Das schwarze Gold: eine der klimaschädlichsten Energien

Das schwarze Gold: eine der klimaschädlichsten Energien 

Täglich werden gewaltige Massen an CO2-Gasen in die Umwelt ausgestossen. Obwohl man inzwischen weiss, dass Kohle massiv zu dieser Verschmutzung beiträgt, wird das schwarze Gold weiterhin zur Stromerzeugung verwendet. Die LGT setzt nun ein Zeichen und schliesst Unternehmen aus ihrem Anlageuniversum aus, die im Kohlegewinn oder der Energiegewinnung durch Kohle tätig sind.

Kohle ist schon seit dem 12. Jahrhundert als Brennstoff bekannt. Als Energielieferant etablierte sie sich vollends aber erst rund 700 Jahre später, als sie zu einer der treibenden Kräfte der industriellen Revolution wurde. Um den zunehmenden Kohlebedarf dieser Zeit zu decken, wurde 1882 die „Pearl Street Station“, das erste Kohlekraftwerk der Welt, am East River in New York City in Betrieb genommen. Kohle wurde von da an hauptsächlich für Dampfmaschinen und Generatoren in Kraftwerken eingesetzt.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Kohle die wichtigste Energiequelle, bevor sich eine zunehmende Verlagerung zu Brennstoffen mit höherem Energiegehalt wie Öl abzeichnete. Die Verwendung der neuen Brennstoffe unterstützte die Entwicklung von Verbrennungsmotoren und brachte unter anderem die ölgetriebenen Schiffe hervor. Mit der Weiterentwicklung der Technologien war man in der Lage, effizientere Quellen fossiler Brennstoffe (z.B. Erdgas) zu erschliessen und entdeckte später auch die Kernenergie. Heute gibt es gegenüber Kohle viele, meist effizientere Alternativen, um Energie zu produzieren, und dennoch wird vielerorts immer noch auf die äusserst schädliche Braunkohle als Energielieferant zurückgegriffen.

Die Kehrseite von Kohle

Mit über 1000 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilowattstunde (kWh) Strom entsteht bei der Verbrennung von Braunkohle mit Abstand am meisten CO2 im Vergleich zu anderen Energielieferanten. Zudem setzt Kohle bei der Erzeugung von Energie wie auch andere fossile Brennstoffe neben CO2 weitere schädliche Elemente frei wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Feinstaub sowie die toxischen Metalle Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber. An diesen Schadstoffen leiden Mensch und Natur gleichermassen.

Dass die Erzeugung von Kohleenergie nicht nur die Luft schädigt, zeigt das Beispiel vom Hambacher Wald in Nordrhein-Westfalen eindrücklich:

Hambach
Tagebau Hambach, vom Aussichtspunkt Elsdorf-Angelsdorf gesehen (2006)

Schon seit den 1970er Jahren wird der Wald vom Energieversorger RWE gerodet, um den Hambacher Braunkohle-Tagebau zu erweitern. Doch die Abholzung hat erst in den letzten Jahren grosse Medienaufmerksamkeit erlangt, als sich Umweltschützer an die Bäume gekettet haben, um gegen die Rodung zu protestieren. Sie kämpften für den Hambacher Wald, der einer der letzten grossen Mischwälder Europas mit einem einzigartigen Ökosystem ist. Mit seiner Vielfalt an Flora und Fauna bietet er vielen Lebewesen ein zuhause. Im Wald finden sich Stieleichen und Hainbuchen, die über 300 Jahre alt sind. Zudem beherbergt er seltene Tiere wie die Bechsteinfledermaus oder die Wiesenwaldmaus. Von seinen ursprünglich 5500 Hektaren sind heute nur noch gut zehn Prozent übrig – und die drohten, vollends zu verschwinden. Doch Deutschland konnte im Januar 2020 aufatmen: Auf Druck der Proteste hin wurde der Erhalt des Waldes vereinbart.

Neben dem Wald mussten übrigens auch Menschen den Kohlevorhaben weichen: Der Abbau von Braunkohle vernichtete in der Region landwirtschaftliche Flächen und ganze Ortschaften. Mehr als 300 Siedlungen mit insgesamt rund 100 000 Menschen wurden umgesiedelt.

Hin zu sauberer Energie in Europa

Dass die Kohleenergie und ihre schädigenden Auswirkungen bald ein Ende haben könnte, zeigen die Bemühungen der EU-Kommission. Unter der neuen Vorsitzenden Ursula von der Leyen hat sich die EU-Kommission 2019 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Europa soll bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden und netto-null-Emissionen ausstossen. Ausserdem muss die Erderwärmung bis dahin auf unter 2 Grad Clesius beschränkt werden. Um diese Ziele zu erreichen, muss die Europäische Wirtschaft umgebaut werden und eine Transformation hin zu sauberen Energien stattfinden. Das heisst, Europa muss aus der Kohleenergie aussteigen. Und damit ist es nicht alleine: Weltweit gibt es Bestrebungen, die Verwendung von Kohle zum Energiegewinn einzuschränken.

Hongkong alleine auf weiter Flur

Die Regierung Hongkongs zum Beispiel ist entschlossen, das Potenzial an erneuerbaren Energien so gut wie möglich zu nutzen und will die Kapazitäten in den nächsten Jahren stark ausbauen. Der öffentliche Sektor soll dabei eine Führungsrolle einnehmen und damit für den Privatsektor die Voraussetzungen schaffen, in erneuerbare Energien zu investieren. CLP, der grösste Energieversorger Hongkongs, hat in seiner Strategie festgehalten, bis 2050 aus Kohle auszusteigen. CLP investiert bereits heute viel in erneuerbare Energien. So will die Firma keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen und sogar der Bau der geplanten Kraftwerke soll gestoppt werden. Die Regierung von Hongkong bekennt sich hiermit zum Pariser Klimaabkommen.

Weit weniger erfreulich ist jedoch die wachsende Kohle-Nutzung in südostasiatischen Ländern wie in Indonesien, Vietnam, Thailand und den Nachbarstaaten. Südostasien ist eine der sich am schnellsten entwickelnden Regionen der Welt; die Elektrizitätsnachfrage wird 2035 voraussichtlich um 83% gegenüber dem Niveau von 2011 gestiegen sein. Diese wachsende Energienachfrage dürfte durch Kohleenergie gedeckt werden, da Vorkommen im Übermass vorhanden sind.

Bestrebungen der Finanzwirtschaft

Wie in vielen Bereichen des Klimaschutzes kann die Finanzwirtschaft auch im Energiesektor aktiv werden, indem sie sich als Vermittler zwischen Anlegern und kapitalsuchenden Unternehmen und Organisationen für nachhaltige Investitionen einsetzt. Unternehmen aus dem Anlageuniversum auszuschliessen, die in der Kohleproduktion und der Stromerzeugung aus Kohle tätig sind, ist ein Beispiel, wie Finanzinstitute einen Beitrag zur Erreichung des Pariser Abkommens und damit zur Bekämpfung des Klimawandels leisten können.

Die LGT hat solch eine Massnahme Anfang 2020 beschlossen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Energiewende, von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien, von grösster Bedeutung ist, um den Klimawandel zu mindern. Denn die kohlebasierte Stromerzeugung ist nicht mit einem Szenario vereinbar, das die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzt.

Doch reichen die Bestrebungen?

Obwohl die Wissenschaft warnt, dass das Verbrennen von Kohle der Klimakiller Nummer eins ist, bleibt Kohle wohl noch für Jahrzehnte ein bedeutender Energieträger. Das ergeben Prognosen der Energiewirtschaft. Ob wir also das Ziel von Paris, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu beschränken, erreichen, bleibt offen. Persönlich bin ich mittlerweile recht skeptisch.

Führen wir uns vor Augen, dass wir noch ein verbleibendes CO2-Budget von 420 Gigatonnen haben, müssten bestehende Kraftwerke schneller stillgelegt werden als bisher angedacht. Andernfalls erwärmt sich die Erde weit über die angestrebte Marke mit unabsehbaren Folgen. Auch der Schritt von CLP, bis 2050 aus Kohle auszusteigen, reicht nicht. So zeigen Untersuchungen von Climate Analytics, dass die Verstromung von Kohle bereits 2040 weltweit auslaufen muss, um das Pariser Ziel zu erreichen. Das ist zehn Jahre früher als das Ziel von CLP, das letzte Kohlekraftwerk abzuschalten. Im Kampf gegen den Klimawandel braucht es auch in der Kohleindustrie gebündelte Kräfte: Die Politik und die Privatwirtschaft wie die Finanzindustrie, müssen an einem Strang ziehen.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Kunde Daniel at 16:49

    Liebe Ursula

    Im Intro zu Deinem Blog-Beitrag schreibst Du: „Täglich werden gewaltige Massen an CO2-Gasen in die Umwelt ausgestossen. Obwohl man inzwischen weiss, dass Kohle massiv zu dieser Verschmutzung beiträgt, wird das schwarze Gold weiterhin zur Stromerzeugung verwendet.“
    Es gilt hier zu korrigieren, dass es sich bei CO2 um KEINE VERSCHMUTZUNG handelt. CO2 ist mit rund 0.04% Anteil in unserer Luft ein „Spurengas“ und seit der gesamten Erdentwicklung für die gesamte grüne Vegetation ein lebenswichtiges Gas, ohne welches es kein Leben auf dieser Erde geben würde. Die Zusammenhänge zwischen der Pflanzenatmung und der des restlichen Lebens auf dieser Erde ist uns hinlänglich bekannt und muss ich daher nicht wiederholen. CO2 ist daher auch kein Giftgas. Wenn dem so wäre, müsste man mir erklären, warum Gärtner in ihren Treibhäusern nicht selten CO2 zuführen und damit – wie zu erwarten – ein gesteigertes Pflanzenwachstum mit weiter höheren Erträgen vergegenwärtigen.
    Basierend auf dieser unumstösslichen Tatsache, ist es mir daher völlig unerklärlich, warum das Spurengas CO2 so dermassen „verteufelt“ wird.

    Weiter schreibst Du in Deinem Blog: „Heute gibt es gegenüber Kohle viele, meist effizientere Alternativen, um Energie zu produzieren (…)“.
    Diese Aussage erstaunt mich doch sehr, belegen die Fakten doch genau das Gegenteil: Kohle gehört mitunter zu den Energieträgern mit einem der höchsten sogenannten „Enerigieerntefaktoren“ (EF). Dieser Begriff stammt aus der Biologie und beschreibt das Verhältnis zwischen dem energetischen Aufwand, den man für die Umwandlung der gespeicherten Energie in eine für uns nutzbare Energieform (z.B. elektrischer Strom) in der Summe (d.h. vom Bau inkl. evtl. notwendige Energiespeicherung, Betrieb, und Rückbau eines Kraftwerkes und die Beschaffung des Brennstoffes) treiben muss (engl. „Energy Returned on Energy Invested (EROEI)). So bedeutet bei einem Energieträger der EF-Wert 1, dass hier für die Energieumwandlung genau gleich viel Energie aufgewendet werden muss, wie dieser nach der Umwandlung wieder abgibt. Betrachtet man nun die verschiedenen Energieträger und die dahinterstehenden Kraftwerkstypen, ergibt sich folgendes interessantes Bild:

    Biogasanlage EF =3,5 / Fotovoltaik (z.B. in Süddeutschland) EF = 4 / Windenergie (Deutschland) EF = 12 / Erdgas-Kraftwerk EF = 28 / Braunkohle Kraftwerk EF = 30 / Wasserkraftwerk (Deutschland) EF = 50 / Druckwasserreaktor (100 Prozent Zentrifugenanreicherung) EF = 107

    Kurz: Einzig die Wasserkraft und die Kernkraft sind zur Kohle aktuell existierende reale Alternativen! Von „vielen, meist effizienteren Alternativen“ kann hier also keine Rede sein.

    Leider ist es ja gerade so, dass es zur Kohle neben der Wasserkraft und der Kernkraft zurzeit keine wirklichen Alternativen gibt.
    Das ist Fakt und darum kann auch der politisch verordnete, hektische und kopflose gleichzeitig geführte Ausstieg aus der Kern- und Kohleenergie in Deutschland nur als unverantwortlicher Selbstmord einer Volkswirtschaft interpretiert werden.
    Wenn man nur alleine die Fakten und den gesunden Menschenverstand einsetzt, müsste jedem klar werden, dass ein solcher Umstieg NICHT gelingen kann, sondern in einem riesigen Desaster enden muss.
    Einmal ganz abgesehen von der unsäglichen Umweltzerstörung, „Zerspargelung“ und Verschandlung, gesundheitlichen Beeinträchtigung für Mensch und Tier, dem Ressourcenverschleiss, den wir uns mit der Solar- und Windenergie einhandeln: Alleine in einer einzigen Windenergieanlage des Typs Enercon E126 stecken im Fundament und dem Turm mit einer Höhe von rund 200m 6´300t Stahlbeton. Die Maschinengondel bringt 340t und die Nabe nebst Rotorflügel nochmals 320t auf die Waage. Erzeugt werden damit pro Jahr rund 15´000 MWh elektrische Energie. Ein einziges Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 1´300 MW erzeugt dagegen im gleichen Zeitraum 10´250´000 MWh. Das ist das 680-fache. Das heisst, um auch nur nominell die gleiche Energiemenge zu erzeugen wie das Kohlekraftwerk, brauchte man also 680 riesige Windräder vom Typ Enercon E126. Das ergibt einen Ressourcenbedarf von rund 10 Millionen Tonnen Stahl, Metalle, Zement und Kunststoffe. Das ist rund das Zwanzigfache der Ressourcen, die für die Herstellung des Kohlekraftwerks benötigt werden. Und fast alle diese Ressourcen müssen via Bergbau gewonnen werden (!). Den energetischen Einsatz für die Gewinnung von Zement will ich hier schon mal gar nicht beleuchten.
    Nebst dem stehen solche Windkraftanlagen bevorzugt (zumindest in Süddeutschland) auf Hügelkuppen, die zumeist bewaldet sind. Jedes dieser Monster benötigt rund 0,4 Hektar Fläche alleine für seinen Betonsockel. Dabei sind die Zufahrtswege usw. noch gar nicht hinzugerechnet. Der Boden rund um ein solches Monstrum ist für „ewig“ verdichtet und versiegelt. Ein Rückbau ist in der Regel nicht vorgesehen.
    Wenn man bedenkt, dass die Hochrechnungen für die angestrebte Umstellung auf E-Mobilität in Deutschland einen zusätzlichen Strombedarf von 194,4 GW ergibt und man diesen Bedarf mit den oben beschriebenen Windturbinen von 1.5 MW abdecken möchte, kommen wir auf (ohne Sicherheitsreserven) 130´000 zusätzliche Windräder. Die für den Kohleausstieg zusätzlich benötigten 2´500 Windräder sind hier noch gar nicht berücksichtigt.
    Und wie bereits erwähnt: All die mit einem solchen Windrad weitere einhergehende Beeinträchtigungen und Probleme der Umweltzerstörung, „Zerspargelung“ und Verschandlung, gesundheitliche Beeinträchtigungen für Mensch (Infraschall) und Tier (Insekten- und Vogelsterben), Beeinflussung des lokalen Klimas (Veränderung der Windverhältnisse, Verdichtung und damit Austrocknung der Luft usw.) und Umweltverschmutzung (für die zum Teil hochtoxischen Verbundsstoffe der Windräder gibt es bis heute keine Recyclingmethoden), notwendiger Ausbau der Stromtrassen, instabile Stromversorgung habe ich hier an dieser Stelle noch gar nicht weiter ausgeführt.

    Ich kann dazu nur eines sagen: Welch unglaublicher Irrsinn!

    Da ist im Vergleich das Abholzen eines Hambacher Waldes (was ich übrigens auch nicht gut finde) ein wirklicher Mückenschiess.

    Warum all diese Zusammenhänge in den herkömmlichen Mainstreammedien zumeist nicht oder nur ganz selten thematisiert wird, darf sich jeder selbst erklären.

    In diesem grossen Kontext und mangels aktueller wirklicher Alternativen kann ich nicht verstehen, dass die LGT in verwalteten Portfolios voreilig aus jeglicher Finanzierung von Unternehmen, die in der Kohleproduktion zur Energie-Erzeugung tätig ist, ausgestiegen ist. Schade, dass die LGT die Gelegenheit verpasst hat, die erwähnten Fakten sprechen zu lassen und daraus zum Wohle der Umwelt, Menschheit und der Tierwelt die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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