Jesu’ Werk und Augustus’ Beitrag

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„Es begab sich aber der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde“ – das Lukas Evangelium kündet nicht nur von Christi Geburt zu Zeiten des Reformkaisers Augustus, sondern auch von einer subtilen Dualität weltlicher und geistlicher Macht.

Wir befinden uns im Jahr eins vor Christus. Ganz Galiläa ist von den Römern besetzt. Zwar leistet kein kleines Dorf Wiederstand, aber dem mächtigen Kaiser Augustus erwächst ein anderer Widersacher – einer, mit dem das Imperium nicht rechnen konnte und dessen Macht zunahm, je mehr sich die antike Supermacht Rom dagegen auflehnte. Jesus, für Christen der Sohn Gottes, und der römische Kaiser Augustus, Adoptivsohn des zum Gott erhobenen Cäsar, waren nicht nur Anführer und Reformer auf ihre Weise. Zwischen ihnen spielte sich ein merkwürdiges Fernduell ab.

Erster Akt: Der messianische Widerstand

In Land, in dem Jesus geboren wurde, brodelte es. Für viele Juden der Zeit war die Fremdherrschaft durch die andersgläubigen Römer ein unhaltbarer Zustand. Ein „Messias“, der die römische Besetzung beenden würde, schien der Bevölkerung mehr als eine religiöse Verheissung: Jesus wurde die Rolle des religiösen Erneuerers und Rebellen gegen die fremde Obrigkeit buchstäblich in die Wiege gelegt und Augustus war gewarnt vor der Ankunft eines womöglich sehr irdischen Rex INRI. Die römische Volkszählung, für die sich Maria und Joseph auf den Weg nach Betlehem machten, war weit mehr als ein moderner Verwaltungsakt. Viele Historiker vermuten, dass mit der Erfassung der Bevölkerung auch ein Treueeid auf Rom verbunden war, der die immer wieder entflammenden Aufstände in der römischen Provinz erschweren sollte.

Zweiter Akt: Krieg als Vater des Friedens?

Für junge römische Herrscher galt seit jeher die Maxime: Wenn du den Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor. Als Augustus 44 Vor Christus das schwierige Erbe Cäsars antrat, war diese kriegerische Friedensformel vermutlich ein Überlebensprinzip. Mächtige römische Adelsfamilien und diverse Parteien waren seit fast 100 Jahren in einen teils blutigen, teils intriganten Machtkampf verwickelt. Volkstribune machten sich die sozialen Gegensätze zu Nutze, schwangen sich zu Diktatoren auf und an nahezu allen Grenzen stand das Reich im Krieg mit barbarischen Nachbarn. In jahrelangen Kriegen und mit geschickter Machtpolitik gelang es Augustus schliesslich, seine zahlreichen Gegner niederzuringen. Auch die Niederschlagung der jüdischen Aufstände und damit die Hinrichtung Jesu Christi waren letztlich eine Folge von Augustus’ blutiger Befriedung der römischen Hemisphäre. Mit gewaltigen Strassenbau- und Bewässerungsprogrammen legte der Kaiser den Grundstein für die wirtschaftliche Gesundung des Reiches. Die folgende Periode des Friedens und des Wachstums kennen wir heute als Pax Romana und Pax Augusta. Doch ohne es zu wollen, ebnete Augustus mit seiner Politik auch der Lehre Jesu Christi den Weg.

Dritter Akt: Gebt Gott was des Kaisers ist – und umgekehrt

Augustus‘ Werk verhiess den Römern ein besseres Leben auf Erden. Die Anhänger von Jesus Christus verbanden mit ihm die Vergebung ihrer Sünden und ein Leben nach dem Tod. Der eine versprach den Beginn des Goldenen Zeitalters, der andere die Ankunft des Gottesreiches. In der historischen Rückschau wird aus diesem scheinbaren Gegensatz eine perfekte Kombination:
Das Römische Reich mit seinen Fernstrassen und gesicherten Seewegen begünstigte nämlich nicht nur den Austausch von Waren, sondern auch von Ideen, Mythen und Legenden. Bereits Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus gab es bis nach Nordeuropa Gemeinden christlicher Händler aus dem Orient. Später stieg das Christentum sogar zur Staatsreligion des Reiches auf, das Augustus gerettet hatte. Ohne den Kaiser und Widersacher Christi hätte uns das Weihnachten, das wir heute feiern, womöglich gar nicht erreicht.

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