Ist der Trend für Trendfolger zu Ende? 

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Trendfolger investieren nach einem Ansatz, der auf einer klar definierten Anzahl von Regeln beruht. Ziel dieser Regeln ist, Trends in den Märkten auf der Long- und Short-Seite auszunutzen, also Entwicklungsmuster zu erkennen und entsprechend zu investieren. Die Regeln bestimmen jedes Detail: in welche Anlageklassen und Märkte, wie viel, wann, etc. das Geld investiert werden soll. Alle Trades können im Prinzip von einem Computer ausgeführt werden und die Regeln sind in diesem Fall in der entsprechenden Programmiersprache kodiert. Wir nennen die Menge aller dieser Regeln zu einem bestimmten Zeitpunkt t R(t) = {R_1(t), R_2(t), …, R_N(t)}.

Es ist ein ambitioniertes Ziel, eine Gruppe von Regeln so zu definieren, dass es einem Investor möglich wäre, durch ein computergesteuertes Programm Geld zu verdienen. Ob ein solches Unterfangen sinnvoll ist oder nicht, ist ein endloser Streitpunkt und es mangelt nicht an Skeptikern und Kritikern des Trendfolger-Ansatzes.

In einem Punkt aber scheint Einigkeit zu herrschen zwischen Kritikern und Befürwortern: die Gruppe von Regeln muss sich über die Zeit ändern, deshalb die Zeitindexierung R(t). Warum aber ist dies so? Gäbe es eine Gruppe von Regeln – nennen wir sie R(*) – mit welcher man jederzeit Gewinne erzielen könnte, hätte man eine Art Zauberformel gefunden, mit welcher man die Märkte für allemal entschlüsselt hätte, dies wäre der Schlüssel zu unbegrenztem Reichtum. Es kann kein solches R(*) geben und die Trendfolger sind sich dieser Tatsache bewusst, anders als die Alchemisten, welche jahrhundertelang vergeblich nach einem Verfahren suchten, um aus unedlen Metallen Gold und Silber zu machen.

Die besten Trendfolger der Welt haben die klügsten Köpfe aus jedem erdenklichen Wissenschaftszweig und von den besten Universitäten in Teams zusammengebracht. Sie forschen im Zeitraum t bis t+1 fleissig daran, um R(t) durch eine neue Gruppe von Regeln R(t+1) zu ersetzen, welche später ihrerseits von R(t+2) ersetzt sein wird etc. Das Ziel dabei ist nicht, die Formel R(*), die es nicht gibt, zu entdecken, sondern die Definition der nächsten Gruppe von Regeln R(t+1), welche die beste Chance hat, für die Zeit nach t+1 positive Renditen zu erzielen.

Wie erfolgreich war dieser Trendfolger-Ansatz?

Wenn wir auf die vergangenen 10 Jahre zurückblicken (2004-2013) und uns die Jahresergebnisse anschauen, sieht die Bilanz so aus (Barclay CTA Index):

Grafik_Trendfolger1

Die ersten fünf Jahre waren positiv (2004-2008) mit einem Gesamtergebnis von +33.5 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren gab es vier negative und nur ein positives Jahr (2010) mit einem Gesamtergebnis von +0.3 Prozent. Die Performance der vergangenen drei Jahre (-6.2%) und ein schwieriger Start im Jahr 2014 führten dazu, dass die Kritik an den Trendfolgern lauter wurde. Einige kritische Stimmen gehen so weit, dass sie den Trendfolger-Ansatz für tot erklären. Ist eine solche radikale Voraussage gerechtfertigt? Werden tatsächlich Trendfolger nicht mehr an ihre historischen Erfolge anknüpfen können?

Der Erfolg der Trendfolger hängt davon ab, wie gut die Gruppe von Regeln R(t) die Trends in den Märkten während des Zeitraums t bis t+1 ausnutzen kann (bezeichnen wir die Trends in den Märkten von t bis t+1 als MT(t)). Im Jahre 2004 bis 2008 das ist der Fall gewesen, während danach das Paar {R,MT} nicht zueinander gepasst hat – die Regeln konnten aus der Marktentwicklung keinen Profit mehr herleiten. Die radikale Kritik an den Trendfolgern legt nahe, dass es auch in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, passende Regeln zum Marktumfeld zu finden, da es spätestens nach 2010 eine «strukturelle» Änderung in den Märkten gegeben hat. Diese Kritik scheint zu weit zu gehen, da die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Paar {R,MT} auch für die Zukunft gegeben sind:

A) Seit Jahren hat man sich Gedanken gemacht wie man Regeln schreiben kann, welche die Trends ausschöpfen sollen. Die Grundarchitektur solcher Regeln bleibt valide – woran die Forschungsteams arbeiten ist die Einbindung der Marktdaten: Wie man die Faktoren/Inputs zu diesen Regeln erweitern, die Implementierung kosteneffizient gestalten, die Portfolio-Diversifikation erhöhen, feinere Trend-Muster entdecken kann, etc. Ob eine solche Arbeit im Zeitraum t zu t+1 von Erfolg gekrönt sein wird, ist schwierig vorauszusagen. Die Regeln R(t+1) passen zu einem definierten Zeitraum vielleicht nicht ideal mit der Marktentwicklung zusammen. Man weiss jedoch auch, dass es in der Vergangenheit Jahre gegeben hat, in denen die Regeln {R,MT} Markttrends sehr gut ausnutzen konnten. Wieso sollte dies in Zukunft nicht mehr der Fall sein? Und, noch wichtiger, die Trendfolger haben gezeigt, dass in den schwierigen Jahren, in denen das Paar {R,MT} nicht zueinander passte, die Verluste begrenzt waren. In Jahren, in denen die Regeln gut passten, konnten sogar beträchtliche Renditen erwirtschaftet werden. So ist im Zeitraum von 2004-2013 eine positive Gesamtrendite von +33.9 Prozent erzielt worden.

B) Es wird immer Trends in den Märkten geben.

Ob für das Jahr 2014 das Paar {R,MT} zueinander passt, wird sich zeigen. Die Geduld der Trendfolger-Investoren wird möglicherweise erneut auf die Probe gestellt, die Strategie hat seine Raison-d’être aber nicht verloren.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 4. April 2014 | Die Börsenblogger

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