Langfristige Börsentrends: Alternder Bulle oder aufkeimende Mega-Hausse?

Langfristige Börsentrends: Alternder Bulle oder aufkeimende Mega-Hausse? 

Die US-Aktienhausse wird bald sechs Jahre alt. Der durchschnittliche Bullenmarkt seit 1932 dauerte nur knapp vier Jahre. Daher fragen sich nun viele Marktteilnehmer, wie lange der Boom denn noch anhalten kann.

Risiken gibt es bei Aktien natürlich immer, und auch böse Unfälle können passieren. Doch es gibt auch Argumente, die dafür sprechen, dass wir uns in einer strukturellen Mega-Hausse wie jener von 1980 bis 2000 befinden. Während dieser zwei Jahrzehnte legten US-Aktien inflationsbereinigt rund 16% pro Jahr zu – d.h. fast doppelt so viel wie im Schnitt seit 1932 und um ein Vielfaches mehr als während der letzten 15 Jahre.

Ein wichtiges Argument für eine solche Hausse, neben der weltweit expansiven Geldpolitik in Zeiten struktureller Deflationstendenzen, stellt der Rückgang der Energiepreise dar.

Ölpreisverfall begünstigt neue und alte industrielle Konsumgesellschaften

Von 1998 bis 2008 erlebten wir einen Rohstoffboom, welcher die Schwellenländer (inklusive Russland) wirtschaftlich begünstigte und politisch stärkte. Doch dieser ist inzwischen vorbei. Somit hat sich das Blatt wieder zugunsten der «alten» Industrieländer und Dienstleistungsgesellschaften gedreht.

Besonders deutlich wird diese Wende, wenn wir den realen Rohölpreis betrachten. Aus US-Sicht ist das Barrel Rohöl inflationsbereinigt von 67 US-Dollar im Juli 2008 auf aktuell 22.5 US-Dollar gefallen. Sollten die Preise so tief bleiben oder sogar weiter fallen, dann wäre eine wichtige Parallele zu den frühen 1980ern gegeben.

Auch damals stellten Disinflation und sinkende Energiepreise den wichtigsten Auslöser der Hausse dar. In den 1970ern wurden Börse und Konjunktur von den «Ölschocks» und der inflationären Lohn- und Ausgabenpolitiken der Gewerkschaften und der Regierungen zurückgehalten. Dann fokussierten sich Notenbanken und Regierungen auf Inflationsbekämpfung und Ausgabenkontrolle, während die Gewerkschaften geschwächt wurden. Zunächst ging es an der Börse trotzdem eher schleppend voran.

Ölbaisse als Symbol grösserer Gezeitenwechsel

Doch parallel dazu ging es mit dem Ölpreis immer stärker und schneller bergab: Kostete das Fass am Höhepunkt des Iran-Irak-Krieges von 1980 noch real 100 USD, so war der Preis bis 1985 auf das heutige Niveau von 20-25 USD gefallen. Bis 1998 sank der Preis sogar auf weniger als 8 USD – und die Börsen erlebten in der Zwischenzeit eine Jahrhunderthausse.

Danach folgte das Platzen der Internetblase, die Anschläge vom 11. September 2001, der internationale Afghanistan-Feldzug und der zweite Irak-Krieg, die US-Dollar-Abwertung und diverse andere Entwicklungen, die letztlich einerseits den seinerzeit vieldiskutierten politischen Abstieg der USA und anderseits den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und anderer Schwellenländer symbolisierten. Doch diese Zeit könnte im Wesentlichen vorbei sein – oder zumindest neue Nuancen finden und Verzweigungen entwickeln.

Bleibt es bei den günstigen Rohstoffpreisen, dann würden die «alten» Volkswirtschaften des Westens und Japan jedenfalls profitieren. Die Mittelschichten dieser Länder, welche teilweise zu den Globalisierungsverlierern zählten, könnten sich mit der Zeit wieder stärker erholen. Potenzielle Gewinner gibt es aber auch in einigen stark industrialisierten Schwellenländern. Südkorea ist ja praktisch schon ein Industrieland. Doch auch Chinas Wandel vom armen Billiglohnland zur anspruchsvollen Konsumgesellschaft würde tendenziell beschleunigt werden. Von dieser Entwicklung würden nicht nur chinesische Unternehmen profitieren – und auch das dürfte sich natürlich an den Börsen spiegeln.

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