Investieren in Gesundheit: Maximale Wirkung durch innovative Modelle

Investieren in Gesundheit: Maximale Wirkung durch innovative Modelle 

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2016 lebten 36.7 Millionen Menschen weltweit mit HIV/AIDS, 19.4 Millionen davon im östlichen oder südlichen Afrika. Zahlen des HIV/AIDS Programmes der Vereinten Nationen (UNAIDS) zufolge standen Entwicklungs- und Schwellenländern im letzten Jahr 19.1 Milliarden US-Dollar zur Bekämpfung von HIV/AIDS zur Verfügung. Gleichzeitig hatten jedoch nur knapp die Hälfte der Menschen, die mit HIV/AIDS leben, Zugang zu lebenserhaltenden, retroviralen Medikamenten und die Zahl der Neuansteckungen stagniert seit 2010.

UNAIDS kritisierte mangelnde Investitionen in effektive Prävention. LGT Venture Philanthropy (LGT VP) arbeitet seit 2009 mit der afrikanischen NGO mothers2mothers, deren Intervention genau dort ansetzt.

mothers2mothers (m2m) hat sich dem Kampf gegen HIV/AIDS in Afrika verschrieben und setzt dabei an einem besonders kritischen Schnittpunkt an: Junge Frauen sind laut UNAIDS am stärksten von Neuansteckungen mit HIV/AIDS bedroht. Gleichzeitig ist die Mutter-Kind-Übertragung der Hauptgrund für HIV/AIDS-Fälle unter Kindern.

Die Organisation arbeitet mit Müttern, um HIV/AIDS-Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit vorzubeugen und zu verhindern. Werden Mütter und Neugeborene mit antiretroviralen Medikamenten therapiert und umfassend betreut, wird nicht nur das Überleben der Frauen gesichert, sondern auch das Ansteckungsrisiko der Kinder verringert. Die World Health Organisation misst unter ihren HIV/Aids-Vorsorgeprogrammen durch diese Art von Intervention eine durchschnittliche Senkung des Risikos von 45 auf bis zu 5 Prozent.

Ein gemeinschaftlicher Ansatz mit Schwerpunkt auf Vorsorge

Eine wesentliche Herausforderung im Kampf gegen HIV/AIDS sind Stigmatisierung rund um das Thema sowie mangelnde Aufklärung. m2m hat ein Modell entwickelt, welches diese Barrieren bewusst adressiert: Die Organisation rekrutiert selbst HIV-positive Mütter und bildet sie als Mentorinnen aus. Diese Mentor-Mütter sind in der Gemeinschaft und in Gesundheitszentren tätig. Sie stehen werdenden, HIV-positiven Müttern und ihren Familien zur Seite, indem sie über Mutter-Kind-Übertragung aufklären, über zusätzliche präventive Massnahmen informieren, Zugang zu antiretroviralen Medikamenten verschaffen sowie deren regelmässige Einnahme fördern.

Die Mentor-Mütter leisten dadurch einen wichtigen Beitrag und ergänzen die Arbeit des überlasteten medizinischen Personals in Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Die Intervention ist so wirksam, dass laut UNAIDS m2m die Mutter-Kind-Übertragung unter seinen Patienten auf rund 2 Prozent senken konnte. Dieser Durchschnitt ist deutlich besser als jener, welcher von der WHO gemessen wird.

Das m2m-Modell ist aktuell in sieben Ländern mit fast 3000 Mentor-Müttern aktiv und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion der HIV/AIDS-Neuansteckungen von Kindern im östlichen und südlichen Afrika – um 56 Prozent seit 2010. UNAIDS pries die Wirksamkeit des Mentor-Mutter-Modelles als den Goldstandard für vergleichbare Programme.

Resultate überzeugten die Politik

Geschäftsmodelle wie jenes von m2m sind auf externe Finanzierung angewiesen, da sie keine Gewinne erwirtschaften. Die signifikanten Einsparungen für Staat und Gesellschaft, die den amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) zufolge durch vermiedene HIV/AIDS-Infektionen gemacht werden, überzeugen nicht nur aus humanitärer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht: Forscher gehen etwa davon aus, dass Gesundheitskosten für HIV/AIDS-Patienten über den Verlauf ihres Lebens in den USA etwa zwischen 250’000 und 400’000 US-Dollar liegen. Auch unterstreicht das CDC die Effizienz gemeinschaftsbasierter Ansätze zur HIV/AIDS-Prävention in seinen eigenen Programmen. Nachdem m2m seine Arbeit in Südafrika begonnen hatte, wurden im Laufe weniger Jahre die Regierungen weiterer Länder auf das Potenzial der Organisation aufmerksam (u.a. Uganda, Kenia, Malawi). Seitdem arbeitet m2m gezielt mit Regierungen zusammen und berät diese bei der Umsetzung des m2m-Modells.

Von den rund 1150 Gesundheitszentren, in denen Mentor-Mütter tätig sind, werden mittlerweile 350 direkt von Regierungen betrieben. Für Geldgeber wie LGT VP, deren Ziel es ist, Portfolioorganisationen in strategisch kritischen Phasen bei der Skalierung und Optimierung ihres Modelles zu unterstützen, ist ein solches Szenario mit Langzeitperspektive ideal. Durch die Finanzierung des m2m-Modells werden nachhaltige, lokale Strukturen geschaffen, welche die Lebensqualität benachteiligter Menschen verbessern.

Social Impact Bond – wenn Investoren auf die Wirksamkeit eines Modelles setzen

m2m hat sich mit Partnern zusammengeschlossen, um Südafrikas ersten Social Impact Bond zu strukturieren. Dieser zielt auf die Förderung von frühkindlicher Entwicklung und Müttergesundheit in der Provinz Westkap ab.

Ein Social Impact Bond (SIB) ist ein innovatives Instrument, durch welches private Investoren Vorfinanzierung für soziale Interventionen leisten. Vor der Lancierung werden in einem Vertrag mit der jeweiligen Regierung klare Impact-Ziele festgelegt, die es zu erreichen gilt. Werden diese Bedingungen über die Laufzeit des SIB erfüllt und die Wirksamkeit der Intervention damit bestätigt, erhalten die Investoren ihr Kapital – mit Verzinsung – von der Regierung zurück. Ein SIB kommt somit nur dann zustande, wenn die Effizienz und Effektivität der Partnerorganisation im Vorfeld so klar bewiesen werden können, dass es Investoren zuversichtlich stimmt.

Bei m2m war dies der Fall. Die Bonds haben das Potenzial, soziale Investments für Mainstream-Investoren interessant zu machen. Der Strukturierungsprozess eines SIB ist allerdings komplex und kann Jahre in Anspruch nehmen. Für m2m CEO Frank Beadle de Palomo überwiegen jedoch die positiven Aspekte: Der SIB bietet nicht nur notwendiges Kapital, sondern auch eine weitere Möglichkeit, die langjährige Erfahrung der Organisation in Bereich gemeinschaftsbasierter HIV/AIDS-Prävention an Partner weiterzugeben und somit dem Ziel einer HIV/AIDS-freien Zukunft einen Schritt näher zu kommen.

Falls der SIB erfolgreich ist, liesse sich dieser Ansatz in Afrika weiter skalieren, was die soziale Wirkung ganz im Sinne von LGT VP weiter erhöhen könnte.

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin, und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

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