In Wachstum investieren?

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Investoren setzen immer auf die Zukunft. Dabei sollten sie aber realistisch bleiben.

Der Freitag, 10. März 2000 ist vielen Anlegern heute noch in Erinnerung. An diesem Tag erreichten die Aktienkurse an der US-Technologiebörse NASDAQ ihr Allzeithoch. Am Montag darauf platzte dann die sogenannte Dotcom-Blase und nur eine Woche später befanden sich die Kurse unzähliger junger, hochgelobter Technologiefirmen im freien Fall. Damit endete eine Börsenphase, in der Anleger bereit waren, für defizitäre Jungunternehmen Milliarden zu bezahlen – allein in der vagen Hoffnung auf ein überproportionales künftiges Wachstum und ebenso hohe Gewinne. Viele dieser Unternehmen, die das für unermesslich gross gehaltene Wachstumspotential des Internets mit scheinbar überzeugenden Plänen ausschöpfen wollten, verloren über Nacht einen Grossteil ihrer Marktkapitalisierung oder verschwanden wieder ganz in der Versenkung.

Anleger, die Aktien bzw. Unternehmen primär nach deren Wachstumspotential auswählen, werden als sogenannte Wachstumsanleger bezeichnet, der entsprechende Anlagestil nennt sich auf Englisch «Growth Investing». Wachstumsanleger möchten nicht hohe Dividenden kassieren, sondern sind vor allem auf Kapitalgewinne durch Kurssteigerungen erpicht. Um sich als Wachstumsunternehmen zu qualifizieren, sollten diese einen nachhaltigen positiven Cash Flow, ein für die Branche überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum und eine Eigenkapitalrendite über 15 Prozent erzielen. Typischerweise verfügen solche Unternehmen über einen spezifischen Wettbewerbsvorteil, beispielsweise ein revolutionäres Produkt oder ein bahnbrechendes Patent. Als Vater des Growth Investing gilt der US-Amerikaner Thomas Rowe Price, Jr, der 1937 die gleichnamige Fondsgesellschaft gründete. Price war fest davon überzeugt, dass Anleger überdurchschnittliche Renditen erzielen können, wenn sie in Firmen investieren, deren Gewinne und Dividenden schneller als die Inflation und die Gesamtwirtschaft wachsen.

Growth Investoren sind das Gegenteil der sogenannten Value Investoren. Während die einen in Wachstum, erwartete Kursgewinne und vielleicht auch in etwas Phantasie investieren, setzen die anderen lieber auf Stabilität, laufendes Einkommen und Sicherheit. Wer hat Recht? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass zwischen 1982 und heute Wachstumsaktien während 13 Jahren die Oberhand hatten, während in den restlichen 22 Jahren die Value-Aktien obenaus schwangen.

Fest steht: Das Growth Investing wurde während der Dotcom-Blase übertrieben. Für erhofftes Wachstum wurde damals praktisch jeder Preis bezahlt, es galt «Growth at any Price», also Wachstum um jeden Preis. Wer heute einen Wachstumsansatz verfolgt, sollte wohl eher eine Strategie des «Growth at reasonable Price» verfolgen, also genauer hinschauen, ob das Wachstum auch solide fundiert ist und der Aktienkurs noch auf einem vernünftigen Level liegt.

Leselinks:
Der Blog «Finanziell umdenken» geht näher auf die Thematik «Dividendenaktien oder Wachstumsaktien?» ein.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 16. September 2015 | Die Börsenblogger

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