Kakaogeld: Der unvorstellbare Reichtum des Aztekenkönigs

Kakaogeld: Der unvorstellbare Reichtum des Aztekenkönigs 

Schokolade besteht aus Kakao, und die Bohnen der Kakaofrucht sind ein wichtiges Exportprodukt vieler Länder Südamerikas, Westafrikas und Südostasiens. Noch vor 500 Jahren aber waren die Bohnen vor allem eins: Bares Geld.

Kakao ist die Bohne des Kakaobaums – oder genauer: das aus ihr gewonnene Pulver; das sperrige Wort stammt aus alten Sprachen der Ureinwohner Mexikos und später der Maya und der Azteken. Die Kakaofrucht und die darin eingebetteten Bohnen werden seit Jahrtausenden genutzt. Archäologen haben in Honduras Gefässe aus dem 11. Jahrhundert v. Chr. ausgegraben, in denen Kakaoreste nachgewiesen wurden. Getrunken allerdings wurde nicht Kakao aus der gemahlenen Bohne, sondern eine Art Kakaobier aus dem zuckerhaltigen, vergorenen Fruchtfleisch der Kakaofrucht.

Die kostbaren Bohnen nämlich waren bei den Maya und Azteken weniger Genuss – als vielmehr Zahlungsmittel, eine Art Primitivgeld wie in anderen Kulturen Tierzähne oder Muscheln. Im Reich der Maya wurde bis ums Jahr 600 mit Bohnen bezahlt, doch welchen Wert eine Bohne damals hatte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Genaueres weiss man über das Kakaogeld der Azteken: Ums Jahr 1200 kostete ein Kürbis vier Bohnen, ein Sklave war für deren 100 zu haben. Aus dem Jahr 1545 ist sogar eine vollständige Preisliste überliefert, der zufolge eine grosse Tomate eine Bohne kostete, ein Fisch deren drei, ein Hase 100 und ein Truthahn 200 Bohnen. Wie jede Währung wurde auch Kakaogeld gefälscht. Findige Händler fanden heraus, dass sich minderwertige Bohnen, in Wasser eingelegt, aufgequollen und eingefärbt, für Kakaobohnen der edelsten Sorte ausgeben liessen.

Der Aztekenherrscher Motecuzoma II (1465-1520; der Name bedeutet auf aztekisch «er schaut finster drein wie ein Fürst») soll über eine ganze Milliarde Bohnen verfügt haben, 1250 Tonnen, die als Steuern entrichtet worden waren. Das königliche Vermögen war so gigantisch, dass es sich nur noch bunkern, nicht aber verkaufen liess, weil sonst die Bohnenpreise – und damit die Reichswährung – in den Keller gerasselt wären. Auch konsumieren liessen sich die Bohnen nicht, weil der so zur Schau getragene Luxus zu Unruhen geführt hätte. Also blieben die Kakaobohnen Bargeld – und wenn aus ihnen doch einmal ein Getränk wurde, dann – weil kostbar – nur für die oberen Zehntausend und zum Zweck religiöser Rituale.

Als der Spanier Hernándo Cortés und seine «conquistadores» 1519 die Halbinsel Yucatán eroberten, kam ihnen dieser seltene, ungesüsste, leicht bittere Trank spanisch vor. Als Heissgetränk aber, mit Rohrzucker, Gewürzen und Milch zubereitet, fand der Kakao schliesslich seinen Weg in die Tassen der Alten Welt, zuerst als Heilmittel, dann als Luxus an Königs- und Fürstenhöfen. Lange Zeit wurde darüber gestritten, ob Kakao eine Speise sei, weil er doch auf Bäumen wachse. Weil sein Genuss aber das kirchliche Fastengebot gebrochen hätte und mittlerweile auch die gleich mehrfach angerufenen Päpste nicht mehr verzichten mochten, lautete am Ende das Verdikt: «Habemus potum» – es ist ein Getränk. Und damit wurde der Kakao endgültig zum Stoff, aus dem die süssen Träume sind.

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