Inflation: Täglich grüsst die Geldentwertung

Inflation: Täglich grüsst die Geldentwertung 

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Am Montagmorgen kommt der Chef von Centralsoft, einer global tätigen Unternehmung, ins Büro und kündigt eine zweiprozentige Lohnreduktion für die ganze Schweizer Niederlassung, ja sogar für die komplette Firma, an. Die anwesenden Angestellten schwanken zwischen Unverständnis, Angst und Empörung – bei manchen beginnen sich sogar Aggressionen zu entwickeln.

Szenenwechsel – monatliche Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt unter dem Vorsitz von Mario Draghi: Er verkündet mit Stolz und Zuversicht, dass die geldpolitischen Lockerungsmassnahmen kontinuierlich greifen und die Eurozone schon in absehbarer Zeit erfolgreich in die Phase der Reflationierung eintreten wird. Das heisst konkret: Die Notenbank wird ihr angestrebtes Inflationsziel von zwei Prozent endlich erreichen. Die Kapitalmärkte sind erleichtert und es findet global ein Kursfeuerwerk in Aktien statt.

Schleichende Entwertung

In beiden Fällen wird der Sparer weniger Geld im Portemonnaie haben. Im ersten Fall ist er empört, weil es ihm direkt und offensichtlich kommuniziert wird. Im zweiten Fall jubeln die Marktteilnehmer. Nur wenige realisieren, was eine Inflationsrate von zwei Prozent mittel- bis langfristig überhaupt bedeutet.

Ist die Teuerungsrate positiv, verliere ich an Kaufkraft und kann mit dem gleichen Geldbetrag nicht mehr denselben Warenkorb kaufen. Die zwei Prozent scheinen im Jahresvergleich gering, machen über zehn Jahre hinweg jedoch eine Teuerungsrate von 22 Prozent und nach 20 Jahren eine von fast 50 Prozent aus. Was passiert also, wenn aufgrund des aufgeblähten Finanzsystems die angestrebte Zielinflation der G4-Notenbanken von zwei Prozent übertroffen wird oder sogar nur noch schwer kontrollierbar ist?

Die Angst vor der zu starken Inflation

Je höher die Teuerungsrate, desto offensichtlicher die Geldentwertung und desto schmerzvoller der Verlust für den Sparer – und das, obwohl wir nur Raten von drei bis sieben Prozent berücksichtigen, keine zweistelligen Raten oder Hyperinflation.

Wegen des Zinseszins-Effekts wäre die Entwertung über die Jahre hinweg schon bei einstelligen Zinsraten enorm. Bei fünf Prozent schwindet die Kaufkraft über zehn Jahre bereits auf 62 Prozent und über zwanzig Jahre auf 165 Prozent.

Wann ist Inflation also gut oder schlecht?

Das gute und das schlechte inflationäre Umfeld

In der Regel spricht man dann von einem „guten“ inflationären Umfeld, wenn die reale Kaufkraft erhalten oder gesteigert werden kann. Die Rede ist hier von den Löhnen, welche mindestens im gleichen Masse steigen sollten wie die Teuerungsrate. Dies ist in den letzten Jahren aber nicht geschehen. Beispielsweise hat in den USA die Mehrheit der Arbeitnehmer real eine Lohnkürzung hinnehmen müssen (Grafik 1). Wenn die Teuerungsrate stärker ansteigt als die nominalen Löhne wachsen, fühlt sich diese Art der Inflation natürlich schlecht an. Wie kann der Sparer bzw. Anleger wenigstens sein Vermögen real erhalten?

Lohnentwicklung in den USA

Der reale Kapitalerhalt als langfristige Herausforderung

Das traditionelle „Sparbüchlein“ und auch Rentenpapiere sind beim heutigen Zinsniveau für einen realen Kapitalerhalt absolut unbrauchbar. Über einen Wirtschaftszyklus hinweg bieten Aktien in der Regel eine gute Möglichkeit, um eine positive reale Rendite zu erwirtschaften. Die Inflation darf jedoch nicht zu hoch sein, da sich die steigende Teuerungsrate sonst negativ auf die Unternehmensmargen auswirkt und die Kurse dadurch fallen. Nach den starken Kursavancen der letzten Jahre bleibt es sowieso eine Herausforderung, das Kapital mit Aktien real zu erhalten.

Eine zweite Möglichkeit bietet sich im gelben Metall. Obwohl Gold weder Zins noch Dividende zahlt, ist das Edelmetall historisch betrachtet ein guter Inflationsschutz. Dies vor allem in einem Umfeld, in dem die Realzinsen sinken.

Inflation als Kaufkraft-Vernichter

Inflation ist ein stetiger Geldentwerter, sei dies im Portemonnaie oder auf dem Sparkonto. Die Kaufkraft nimmt immerzu ab. Im heutigen durch die G4-Notenbanken kreierten Umfeld mit einem stark aufgeblähten Finanzsystem bleibt es daher eine Herausforderung, das Kapital langfristig real zu erhalten.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. August 2017 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Trading und Investments 20.8.17 | Pipsologie

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