Innovativer Fiskus: Bescheuert versteuert

Innovativer Fiskus: Bescheuert versteuert 

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Waren die Staatskassen klamm, kam der Fiskus schon immer auf die abstrusesten Ideen. Mal waren es dekretierte Wodka-Orgien, mal wurden Bart- und Perückenträger zur Kasse gebeten, mal sollten Sekttrinker die Kriegsmarine aufbauen. Hier ein paar Beispiele für den ganz normalen Steuer-Wahnsinn.

Iwan der Schreckliche trug seinen Namen nicht von ungefähr. Um seinen teuren Polizeiapparat zu finanzieren, verhängte er eine im wahrsten Sinne des Wortes hochprozentige Steuer. Im 16. Jahrhundert eröffneten rund um Moskau primitive Wirtshäuser («Kabaks»), in deren Mitte Wodka-Fässer standen. Die männlichen Untertanen seiner Majestät hatten sich fortan regelmässig in diesen stinkenden Kabaks einzufinden und bis zum Tiefenrausch billigen Fusel in sich hineinzuschütten. Denn mit jedem Glas, das die trinkende Meute kippte, floss Iwan, dem Zaren, Alkoholsteuer zu. Wer dabei erwischt wurde, dass er nicht oder nicht genug trank – in dessen Haut mochte damals keiner stecken.

Der Gesundheit seiner Untertanen wesentlich zuträglicher war eine Fiskal-Innovation von Peter dem Grossen, der in seinem Land eine Bartsteuer einführte. Doch wenn es ums Geld geht, hört die Eitelkeit oft auf. Immer mehr Herren liessen sich rasieren. Ob der Verzicht auf Gesichtsbehaarung jedoch als Steuerhinterziehung geahndet wurde, ist nicht überliefert.

Dies sind nur zwei Beispiele für besonders verrückte Steuerideen. Wenn die Staaten Geld brauchten, war ihnen jedes Mittel recht. Und es soll Lästermäuler geben, die sagen, daran habe sich bis heute wenig geändert.

In Deutschland verabschiedete der Reichstag am 26. April 1902 ein Gesetz zur Einführung der Schaumweinsteuer, weil Kaiser Wilhelm II. von einer schlagkräftigen Kriegsmarine – jener der Briten ebenbürtig – träumte. Schon ein paar Jahre später gab es keinen Kaiser mehr, und die Kriegsmarine war weitgehend zerstört. Die Sektsteuer jedoch blieb bis zum Jahr 1933, wurde dann kurzfristig abgeschafft, um vier Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Renaissance zu erleben. Österreich senkte die Schaumweinsteuer im Jahr 2005 auf null Prozent, um sie aber zum 1. März 2014 wegen bedrohlicher Haushaltslöcher wieder einzuführen. Wer den Fiskus austricksen will, trinkt Prosecco Frizzante, der wegen des geringen Flaschendrucks als Wein gilt.

Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg, von 1699 bis 1710 Premierminister von Preussen, zockte unverheiratete Frauen ab. Sie mussten im Alter von 20 bis 40 Jahren eine Jungfernsteuer entrichten – oder eben heiraten. Das Steueraufkommen sollte die Ehepaare finanziell entlastet. Wer sich die heutigen Spitzensteuersätze anschaut, die Singles (weiblich oder männlich) zum Beispiel in Deutschland zu zahlen haben, kommt unversehens zu der Erkenntnis, dass diese Idee für die Finanzpolitiker nach wie vor einen gewissen Charme haben muss.

Friedrich I. von Preussen (1657-1713) führte eine Perückensteuer ein. Damen und Herren, die sich in der Öffentlichkeit mit künstlicher Haarpracht schmückten, mussten drei Taler zahlen. Als Quittung erhielten sie ein kleines Schildchen, das an der Unterseite der Perücke angebracht wurde. Um zu kontrollieren, dass sich alle Perückenträger an diese Auflage hielten, schickte die Obrigkeit Steuerfahnder aus. Vor ihnen mussten die Damen und Herren ihre Perücke vom Kopf nehmen, damit der Fahnder kontrollieren konnte, ob ein Steuerschildchen angebracht war. Fürwahr, eine haarsträubende Geschichte.

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