wird. Das Resultat: Nur wenige Investoren und Sozialunternehmen verfügen über die nötigen Daten, die ihnen helfen könnten, neben der finanziellen Performance auch den sozialen Mehrwert ihrer Anlagen zu ermitteln.

Gemeinsame Sache: Co-Investoren untersuchen soziale Wirkung von Husk Power Systems

Vor diesem Hintergrund haben sich LGT Venture Philanthropy (LGT VP) und Acumen, zwei global agierende Impact Investoren, zusammengeschlossenen, um zu belegen, wie das Sozialunternehmen «Husk Power Systems (HPS)» positive soziale Wirkung in ländlichen Regionen Indiens entfaltet. In der Region Bihar leben 70 Prozent der Menschen abgeschnitten vom staatlichen Stromnetz ohne jeglichen Zugang zu Elektrizität. Das heisst: nach Sonnenuntergang herrscht Dunkelheit, die Produktivität kommt zum Stillstand. Nur Kerosin-Lampen spenden etwas Licht. HPS hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt, indem es zuverlässigen und bezahlbaren Strom bereitstellt, mit dem die Menschen zwei Glühbirnen betreiben und ihre Mobiltelefone laden können. Der Strom kommt von Reishülsen – einem lokalen, in grossen Mengen vorhandenen Bio-Abfallprodukt –, die HPS in selbst entwickelten «Mini-Kraftwerke» in Energie umwandelt. Sowohl LGT VP als auch Acumen gehören zu den ersten Investoren in das Sozialunternehmen, mit dem Ziel, langfristig das betriebliche Wachstum zu unterstützen. Denn: Je mehr HPS wächst, desto mehr Menschen erhalten Zugang zu Strom.

Wie wirkt sich der Zugang zu Strom auf das Einkommen, die Gesundheit und Bildung aus?

Die «Mini-Kraftwerke» von HPS versorgen mittlerweile über 200 000 Kunden mit ihrem «Reis-Strom». Die gemeinsame Studie von LGT VP und Acumen untersucht, wie sich das Leben dieser Menschen konkret verändert hat, seit sie Strom durch HPS beziehen. Dabei stehen zwei übergeordnete Fragen im Mittelpunkt: Erstens, wie wirkt sich die Preisentwicklung des Stroms auf die Nachfrage der Menschen aus? Und zweitens, wie wirkt sich der Zugang zu Strom auf die Lebensqualität, die Gesundheit und die Bildung aus? Die Studie versucht auch herauszufinden, ob

  • der Zugang zu erneuerbaren Energiequellen zu weniger Kerosinkonsum führt. Dies hätte die positiven Effekte zur Folge, dass die betroffenen Menschen weniger Geld für den fossilen Brennstoff ausgeben und ihre Gesundheitsrisiken durch schädlichen Rauch verringern würden.
  • die Beleuchtung nach Sonnenuntergang zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beiträgt, indem Erwachsene länger arbeiten, mit ihren Kleingewerben mehr Geld verdienen und die Kinder auch am Abend lernen können.

Über 3000 Haushalte aus unterschiedlichen Kontrollgruppen werden dieses Jahr bereits zum zweiten Mal befragt. Sie repräsentieren die Millionen von Menschen im ländlichen Indien, die vom Zugang zu verlässlichem, bezahlbarem Strom profitieren und eine signifikante Verbesserung ihrer Lebensqualität erfahren könnten. In 2016 wird die Studie veröffentlicht.

Vorteile der Kooperation für den Impact-Investing-Sektor

Die Studie zeigt auch die Vorteile auf, die die Zusammenarbeit der Co-Investoren von Husk Power Systems – LGT VP und Acumen – mit sich bringt:

  • Die Kosten für jeden Co-Investor fallen geringer aus und Ressourcen werden gebündelt.
  • Die Co-Investoren von HPS untersuchen gemeinsam die soziale Wirksamkeit ihrer Investition, schaffen so verlässliche Daten, die sie auch anderen Sozialunternehmen bereitstellen können, die erneuerbare Energie produzieren.
  • Koordinierte Massnahmen sind möglich, die sich aus den Ergebnissen der Studie ergeben.

Die Partnerschaft von LGT Venture Philanthropy und Acumen hilft Husk Power Systems dabei, die eigene soziale Wirkung besser zu verstehen und auszubauen. Bestenfalls kann diese Partnerschaft aber auch andere Impact Investoren, Stiftungen und Regierungsbehörden dazu ermutigen, Kooperationen einzugehen, mit dem Ziel, die soziale Wirkung innovativer Geschäftsmodelle zu untersuchen, sie zu messen und in Zahlen auszudrücken. Auf dass Impact Investoren und traditionelle Investoren in Zukunft die «gleiche Sprache» sprechen.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 10. April 2015 | Die Börsenblogger

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