Kostenpunkt Klimawandel: Ein Massnahmenaufschub wird teuer

Kostenpunkt Klimawandel: Ein Massnahmenaufschub wird teuer 

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Klimawandel-Skeptiker argumentieren gerne, dass die Umstellung auf eine CO2-neutrale oder sogar -negative Lebens- und Wirtschaftsweise der globalen Ökonomie schaden würde. Analysen zeigen jedoch, dass ein Übergang zur so genannten „Green Economy“ sogar Chancen birgt, und die durch den Klimawandel anfallenden Kosten eine bedeutend grössere Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellen.

Die Aussage des im vergangenen Oktober publizierten Berichts des UN Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist eindeutig: Die Weltgemeinschaft hat noch etwa 12 Jahre Zeit, um mit gezielten Massnahmen die globale Erwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Sollte sich die Erde um ein halbes Grad mehr erwärmen, könnte das bereits verheerende Folgen haben. 2015 haben sich 196 Staaten mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens dazu bereiterklärt, zu handeln – die freiwilligen Zugeständnisse reichen jedoch nicht annähernd aus, um die drohende Klimakatastrophe zu verhindern.

Wetterkatastrophen, Ernteausfälle, Tourismuseinbussen, Gesundheitsschäden, Produktivitätsverlust

Der Hitzesommer 2018 in Europa hat gezeigt, wie eine Zukunft mit „neuem“ Klima aussehen könnte. Diese ist trotz Sonnenschein nicht nur rosig: Alleine die Schweiz kosten Naturereignisse wie Hochwasser und Waldbrände laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) bereits heute 840 Millionen Franken im Jahr. Und diese Ereignisse häufen sich zunehmend. Gemäss einer Studie der ETH Lausanne könnten die Kosten für die Schweiz ab 2060 auf jährlich acht bis zehn Milliarden Franken steigen, bedingt durch Ausfälle in der Landwirtschaft und im Tourismus, höhere Versicherungsprämien und Energiepreise. Die grössten Kosten durch die neue Hitze würden allerdings wegen der sinkenden Arbeitsproduktivität und höheren Sterblichkeit anfallen. Die Schweiz als Alpenland ist vom Klimawandel besonders betroffen. Wer nach wie vor daran zweifelt, kann die vom Schweizer National Center for Climate Sciences (NCCS) herausgegebenen CH2018 Klimaszenarien durchstöbern. Den Schaden minimieren – da sind sich ETH- und BAFU-Experten einig – können wir nur, wenn wir Treibhausgas- und CO2-Ausstoss reduzieren.

Mehrheit will Wandel, Politik muss folgen

Umfragen bestätigen, dass die Bevölkerung die Dringlichkeit der Lage erkannt hat und ein aktives Handeln gegen den Klimawandel wünscht: Für die Schweizer rangiert laut „European Social Survey“ die Erderwärmung sogar an allererster Stelle der wahrgenommenen Gefahren – noch vor dem Zusammenbruch des Rentensystems und einer Wirtschafts- bzw. Finanzkrise. Und sogar im Klimawandel-skeptischen Amerika gaben zuletzt 73 Prozent der Bevölkerung an, dass sie an die Erderwärmung glauben. 72 Prozent fanden sie „persönlich wichtig“.

In Europa geht die Jugend für den Klimaschutz demonstrieren und streiken; die 16-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg erreichte derartige Prominenz, dass sie vor der Wirtschaftselite in Davos sprechen durfte; und in Frankreich drohen NGOs dem Staat bereits mit einer Klage, wenn dieser nicht bald handeln sollte. Man würde meinen, die Politik ziehe daraus Konsequenzen. In der Schweiz konnte sich der Nationalrat indessen nicht auf ein neues CO2 Gesetz einigen, und der von G20-Land Deutschland im Januar angekündigte Kohleausstieg bis 2038 verfehlt sogar die selbst-gesetzten Ziele aus Paris.

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Das kürzlich erschienene Buch „Designing Climate Solutions“ möchte der Politik bei der Erarbeitung erfolgreicher Klimaschutzmassnahmen unter die Arme greifen. De facto sind es nämlich nur 20 Länder (die G20), welche für 80 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind; allein sechs davon für 60 Prozent. Die Autoren schlagen vor diesem Hintergrund die Anwendung von zehn politischen Massnahmen in vier ökonomischen Sektoren vor, zusätzlich zu Carbon Pricing und Reformen in der Landnutzung. Klare Aussage des Buches ist: Die Politik muss handeln; und das am besten sofort. Bereits ein Aufschub von Massnahmen bis 2025 könnte laut OECD Einbussen von zwei Prozent des BIP bedeuten.

Umweltschutz als Wirtschaftsfaktor, Bewusstsein auch bei Investoren

Dass die Ansicht, der Klimaschutz würde der Wirtschaft schaden, in erster Linie den kurzsichtigen Interessen der CO2-Sünder dient, wird spätestens auf den zweiten Blick klar: Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland zufolge zählen Massnahmen zur Nutzung von erneuerbaren Energien, zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie zur Einsparung von Energie zu den wichtigsten wirtschaftlichen Säulen. In den USA werden im Bereich erneuerbare Energien Arbeitsplätze 12-mal so schnell geschaffen, wie in allen anderen Wirtschaftssektoren. Ähnliche Schlüsse zieht eine OECD-Studie mit dem Titel „Investieren in Klimaschutz, Investieren in Wachstum“.

Auch die Finanzbranche sieht den Klimawandel zunehmend als Bedrohung: Auf dem Klimagipfel in Katovice im Dezember unterzeichneten 415 Investoren ein Global Investor Statement, welches ihre Unterstützung für das Pariser Abkommen unterstreicht. Die Gruppe, darunter auch AXA, Zürich und mehrere Schweizer Pensionskassen, verlangt unter anderem, dass Subventionen für fossile Brennstoffe eingestellt und erhebliche Steuern auf den CO2-Ausstoss eingeführt werden. Würden Emissionen nicht reduziert und die Kohleverbrennung nicht eingestellt, stünde ein Crash bevor, der bedeutend schlimmer sein könnte, als die Wirtschaftskrise 2008.

Die gute Nachricht ist, dass (finanzstarke) Investoren die Entwicklung beeinflussen können, indem sie etwa von Investitionen in fossile Brennstoffe und CO2-Sünder absehen, oder gezielt klimafreundliche Investitionen wie Green Bonds und Impact Investments tätigen, wie sie die LGT mit LGT Impact umsetzt. Grosse Wirkung haben Investoren auch, wenn sie Druck auf Unternehmen und Regierungen ausüben und verlangen, dass diese Rahmenbedingungen und Anreizstrukturen schaffen, welche den Wunsch der Mehrheit reflektieren, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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