Kopfgeld wurde schon im Mittelalter gezahlt

Kopfgeld wurde schon im Mittelalter gezahlt 

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Die Belohnung für die Ergreifung dringend gesuchter Missetäter ist ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsfahndung. Doch auch Regierungen loben mitunter Kopfgeld aus – und dann oft in astronomischer Höhe.

Es gibt nur wenige Einnahmen, an denen der Fiskus nicht beteiligt werden will. Kopfgeld gehört dazu. Wer „sachdienliche Hinweise“ liefert, die zur Ergreifung eines Täters führen, erhält vom Staat eine Belohnung, die er steuerfrei kassieren darf – so zumindest die Regelung in Deutschland. Begründung: Einer Belohnung liegt keine eigentliche Leistung zugrunde. Der Polizei bei der Ergreifung eines Gesuchten zu helfen, sei allenfalls eine abstrakte Bürgerpflicht, aber mit Sicherheit keine bestimmte Leistung, argumentieren Steuerjuristen.

Da in Rechtsstaaten die Selbstjustiz verboten ist, spricht man auch nicht mehr von Kopfgeld, sondern eben von Belohnung. Der Begriff Kopfgeld taucht daher nur noch in alten Western-Schinken auf, wenn am Eingang zum Büro des Sheriffs auf einem Steckbrief jedem Geld versprochen wird, der einen Übeltäter tot oder lebendig („Dead or Alive“) abliefert. Das Kopfgeld als Belohnung für Bürger, die den Ordnungskräften helfen, einen Missetäter dingfest zu machen, ist allerdings sehr viel älter. Das erste Kopfgeld ist in Europa bereits im ausgehenden Mittelalter geflossen. Dabei galt: Je geringer die Effizienz der Ordnungskräfte, desto stärker wurden die Bürger motiviert, in die Rolle der „Hilfssheriffs“ zu schlüpfen.

Putin setzte das höchste Kopfgeld aus

Doch nicht nur Staatsanwaltschaften und andere Strafverfolgungsbehörden setzen Kopfgelder aus, auch Regierungen, Unternehmen und private Organisationen locken schon mal mit stattlichen Summen, um mysteriöse Vorgänge aufzuklären oder bestimmte Ziele zu erreichen. Das bislang höchste Kopfgeld lobte kein Geringerer als Russlands Präsident Wladimir Putin aus. Seine Regierung versprach demjenigen, der Informationen zur Aufklärung des Absturzes des Kogalymavia-Fluges 9268 im Oktober 2015 über der Halbinsel Sinai liefern könne, eine Belohnung in Höhe von 50 Millionen Dollar. Die Hintergründe blieben bis heute im Dunkeln – trotz dieser Rekordsumme. Die Vereinigten Staaten setzten jeweils auf die Ergreifung von Bin Laden und Saddam Hussein ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar aus. Gezahlt wurde das Geld in beiden Fällen nicht.

Das Kopfgeld in der Literatur

Weniger matrialisch geht es zu, wenn Unternehmen Belohnungen ausloben. In den österreichischen Bundesländern Salzburg und Tirol versprach ein großer Handelskonzern seinen Lehrlingen einen 100-Euro-Gutschein für jeden angeworbenen neuen Auszubildenden. Vorausgesetzt, der Neue übersteht die dreimonatige Probezeit. Tierfreunde in München wiederum machten vor einiger Zeit Jagd auf einen sadistischen Katzenmörder, indem sie 2000 Euro Belohnung für die Ergreifung des Täters aussetzten.

Längst hat das Kopfgeld schließlich auch Eingang in die hohe Literatur gefunden. Der im Jahr 1933 erschienene zweite Roman von Anna Seghers trägt den Titel „Der Kopflohn“. Es ist die Geschichte um den steckbrieflich gesuchten Hilfsarbeiter Johann Schulz und den sich auch auf dem Land ausbreitenden Nationalsozialismus.

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