Klimastreiks: Ein Weckruf für alle – auch die Finanzinstitute

Klimastreiks: Ein Weckruf für alle – auch die Finanzinstitute 

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Ein 16-jähriges Mädchen hat es geschafft: Greta Thunberg hat Jugendliche auf der ganzen Welt aus dem politischen Tiefschlaf geweckt und sie animiert, sich für den Klimaschutz und eine bessere Zukunft einzusetzen. Was die Finanzindustrie von der jungen Klimaaktivistin lernen kann.

Angefangen hat alles mit Greta Thunberg, einem schwedischen Mädchen, das im August 2018 zum ersten Mal vor dem Reichstag in Stockholm aufmarschierte. In ihren Händen hielt die Schülerin ein Transparent mit der Aufschrift „Schulstreik für das Klima“. Zuerst setzte sich Greta täglich vor dem Reichstag nieder, später jeweils freitags. Anfang September kündigte sie an, dass sie den Unterrichtsboykott so lange fortsetzen wolle, bis das schwedische Parlament beschlossen habe, die Klimapolitik an den Zielsetzungen des Pariser Übereinkommens auszurichten. Die Nachricht über ihre Streiks verbreitete sich in den sozialen Medien unter dem Hashtag #FridaysForFuture rasant und erlangte globale Aufmerksamkeit. Noch im September sprach Greta vor der UNO-Generalversammlung und im Januar 2019 reiste sie ans World Economic Forum nach Davos. Die 16-Jährige Klima-Rebellin ist mittlerweile weltweit bekannt und hat unter Gleichaltrigen viele Unterstützer gefunden.

FridaysForFuture wird zur weltweiten Bewegung

Seit Oktober haben sich in verschiedenen Städten und Ländern unzählige Gruppen gebildet, die Gretas Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) unterstützen. Einem Aufruf der Bewegung, am 15. März für das Klima zu streiken, sind Hundertausende Schüler und Studenten in mehr als 105 Ländern – von den USA, über Europa, Indien, Hongkong, Indonesien bis nach Australien – gefolgt. Weltweit haben an diesem Tag mehr als 1700 Anlässe und Demonstrationen stattgefunden. Für April sind erneut grosse Klimademonstrationen geplant.

„Fridays For Future“-Demonstration in Hamburg
#FridaysForFuture -Demonstration in Hamburg 01/19 (Bild: Malte Hübner)

Greta Thunberg hat es innerhalb von einem halben Jahr geschafft, Hundertausende von Menschen zu mobilisieren. Auf politischer Ebene herrschte in Sachen Klimawandel derweil Stillstand. Seit das Pariser Übereinkommen im Dezember 2015 von den UNO-Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde, hat sich auf politischer Ebene wenig bis gar nichts getan. Dabei gilt es, das vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf 1.5° Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu beschränken, bis 2030 zu erreichen.

Jugendliche machen Druck

In der Schweiz wird eigentlich viel für den Klimaschutz getan, aber auch hierzulande wird mehr diskutiert als umgesetzt. In der Wintersession hat das Parlament über die Revision des CO2-Gesetzes gestritten. Die Linken und Grünen wollten den Flugverkehr miteinschliessen und forderten eine CO2-Abgabe auf Treibstoffe. Die Mitte- und rechten Parteien wollten dies partout nicht. Eine Einigung blieb aus. Die Diskussionen werden in der Frühlingssession erneut aufgenommen. Es bleibt zu hoffen, dass die FFF-Bewegung mit ihren Klimastreiks einige Politikern zum Umdenken angeregt hat und diese sich bald zu klaren Massnahmen durchringen werden.

Erste Anzeichen dafür, dass die Jugend die Politik in der Schweiz endlich in Schwung bringt, gibt es bereits. Hierzulande fordern Schüler der FFF-Bewegung, dass der nationale Klimanotstand ausgerufen wird. Basel-Stadt ist als erster Kanton diesem Aufruf gefolgt. Hier werden Politiker dem Thema Klima ab sofort höchste Priorität einräumen und die Klimakatastrophe als zu bewältigende Krise anerkennen. Weitere Kantone dürften sich anschliessen.

Die Zeit rennt uns davon

Genau solche Initiativen braucht es jetzt. Uns bleibt keine Zeit für Diskussionen und die Berücksichtigung einzelner politischer Befindlichkeiten. Der Klimawandel wartet nicht, bis sich Politiker zu Massnahmen entscheiden können. Wollen wir die Erderwärmung tatsächlich auf 1.5° Grad gegenüber vorindustriellem Niveau beschränken und für uns alle eine lebenswerte Zukunft gestalten, dann müssten die CO2-Emissionen bis in 15 Jahren auf Netto-Null-Emissionen gesenkt werden – ob wir das bei dem Tempo schaffen?

Was geschieht, wenn sich die Erde nur um ein halbes Grad Celsius mehr, auf zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau erwärmt, kann im Spezialbericht des Weltklimarates vom Oktober 2018 nachgelesen werden. Viele Gebiete in Asien und Südamerika wären für Menschen nicht mehr bewohnbar, weil die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit zu hoch sind. Zudem würde ein massiver Biodiversitätsverlust drohen. Der WWF spricht bereits vom sechsten Massensterben von Pflanzen und Tieren. Forscher gehen zudem davon aus, dass die Arktis mindestens einmal pro Jahr eisfrei, und die Gletscher in den Alpen bis in 50 Jahren komplett verschwunden wären.

Wir dürfen nicht auf die Politik warten

Wenn Greta also Woche für Woche fürs Klima streikt und damit ihre Generation, aber auch ältere Menschen auf die Dringlichkeit der Situation aufmerksam macht, dann bin ich ihr dankbar. Ich danke ihr vor allem dafür, dass sie uns den mangelnden Fortschritt der Politik in Sachen Klimaschutz vor Augen geführt hat.

Ob als Privatperson oder Unternehmen, wir können nicht auf Gesetzgebungen warten, sondern müssen uns schon jetzt für eine bessere Zukunft engagieren. Gerade Finanzinstitute können mit nachhaltigen Anlagen viel ausrichten. Sie sitzen am richtigen Hebel, um die Finanzströme in nachhaltige Investments umzuleiten. Die Europäische Union (EU) hat das erkannt und wird mit dem EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums auch ein Rahmenwerk liefern. Bis es soweit ist, müssen die Finanzinstitute jedoch selbst Initiative ergreifen.

Bei der LGT haben wir die Dringlichkeit erkannt: Im letzten Winter haben wir unsere bestehende Nachhaltigkeitsstrategie überarbeitet und für 2025 neue Ziele verabschiedet. Wir haben für alle Bereiche, nicht nur im Unternehmensbetrieb, sondern auch in unserem Kerngeschäft, dem Private Banking und Asset Management, konkrete Ziele festgelegt. So wollen wir unsere CO2-Emissionen gegenüber 2017 um 20 Prozent reduzieren und zu einem führenden Anbieter für nachhaltige Investmentlösungen werden. Erste Massnahmen werden wir bereits in diesem Jahr umsetzen. Zur Erreichung unserer ambitiösen Ziele bleiben uns lediglich sechs Jahre. Durch den knappen Zeitraum erhoffen wir uns noch mehr Wirkung. Denn fürs Warten bleibt uns keine Zeit.

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