Jaques Coeur: Der Unternehmer, der Frankreich rettete

Jaques Coeur: Der Unternehmer, der Frankreich rettete 

Frankreich bewegt sich. Ein junger Präsident tritt an, um mit neuen wirtschaftspolitischen Ideen sein Land aus der Stagnation zu führen. Mutige und kreative Reformer gab es in Frankreich schon früher, wie die Geschichte des Jaques Coeur zeigt.

Kriege sind teuer und gute Kriegsführung verlangt nach solider Finanzierung. Als der englischen Regierung im hundertjährigen Krieg gegen Frankreich (1337-1453) die finanziellen Mittel auszugehen drohten, erfand sie zunächst allerlei kreative Steuern. Als die Steuerlast immer öfter zu Revolten auf der britischen Insel führte, verfiel man auf eine andere Finanzierung, bei der pikanterweise die Franzosen selbst die Geldmittel für die englische Streitmacht erbringen sollten: Englische Ritter entführten kurzerhand den französischen König Johann II. auf dem Schlachtfeld von Maupertuis. Frankreich musste ein horrendes Lösegeld für die Freilassung seines Monarchen zahlen und stürzte dadurch in eine jahrzehntelange, existentielle Krise. Die französische Wirtschaft, vom Krieg schon arg gebeutelt, drohte zu kollabieren. Bargeld wurde knapp, die öffentliche Verwaltung arbeitete nicht mehr und marodierende Söldnertruppen würgten den Handel ab. Karl der VII., seit 1422 König von Frankreich, versuchte eine Haushaltssanierung mit dem Schwert, indem er seine spanischen, Schweizer und deutschen Nachbarn überfallen liess, musste aber bald einsehen, dass sich Kriegszüge zur Finanzierung weiterer Kriegszüge nicht rechneten und Frankreich immer weiter dem Bankrott entgegentrieben.

In höchster Not überliess er 1438 die finanziellen Staatsgeschäfte einem Zivilisten: Jaques Coeur (1395 – 1456), Sohn eines Kürschners, hatte ein Handelsimperium für edle Tücher aufgebaut, das vor allem mit Orientgeschäften einen kometenhaften Aufstieg erlebt hatte. Mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, vereinheitlichte der Unternehmer Coeur zunächst das französische Münz- und Zollwesen und dämmte die Macht lokaler Fürsten ein. Eine unabhängige und professionelle Finanzverwaltung sorgte für Währungsstabilität und wachte darüber, dass Handwerk und Handel nicht mehr durch die Willkür einzelner Edelleute gehemmt werden konnten. Coeurs Steuerreform verschaffte dem Staat mehr Einnahmen, verteilte die Steuerlast jedoch so geschickt, dass Frankreich bereits nach wenigen Jahren einen Aufschwung erlebte, der nicht nur die Not des Krieges beseitigte, sondern das Land auch wirtschaftlich wieder in den Kreis der Grossmächte zurückführte. Coeur arbeitete dabei ebenso erfolgreich wie skrupellos und häufte selbst ein gewaltiges Vermögen an. Nach dem Ende des hundertjährigen Krieges, bei dem der Unternehmer Coeur Frankreichs finanzielle Niederlage abgewendet hatte, fiel er in Ungnade und musste aus dem inzwischen florierenden Frankreich fliehen. Sein Vermögen ging grösstenteils an den Staat, den er saniert hatte. Jaques Coeur taugt sicher nicht als moralisches Vorbild, doch ohne seine mutigen Reformen wäre die Geschichte Frankreichs anders verlaufen und die Grand Nation in vieler Hinsicht vermutlich recht petite.

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