Kopf oder Bauch?

Kopf oder Bauch? 

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Privatanleger sind mit ihrer Rendite einigermassen zufrieden, und die meisten von ihnen halten sich für rational, zeigt unsere aktuelle Studie.

«Entscheidend ist, was hinten rauskommt», davon war schon Deutschlands ehemaliger Kanzler Helmut Kohl überzeugt. Auch einem Grossteil der Privatkunden geht es bei ihrer Geldanlage wohl weniger um das Anlegen an sich, als vielmehr um die Rendite, die sie mit ihrem Anlagevermögen erzielten. Wie sich die Portfolios vermögender Privatkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammensetzen, habe ich in meinem letzten Blogbeitrag zur LGT Anlegerstudie beleuchtet. Wie gut sie mit dieser Vermögenszusammensetzung abschnitten, zeigt die folgende Grafik:

Rendite und Renditezufriedenheit (Ländervergleich)

160715Blog_Rendite_Zufriedenheit

Demnach erzielten die befragten Schweizer Anleger im Jahr 2015 eine durchschnittliche Rendite von 2.1 Prozent, bei den Österreichern waren es 3.1 Prozent und bei den Deutschen 5.2 Prozent. Zufrieden mit der Performance waren 30 Prozent der Schweizer Befragten, 19 Prozent der österreichischen und 65 Prozent der deutschen Studienteilnehmer. Da die Deutschen eine deutlich höhere Rendite erzielten, erscheint es nachvollziehbar, dass im Vergleich zu den anderen beiden Ländern wesentlich mehr Befragte zufrieden sind. Erstaunlich ist hingegen, dass die Österreicher trotz höherer Performance unzufriedener sind als die Schweizer.

Mit dem Bauch anlegen

Bei der Wahl der passenden Vermögenszusammensetzung sollten diverse individuelle Parameter wie Anlagehorizont, Anlageziele, finanzielle Bedürfnisse oder persönliche Lebensumstände berücksichtigt werden. Gefühle und Stimmungen sind bei Anlageentscheidungen wohl eher unzuverlässige Ratgeber. Und trotzdem spielen sie diversen Untersuchungen zufolge eine wichtige Rolle. Mit Behavioral Finance gibt es sogar einen ganzen Forschungsbereich, der davon überzeugt ist, dass nicht nur sachliche Fakten, sondern auch die menschliche Psyche in die Anlageentscheidungen einfliesst, und dass Anleger in der Regel irrational handeln. Fragt man die Anleger aber selbst, halten sich nur die Wenigsten für emotional.

Selbsteinschätzung Emotionalität (Ländervergleich)

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Vor allem die deutschen Befragten weisen im Vergleich zu den beiden anderen Ländern mit 42 Prozent einen signifikant höheren Anteil an Investoren auf, die sich für «eher rational» halten. Lediglich ein sehr geringer Anteil von 12 Prozent der Befragten aller drei Länder ordnet sich der Kategorie der emotionalen Anleger zu. Die Zahlen des LGT Private Banking Report zeigen zudem, dass sich Frauen als emotionaler einschätzen als Männer: 15 Prozent der Frauen halten sich für emotionale Anleger, bei den Männern sind es 11 Prozent. Verblüffend ist die Tatsache, dass sich mit rund 90 Prozent ein Grossteil der Befragten als eher rational einschätzt, aber der Ansicht ist, dass sich die (anderen) Anleger zu stark von Gefühlen leiten lassen. Wie so oft divergieren offenbar auch in diesem Bereich Selbst- und Fremdbild beträchtlich.

Wohl bei den meisten Privatanleger spielen Kopf UND Bauch eine Rolle. Wenn man nicht zu den kurzfristigen Zockern gehört, sondern die eigene Vermögenszusammensetzung robust und auf langfristigen Vermögenserhalt und -aufbau ausgerichtet hat, ist man wahrscheinlich am besten davor gefeit, den einen zu verlieren und im anderen Schmerzen zu verspüren.

Der LGT Private Banking Report 2016 ist im Juni erschienen. An dieser Stelle beleuchte ich diverse Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Studie. Weitere Informationen zum LGT Private Banking Report 2016 finden Sie auf unserer Internetseite.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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