Ist die Trendwende bei Rohstoffpreisen in Sicht?

Ist die Trendwende bei Rohstoffpreisen in Sicht? 

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Rohstoffpreise sind über die letzten Jahre auf den Weltmärkten kontinuierlich gefallen. Mitte 2014 sanken insbesondere die Preise für Rohöl auf einen Tiefstand, welcher zuletzt um die Jahrtausendwende erreicht wurde. Damals erholten sich die Preise durch eine höhere Nachfrage nach Rohöl aus Schwellenländern rasch. Da die bestehenden Förderkapazitäten bald an ihre Grenzen stiessen, wurde über das letzte Jahrzehnt viel in konventionelle aber auch alternative Förderungstechniken investiert, um der scheinbar grenzenlosen Nachfrage nach Öl gerecht zu werden. Diese Investitionen lösten eine regelrechte Ölschwemme auf dem Markt aus. Obwohl die Nachfrage nach Rohöl seit der Finanzkrise stetig wuchs, führte ein anhaltendes Überangebot zu einem kontinuierlichen Preisverfall.

Auf die sinkenden Rohstoffpreise der letzten Jahre reagierten die Produzenten nicht etwa mit einer Drosselung ihrer Produktionsmenge – im Gegenteil: Die Märkte wurden regelrecht mit Öl geflutet. Der Preisverlust sollte schlicht durch mehr Absatz ausgeglichen werden, um die Erträge konstant zu halten und damit die laufenden Betriebskosten (z.B. Schuldzinsen) zu decken. Vor allem Rohölexportländer wie Saudi Arabien, Russland oder Kanada wollten auf diese Weise Marktanteile auch bei niedrigen Preisen behaupten.

Seit Mitte Februar 2016 erholt sich der Ölpreis von seinem historischen Tiefpunkt. Unklar bleibt, ob sich damit bereits eine Trendwende auf dem Ölmarkt ankündigt, oder die konkurrierenden Förderer sich lediglich eine Verschnaufpause in der Abwärtsspirale der Preise gönnen.

Aus heutiger Sicht sind drei Szenarien für die mittelfristige Preisentwicklung beim Rohöl denkbar:

  1. Eine Unterversorgung befeuert den Ölpreis

    Die Investitionen in Ölförderungen wurden über die letzten Monate stark gedrosselt und somit ist auch das Angebot rückläufig. Die anhaltenden politischen Spannungen im Nahen Osten könnten sich ebenfalls negativ auf die Angebotsmenge auswirken. Dieser Zustand könnte bei konstanter oder leicht steigender Nachfrage zu höheren Preisen führen.

  2. Der Ölpreis pendelt sich auf dem durchschnittlichem Niveau der Grenzkosten der Produktion ein

    In diesem Szenario würde sich der Ölpreis stabilisieren und die Nachfrage insbesondere durch eine Steigerung der Ölförderung bei flexibleren Methoden bedient, wie z.B. von Schieferölproduzenten aus den USA. Fracking oder Schieferölproduzenten haben Grenzkosten von ca. 50 US-Dollar pro Barrel Öl. Der Vorteil dieser Fördermethoden besteht darin, dass sie sehr schnell ihre Produktion wieder aufnehmen, aber auch einstellen können. Ein solch opportunistisches Verhalten kann dazu führen, dass sich der Ölpreis mittelfristig um die Grenzkosten pro Barrel bewegt

  3. Eine neue Ölschwemme drückt erneut die Preise tiefer

    Die Investitionen in die Fördertechnik und die damit verbundenen niedrigen Kosten führen bei den aktuellen Preisen zu einer weiteren Ausweitung der Fördermenge. Dies hätte zur Folge, dass erneut eine negative Preisspirale in Gang gesetzt wird.

Die diversen Treffen von OPEC Mitgliedern und Produzenten ausserhalb des Kartells mit dem Ziel, die Situation gemeinsam in den Griff zu bekommen, verliefen bisher eher enttäuschend. Saudi-Arabien weigert sich, seine Produktion zu reduzieren, ohne dass die anderen Ölexportländer mitziehen. Insbesondere der Iran hält an seiner Strategie fest, seine Fördermenge zukünftig weiter auszudehnen.

Noch ist nicht klar, in welche Richtung sich die Preise bewegen werden. Mit einer massiv höheren Nachfrage nach Rohstoffen ist zumindest kurzfristig nicht zu rechnen, da die globale Wirtschaft trotz Unterstützung der Zentralbanken noch nicht an Schwung gewonnen hat. Ein kurzfristiges erneutes Absinken des Erdölpreises unter die Grenzkosten wäre zwar temporär möglich, aber mittel- bis langfristig für die Produzenten nicht haltbar. Eine eher seitwärts gerichtete Preisbewegung innerhalb einer Bandbreite um den derzeitigen Ölpreis erscheint deshalb zumindest aus heutiger Sicht am wahrscheinlichsten.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 29. September 2016 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 2. Okt 16 | Pipsologie

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