Innovation im Finanzsektor: die Quellen einer ewigen Illusion

Innovation im Finanzsektor: die Quellen einer ewigen Illusion 

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2013 habe ich dem Thema „Innovation im Finanzsektor – eine Illusion“ einen Blogbeitrag gewidmet. Meine These lautete: In der Finanzwelt kann von Innovation nicht die Rede sein. Denn die Grundoperationen, die jeder Geldtransaktion unterliegen, sind bereits gegeben und bekannt.

Allerdings scheinen sich die Akteure der Finanzwelt immer wieder auf die Suche nach „innovativen“ Ansätzen zu machen. Einige Investment-Techniken werden sogar als „die letzte Innovation“ gefeiert. Wodurch entsteht dieser Eindruck? Diese vier Faktoren sollen eine Erklärung liefern:

Das kurze Gedächtnis

Mehrere Elemente führen dazu, dass die Finanzindustrie über ein kurzes Gedächtnis verfügt:

  1. Wegen ihrem dynamischen Charakter, ist die Finanzindustrie von einer hohen Fluktuation geprägt. Das zerstückelt die gesamte Erfahrung der Akteure.
  2. Die Akteure der Finanzwelt blicken lieber in die Zukunft. Es gibt weniger Platz für historische Rückblicke mit der Bestrebung, Zusammenhänge zu verstehen und zu erklären.
  3. Die Erkenntnisse der einzelnen Investoren werden nicht systematisch erfasst. Es fehlt sozusagen ein Archiv – zum Beispiel in einer ähnlichen Form wie akademische Zeitschriften –, in welchem Erfahrungen, Know-how, usw. gespeichert werden.

Investoren vergessen also schlicht, dass einige Ansätze schon in der Vergangenheit angewendet wurden und denken, sie stehen vor etwas „Neuem“. Manchmal werden altbekannten Ansätzen auch einfach neue Namen und Terminologien vergeben – um „Neues“ zu kreieren. Aber wie können wir etwas neues lernen, ohne die Fehler in der Vergangenheit zu studieren?

Die Komplexität

Komplexe Strukturen werden als „fortgeschritten“ angesehen: Gute Beispiele dafür sind strukturierte Produkte, Kreditinstrumente oder mathematische Anwendungen im Finanzbereich. Komplexität erweckt oft die Illusion, „der nächste Schritt“ sei gemacht worden. Dabei wurden bekannte Risikoquellen nur hinter einer komplexen – vielleicht intellektuell ansprechenden – Architektur verschleiert.

Die Übernahme von wissenschaftlichen Innovationen

Die Finanzbranche übernimmt gerne innovative Techniken und Lösungen, die in anderen Branchen wie der Mathematik, der Informatik, der künstlichen Intelligenz, usw. erforscht wurden. Durch die Anwendung dieser „fremden“ Techniken erhofft man sich einen Vorsprung zu verschaffen. Aber schon viele Investitionsstrategien, die auf „externe“ Innovation gesetzt haben, sind mehrmals gescheitert.

Der Erfolg

Innovative Strategien werden meistens durch historisch erfolgreiche Simulationen geschaffen: Es wird aufzeigt, welche Rendite die neue Strategie in der Vergangenheit erzielt hätte. Diese Erfolgsgeschichte soll sich in Zukunft fortsetzen. Interessant ist jedoch, dass Innovationen in der Wissenschaft meist aufgrund von Misserfolgen hervorgehen und diese keineswegs linear entstehen. Wie sollen Innovationen aus dieser stetigen, linearen und logischen Entwicklung entstehen, die man ihnen so gerne unterstellt ?

Diese und weitere Faktoren können die Illusion einer Innovation in der Finanzbranche wecken. Investoren scheinen sie mindestens so stark wie die Renditen ihrer Portfolios zu brauchen.

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Bild: pixabay

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  1. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 12. März 17 | Pipsologie

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