IWF: Optimistische Frühjahrsprognose mit einigen Wolken am Horizont

IWF: Optimistische Frühjahrsprognose mit einigen Wolken am Horizont 

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) bleibt in seinem halbjährlichen Ausblick für die Weltwirtschaft zumindest kurzfristig zuversichtlich. Längerfristig sieht die in Washington beheimatete Institution aber einige nicht zu unterschätzende Wachstumsrisiken.

Nicht nur Protektionismus gefährdet Weltwachstum, auch Handelsungleichgewichte

Sorgen bereiten dem Währungsfonds unter anderem die zunehmenden Spannungen im weltweiten Handel, insbesondere zwischen den USA und China. Einer weiterhin breiten globalen Wachstumsdynamik steht die Gefahr einer Eskalation dieser Handelskonflikten gegenüber. Die längerfristigen Aussichten seien daher ernüchternd, kommentierte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld.

Die Handelsstreitigkeiten würden zudem von wichtigen Aufgaben, wie der Umsetzung von Strukturreformen, dem Aufbau staatlicher Finanzpuffer oder der vorsichtigen Anpassung der Geldpolitik ablenken. Neben den von der US-Regierung getriebenen protektionistischen Tendenzen warnte der IWF des Weiteren vor der hohen privaten wie auch staatlichen Verschuldung und den anhaltenden Handelsungleichgewichten. Hintergrund der von den USA beklagten Ungerechtigkeit im internationalen Handel sind nämlich unter anderem übermässige Handelsungleichgewichte. Länder mit übermässigen Defiziten und Überschüssen, wie beispielsweise Deutschland, sollten diese mit einer entsprechenden Investitionspolitik vermindern, meinte der IWF.

Vorerst unveränderte Prognosen

Seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft beliess der IWF jedoch für dieses und nächstes Jahr unverändert bei jeweils 3.9 Prozent. Das wären der beste Werte seit 2011. Etwas günstiger als im Rahmen der letzten Prognoserunde im Januar werden die Aussichten für die USA und die Eurozone bewertet. Für die USA wurden die Wachstumsprognosen vor dem Hintergrund potenziell positiver Effekte der Steuerreform um jeweils 0.2 Punkte auf 2.9 (2018) und 2.7 (2019) Prozent erhöht. Für die Eurozone liegt die Projektion für dieses Jahr 0.2 Punkte höher bei 2.4 Prozent. Die Erwartungen für die deutsche Wirtschaft für 2018 wurden ebenfalls um 0.2 Punkte auf 2.5 Prozent angehoben. Auch für die wirtschaftlichen Schwergewichte wie China, Indien, Japan und Russland beliess der IWF seine Wachstumsprognosen gegenüber der letzten Schätzung im Januar unverändert.

Längerfristige Abschwächung zeichnet sich ab

In seinem Frühjahrsgutachten warnt der IWF, dass sich das globale Wachstum angesichts verschiedener Faktoren in den nächsten Jahren verlangsamen könnte. Dabei würde das Pro-Kopf-Wachstum – insbesondere in etablierten Industrieländern – auf ein Niveau sinken, das unter dem Durchschnitt der Jahre vor der Finanzkrise von 2008 liegen dürfte. Eine wichtige Rolle spiele dabei die demographische Entwicklung. Zudem sei damit zu rechnen, dass der Impuls der Steuersenkungen in den USA ab 2020 nachlassen werde.

IWF-Chefin Christine Lagarde fügte dem Frühjahrsgutachten hinzu, dass der Ausblick im Moment zwar strahlend sei, jedoch deutlich mehr Wolken am Horizont aufgezogen seien als zuvor. Auch der rekordhohe globale Schuldenstand mache die Finanzmärkte verletzlich. Lagarde appellierte eindringlich, dass unilaterale Handelsrestriktionen nicht hilfreich seien und durch die internationale Zusammenarbeit mehr Fortschritt für mehr Menschen als jemals zuvor erreicht wurde.

Ein „reinigendes“ Gewitter

Fazit? Die Aussichten für die Weltwirtschaft bleiben nach wie vor intakt und die dunkleren Wolken am Horizont müssen nicht in jedem Fall negativ sein. Im Gegenteil, sie können auch zu einem „reinigenden“ Gewitter führen. So könnte beispielsweise der von Trump provozierte Handelskonflikt zu Neuverhandlungen und schliesslich zu einem ausgewogenerem Welthandel führen. Das wäre im Interesse aller.

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