Kreative Geldvermehrung: Von geschnittenen Scheinen und gestanzten Münzen

Kreative Geldvermehrung: Von geschnittenen Scheinen und gestanzten Münzen 

Wenn es eng wird in den Staatsetats, zeigten sich die Verantwortlichen schon immer kreativ: So erfand ein griechischer Finanzminister den Währungsschnitt und ein Gouverneur im heutigen Australien die Lochmünze.

Wohl keiner beneidete Petros Emmanouil Protopapadakis um diesen Job. Der Mathematiker und Ingenieur hatte das Amt des griechischen Finanzministers in denkbar schlechten Zeiten übernommen. Griechenland hatte 1922 gegen die Türken eine schwere militärische Niederlage erlitten. Das Land stand vor dem Bankrott.

Doch der Pragmatiker Protopapadakis hatte eine zündende Idee: Weshalb sollte man den Begriff «Währungsschnitt» nicht wörtlich nehmen? Also liess er sämtliche Geldscheine seines Landes durchschneiden. Der eine Teil diente weiterhin als Zahlungsmittel, allerdings nur noch mit halbiertem Wert. Die andere Hälfte mussten die Bürger gegen Staatsanleihen eintauschen. Das verschaffte dem Land zumindest vorübergehend etwas Erleichterung. Protopapadakis avancierte im Mai 1922 sogar für kurze Zeit zum griechischen Ministerpräsidenten.

Ende des 18. Jahrhunderts mangelte es in New South Wales, heute ein Bundesstaat Australiens, an Bargeld. Begehrt waren vor allem die spanischen Silbermünzen, von denen es allerdings zu wenige gab. Daher entwickelte sich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ein reger Tauschhandel, der von der Obrigkeit zunächst weitgehend toleriert wurde. Die begehrteste «Währung» war damals australischer Rum, was wiederum zu einer Inflation der ganz besonderen Art führte: Immer mehr Destillationsapparate wurden aus Europa in das heutige Australien eingeführt. Im Land selbst gab es bald weniger Weizen, weil die landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Zuckerrohr zur Rum-Produktion gebraucht wurden.

Dem damaligen Gouverneur Lachlan Macquaire war klar: So konnte es nicht weitergehen, ohne eine Hungersnot zu riskieren. Es war also höchste Zeit, den Tauschhandel zu beenden und zu einem Geldsystem zurückzukehren. Da aber nicht genug spanische Silberlinge zur Verfügung standen, ließ der schlitzohrige Gouverneur den inneren Teil der Münzen ausstanzen. Somit entstanden zwei Münzen: der ringförmige Holey-Dollar und der ausgestanzte Innenteil (Dump).

Der Holey-Dollar ist heute eine gesuchte numismatische Rarität. Als 2007 eine dieser Münzen versteigert wurde, fiel der Hammer des Auktionators erst bei 61.462 Britischen Pfund, das entspricht heute 88.704 Schweizer Franken oder 84.650 Euro.

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