In soziale Gerechtigkeit investieren

In soziale Gerechtigkeit investieren 

Impact-Investing ist in aller Munde. Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Finanzinklusion oder erneuerbare Energien stehen dabei häufig im Fokus. Aber auch die Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit können Impact-Investoren anstreben.

Beim Impact Investing werden Investitionen mit der Absicht getätigt, neben einer finanziellen Rendite auch messbare positive soziale und ökologische Auswirkungen zu erzielen. Dieser Anlageansatz gewinnt seit einigen Jahren an Bekanntheit und weckt das Interesse von immer mehr Investoren und der Öffentlichkeit. Impact-Investitionsstrategien fokussieren häufig auf Sektoren wie nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbare Energien, Naturschutz, Mikrofinanzierung sowie auf erschwingliche und zugängliche Basisdienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Gesundheit und Bildung. Auch die Besserstellung ökonomisch benachteiligter Bevölkerungsgruppen, also die Reduktion von Armut, ist ein häufiges Ziel von Impact-Investoren.

Seit einigen Jahren gewinnt jedoch eine weitere Impact-Investmentstrategie an Bedeutung: Investitionen mit einer „social equity- oder social justice lens“. Das sind Investitionen, die darauf abzielen, die soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu verbessern. Doch was genau bedeutet „social equity investing“ und wie lässt sich solch eine Investitionsstrategie erfolgreich umsetzen, damit nebst der gewünschten positiven Wirkung möglicherweise auch eine finanzielle Rendite erzielt wird?

Soziale Ungleichheit ist teuer

Studien zeigen, dass soziale Ungleichheit der Gesellschaft teuer kommt. Gemäss einer Studie der World Bank zum Beispiel verlieren Staaten aufgrund von Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern 160 Billionen Dollar an Wohlstand. Eine Untersuchung des amerikanischen Brookings Institute zeigt zudem das Ausmass, die Ursachen und die Auswirkungen von Wohnsegregation und gesundheitlicher Ungleichheit zwischen Weissen und Schwarzen in den USA auf. Das Wohlstandsgefälle zwischen weissen und schwarzen Amerikanern soll eine dämpfende Wirkung auf Konsum und Investitionen haben und die US-Wirtschaft von 2019 bis 2028 zwischen 1 Billion und 1.5 Billionen Dollar kosten – das sind vier bis sechs Prozent des prognostizierten BIP im Jahr 2028.

Keine rein staatliche Aufgabe

Soziale Gerechtigkeit herzustellen klingt zunächst nach einer staatlichen Aufgabe, allenfalls nach einem Gebiet, das durch Spenden und andere philanthropische Ansätze gefördert wird. Seit einigen Jahren rücken aber auch immer mehr Investitionen als Mittel in den Fokus, soziale Gerechtigkeit positiv zu beeinflussen. Sie sollen, so die Definition, die faire Behandlung, die Chancengleichheit und den Zugang für alle in Bereichen wie Bürgerrechte, Redefreiheit, Bildung, Finanzsysteme, gesunde/sichere Gemeinschaften usw. fördern – und dies unabhängig vom Hintergrund einer Person (z.B. Rasse, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Wohnort bzw. geographische Herkunft, Glauben, sozioökonomischer Status). Dazu existieren mittlerweile verschiedene Felder und Ansätze zur Investition – nachfolgend drei Beispiele.

Gender-lens investing: Bewusst auf Frauen setzen

Gender-lens investing (GLI) zählt hierzulande zu den bekanntesten social-equity-investing-Ansätzen und verzeichnet derzeit starken Zuwachs. GLI will mit Investitionen in die Stärkung von Frauen eine finanzielle Rendite erzielen und berücksichtigt dabei die Probleme, mit denen Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt konfrontiert sind, das Thema Frauen in Führungspositionen und Lösungen für diese Herausforderungen. GLI lässt sich mit drei Anlagestrategien umsetzen: Investitionen in verbesserten Zugang zu Kapital für Frauen (z.B. durch die gezielte Unterstützung von Gründerinnen), Investitionen in Unternehmen, die Gerechtigkeit am Arbeitsplatz bieten (z.B. mit Frauen in Führungspositionen), und/oder in Unternehmen die Produkte und Dienstleistungen anbieten, die Frauen und Mädchen zugute kommen (wie z.B. Elvie, ein Portfoliounternehmen von LGT Lightstone, das im aufstrebenden FemTech-Bereich tätig ist). Diese Kategorien schliessen sich nicht gegenseitig aus; einige Anlagestrategien können sich auf eine Kombination dieser drei Bereiche konzentrieren. Jahrzehntelange Forschung belegt den Zusammenhang zwischen Geschlechtervielfalt und hohen Renditen – ein kürzlich veröffentlichter Bericht der International Finance Corporation ergab zum Beispiel, dass Fonds mit geschlechtsspezifisch ausgewogenen Führungsteams 10 bis 20 Prozent höhere Renditen erzielten als unausgewogene.

Racial-justice investing: Gleichheit der ethnischen Herkunft fördern

Racial-justice investing ist ein weiterer social-equity-investing-Ansatz, der vom Prinzip her ähnlich funktioniert wie gender lens investing und bisher insbesondere in den USA auf Interesse stösst. Hier ist das Ziel der Investoren, ihr Kapital zur Förderung der Gleichheit der Rasse und der ethnischen Herkunft einzusetzen. Auch hier gibt es neben den positiven Effekten auf die soziale Gerechtigkeit ein begründetes finanzielles Interesse: So ergab eine Studie des Selig Center for Economic Growth, dass rassische Minderheitengruppen in den USA die stärksten Kaufkraftzuwächse aufweisen.

Social equity Investoren können auch für die Akzeptanz und Förderung der LGBTQ community einstehen und in Firmen investieren, die diese unterstützen. Auch hier gibt es mittlerweile verschiedene spezifische Anlageprodukte.

Immer mehr Möglichkeiten für Investoren

Soziale Gerechtigkeit ist eine von vielen Interessen, die ein Impact-Investor haben kann, und steht oft im Zusammenhang mit anderen wirkungsbezogenen Zielen des Investors sowie mit ESG-Erwägungen. Die Beispiele zu social equity investing zeigen, dass es immer mehr Möglichkeiten für Impact Investoren gibt, gemäss ihrer Werte zu investieren und dabei Wert zu schaffen – für eine gerechtere Gesellschaft und für ihr Portfolio.

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