Unter dem Feigenbaum: Indische Börse Bombay Stock Exchange

Unter dem Feigenbaum: Indische Börse Bombay Stock Exchange 

Was gemächlich begann, zählt heute zu den schnellsten Handelsplätzen der Welt – die vor 145 Jahren gegründete Bombay Stock Exchange ist zwar die älteste Börse Asiens, aber keineswegs eine alte, behäbige Tante.

Die Geschichte der Bombay Stock Exchange (BSE) beginnt unter Feigenbäumen, die direkt vor dem Rathaus standen. In ihrem Schatten installierten Aktienhändler im Jahr 1855 den Handel. Die Schar der Händler wurde immer grösser und wechselte mehrmals ihren Handelsplatz. 1874, knapp 20 Jahre nach den ersten Handelszusammenkünften unter den Feigenbäumen, zogen die Händler in die Dalal Street, wo die BSE noch heute residiert. 1980 hat sie dort einen 29-stöckigen Wolkenkratzer bezogen, die Phiroze Jeejeebhoy Towers, das damals höchste Gebäude Indiens. Der ursprüngliche Name, BSE Towers, wurde zu Ehren des langjährigen Geschäftsführers der BSE – Phiroze Jamshedji Jeejeebhoy war seit 1966 im Amt – geändert, der kurz nach dem Bezug des Gebäudes verstorben war.

Zentrum des indischen Börsenhandels

Dass die Dalal Street das indische Pendant zur New Yorker Wall Street ist, erkennt man schon an ihrem Namen, der übersetzt Broker-Strasse bedeutet. Sie bekam ihren Namen als sich die BSE dort niederliess. Längst steht der Name Dalal Street auch für die indische Finanzbranche insgesamt.

Vor 145 Jahren, 1875, wurde die heutige BSE als offizielle Organisation unter dem Namen „The Native Share & Stock Brokers Assiociation“ als Aktienbörse anerkannt. Heute zählt die BSE zu den zehn grössten Aktienbörsen der Welt. Die Marktkapitalisierung der an der BSE gelisteten Unternehmen beträgt über zwei Billionen US-Dollar.

Ihr wichtigster Aktienindex ist der BSE Sensex. Er wurde 1986 eingeführt und versammelt die indischen Blue Chips – 30 Unternehmen, die etwa 40 Prozent der Marktkapitalisierung der Aktienbörse in Mumbai repräsentieren und die wichtigsten Branchen der indischen Volkswirtschaft abbilden. Neben vielen in unseren Breitengraden unbekannten Unternehmen, befinden sich darunter auch Tata Motors, der drittgrösste indische Stahlproduzent Jindal Steel oder die in Staatsbesitz befindliche State Bank of India, die grösste Bank des Landes.

Hochtechnologisierte Börse

Um die entsprechenden Ordervolumina zu bewältigen, setzt die BSE auf eine moderne Handelsarchitektur. 1995 wurde das erste elektronische Handelssystem eingeführt, das täglich acht Millionen Transaktionen bewältigen konnte. Die BSE gilt als eine der schnellsten asiatischen Börsen. Die Durchlaufzeit vom Abgeben der Order bis zur Verarbeitung im System soll nur 200 Mikrosekunden dauern. Durch eine langfristige Technologieallianz mit der Eurex Group, die eine der weltweit grössten Terminbörsen für Finanzderivate betreibt, möchte die BSE ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und die globalen Standards in puncto Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Verarbeitungskapazität auch in Zukunft gewährleisten.

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