Japan: Erdrutschsieg für Abe(nomics) 

5 (100%) 1 vote

Im Sommer befand sich Premierminister Shinzo Abe innenpolitisch in der Krise. Seine Umfragewerte waren im Keller. Inzwischen ist ihm schneller als erwartet ein starkes Comeback gelungen. Am Sonntag konnte er erneut eine Zweidrittelmehrheit für seine Koalition gewinnen. Das interessante dabei ist: Der Markt hatte es praktisch vorausgesagt.

Noch im August schien es für viele Kommentartoren fraglich, wie lange sich Abe im Amt halten würde. Hinterfragt wurde damit natürlich auch die Zukunft von Abenomics, der Kombination aus geldpolitischer Largesse, fiskalpolitischer Flexibilität und wachstumsfreundlichen Reformen, mit der Abe Japan endgültig aus der deflationären Stagnation führen will.

Ich hatte mich im August mit Hinweis auf die bisherigen Erfolge der Wirtschaft und des neuen Notenbankregimes zuversichtlich über die Aussichten für Abe und Abenomics (Links) geäussert. Das Tempo der politischen Erholung Abes hat jedoch auch mich überrascht. Bereits Ende September hatte Abe überraschend entschieden, den Stier bei den Hörnen zu packen und vorgezogene Neuwahlen für das Repräsentantenhaus ausgerufen.

Angesichts der Provokationen aus Nordkorea und chaotischer Entwicklungen im Lager der japanischen Oppositionen witterte er offenbar eine Chance – und gewann haushoch: Seine Koalition verfügt jetzt 312 von 465 Sitzen. Die Liberal-Demokratische Partei (LDP) alleine kam auf 61% der Sitze – exakt gleichauf mit dem Ergebnis von 2014. Seine Widersacher innerhalb der Partei dürfte er damit übertrumpft haben. Damit kann Abe bis 2021 im Amt bleiben.

Entscheidend ist allerdings nicht die Zustimmung zu einer Partei, sondern der Rückhalt für den Kurs der Regierung. Abe hatte sein politisches Schicksal mit den Abenomics verknüpft und gewinnt durch das Plebiszit jetzt doppelt: Als Regierungschef und wirtschaftspolitischer Reformer.

Die Weisheit der Märkte

Der Aktienmarkt hatte es allerdings schon per Ende September „geahnt“. Das zeigt der nachfolgende sehr langfristige Chart sehr eindrücklich. Dieser zeigt den sehr breiten Topix (rund 2000 Unternehmen) auf Basis der Quartalsschlusskurse seit 1949. Im letzten vollen Quartal vor den Wahlen brach das japanischen Aktienbarometer nämlich aus seinem fast dreissigjährigen Abwärtstrend aus. Damit suggerierte der Markt, dass Abenomics – bzw. die aktuelle Hausse – keinesfalls am Ende ist. Im Gegenteil: Die Börse scheint zu signalisieren: „Jetzt geht’s es erst richtig los“.

Japanische Aktien

 

LGT Beacon
Der LGT Beacon bietet Ihnen einen umfassenden Überblick als auch Ausblick zu den wichtigsten Finanzmärkten. Die Publikation erscheint regelmässig als globaler Marktkommentar.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 24. Oktober 2017 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Trading und Investments 29.10.17 | Pipsologie

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.