Kann es ein Periodensystem der Renditen geben?

Kann es ein Periodensystem der Renditen geben? 

In den vergangenen Jahren hat sich eine Betrachtungsweise verbreitet, welche die Renditequellen verschiedener Anlageklassen in Risikofaktoren zerlegt. Demnach ergibt sich die Rendite einer Anlageklasse aus den einzelnen Beiträgen der darunter liegenden Risikofaktoren (die auch anderen Anlagenklassen gemeinsam sein können).

Die Risikofaktoren sind in diesem Sinne die Grundbausteine eines «periodischen Systems der Renditen» wie die Atome dies für das periodische System der Elemente sind. Das untenstehende Bild veranschaulicht diese Perspektive:

Quelle: Blackrock

Quelle: Blackrock

Ein solche Darstellung macht den Investoren die Korrelationen zwischen den verschiedenen Anlagenklassen noch stärker bewusst und regt sie vielleicht an, ihr Portfolio nicht als ein Bündel von Anlagenklassen, sondern als ein Bündel von Risikofaktoren zu betrachten. Die Zerlegung nach Risikofaktoren sollte aber nicht nur ein abstraktes Denksystem bleiben. Einige Asset Manager versuchen, Anlagestrategien anzubieten, die das Erwirtschaften von Renditen auf der Grundlage bestimmter Risikofaktoren ermöglichen. Diese Strategien haben hauptsächlich quantitativen Charakter und werden durch regelbasierte Ansätze umgesetzt.

Die Risikofaktoren-Darstellung ist anschaulich, intuitiv und bietet eine gute Grundlage um bestimmte finanziellen Phänomene zu erklären. Allerdings ist die Charakterisierung der Faktoren nicht unproblematisch:

  • Während Anleihen und Aktien als Finanzinstrument hinsichtlich ihrer Aufgabe und Funktion klar definiert sind, stellt sich die Frage, wie sich die Risikofaktoren definieren lassen. Kann man sie überhaupt mit einer expliziten Definition erfassen?
  • Wenn eine Definition möglich ist, ist sie quantitativer oder qualitativer Natur?
    • Falls die Definition qualitativer Natur ist: Wie kann man dann den quantitativen Beitrag zur Rendite bestimmen?
    • Falls die Definition quantitativer Natur ist: Lassen sich die Renditen jeder Anlageklasse genau durch eine mathematische Formel definieren?

Diese Fragen sollen zum Nachdenken über die Natur solcher Risikofaktoren anregen. Hat man hier mit Dingen zu tun, deren Existenz nur postuliert wird, aber für die kaum eine klare Identifizierung möglich ist oder geht es wirklich um wahre Grundbausteine quasi «Atome» der Renditen? An diesen Fragen hat ein Metaphysiker vielleicht mehr Freude als ein Investor. Aber manchmal würde es sicher nicht schaden, wenn die Investoren sich selbst solche Fragen stellen würden, statt blind an einen Ansatz zu glauben. Die Enttäuschungen wären sehr wahrscheinlich kleiner.

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