In der Reflationsfalle

In der Reflationsfalle 

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Schon fast zehn Jahre liegt die Finanzkrise mit dem „Beinahe“-Kollaps des Finanzsystems zurück, die Auswirkungen aber sind heute präsenter als je zuvor. Mit einer nie dagewesenen ultraexpansiven Geldpolitik haben die globalen Zentralbanken ein monetäres Experiment gestartet, dessen Ausgang aus heutiger Sicht schwer abschätzbar ist und dessen langfristige Folgen wohl erst die nächste Generation objektiv beurteilen kann.

Ein hoher Preis

Eines scheint aus heutiger Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizierbar: Der Anleger wird mittel- bis langfristig die Zeche für diesen geldpolitischen Drahtseilakt zahlen. Aufgrund der quantitativen Lockerung der Notenbanken, welche das Tiefzinsumfeld erst ermöglicht hat, zahlt der Investor bereits jetzt einen hohen Preis. Auf seine festverzinslichen Anlagen erhält er kaum mehr einen nennenswerten Coupon. Im Schweizer Markt sind sogar gewisse Exzesse zu beobachten, da wegen des starken Schweizer Franken und des aktiven Eingreifens der Schweizer Nationalbank (SNB) die gesamte Zinskurve bis zehn Jahre ein negatives Vorzeichen hat. In diesem Umfeld wird der Anleger nominal enteignet, da er für sein eingesetztes Kapital nicht einmal mehr eine positive Rendite erwirtschaften kann.

Reale Enteignung

Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die wirkliche Ernüchterung wird eintreten, wenn die Notenbanken Reflationserfolg haben und das gewünschtes Inflationsziel von 2 Prozent erreichen. Sollte dieses Szenario eintreten, wird der Privatanleger sowie der traditionelle Bondinvestor mit einer grossen Wahrscheinlichkeit real enteignet. 10-jährige deutsche Staatspapiere haben schon heute eine negative Realrendite, obwohl die Zielinflation der Europäischen Zentralbank (EZB) noch nicht erreicht ist. Gibt es Auswege aus dieser Reflationsfalle? Nicht im herkömmlichen festverzinslichen Bereich!

Rendite bei Inflation

Quelle: LGT

Interessante Alternativen

Den ultimativen „heiligen Gral“ gibt es nicht, da heutzutage kaum mehr eine Anlagekategorie wirklich günstig bewertet ist und die meisten Möglichkeiten entweder das Risikoprofil des Portfolios verändern oder das Verhältnis von illiquiden zu liquiden Anlagen erhöhen.

In einem moderaten Reflationsszenario konnten Aktien historisch eine gute Gesamtrendite – Kursperformance plus Dividenden – erwirtschaften. Solange die Reflationsbewegung langsam und nicht abrupt verläuft, können sich Unternehmen anpassen und somit profitieren. Erst wenn wir in inflationäre Tendenzen vordringen, die weit über dem angepeilten Inflationsziel der Notenbanken liegen, und somit die Zinsen stärker und schneller erhöht werden müssen, ist bei Aktien Vorsicht geboten. Derzeit sehen wir allerdings noch keine Tendenz in diese Richtung.

Eine zweite Alternative sind Privatmarktanlagen, im speziellen Private Debt. Zwar muss der Investor hier eine zusätzliche Illiquidität seiner Anlagen in Kauf nehmen, kann aber weiterhin von einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil profitieren, welches er im traditionellen Fixed-Income-Markt heute nicht mehr hat. In der Vermögensallokation ist Private Debt ein interessanter Bondersatz.

In einem Reflationsumfeld, welches dem Anleger mittelfristig sogar Inflationsraten über den erhofften zwei Prozent bescheren kann, hat Gold definitiv Platz im Portfolio und ist ein wichtiger Schutz gegen die potenzielle Geldentwertung. Die Kehrseite der Medaille ist kurzfristig, dass Gold weder eine Dividende noch einen Coupon zahlt. Da aber der Anleger auf seinem Konto heute bestenfalls eine Null-Verzinsung hat, ist der Opportunitätsverlust gering.

Auswege, aber..

Es gibt sie also durchaus, die Auswege aus der Reflationsfalle. Doch auch sie haben ein „aber“: im Fall von Aktien ist es das höhere Risiko, bei Privatmarkt-Anlagen die zusätzliche Illiquidität und bei Gold ein „Null-Coupon“. Trotzdem sind diese Alternativen unserer Ansicht nach attraktiver als eine reale Enteignung beim Anziehen der Reflation.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 12. Mai 2017 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 19 / 2017
  3. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Investment 14.5.17 | Pipsologie

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