Lehren aus der Geschichte: Pipewell Abbey

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Sie spekulierten am Terminmarkt, nahmen überhöhte Kredite auf, schmissen eine extravagante Party und griffen bei Problemen auf staatliche Hilfe zurück. Klingt zwar aktuell, ist es aber nicht.

Im 13. Jahrhundert war englische Wolle europaweit sehr begehrt. Die von der Zisterzienserabtei Pipewell hergestellte Wolle galt als qualitativ besonders hochwertig. Aufgrund der starken Nachfrage beschlossen die Brüder der Abtei im Jahr 1288, ihren Schafbestand zu erhöhen. Um ihr Vorhaben zu finanzieren, wandten sie sich an Bankiers in Cahors, im Südwesten Frankreichs. Als Gegenleistung für den Kredit verkauften sie diesen ihre gesamte Wollproduktion der nächsten 15 Jahre. Zu Beginn lief alles gut und die Abteibrüder erfreuten sich am wirtschaftlichen Aufschwung.

Allerdings war die Nutztierhaltung aufgrund der ständigen Bedrohung der Herden durch Seuchen und Erkrankungen sehr heikel. Zudem war der König von England mit schottischen Aufständen unter der Führung von William Wallace, genannt «Braveheart», konfrontiert. Und diese Schotten waren ausgerechnet mit den Franzosen verbündet.

So kam es, dass die Schafherden durch Krankheiten dezimiert wurden, der König den Handel mit französischen Kaufleuten verbot und die Exportsteuern anhob. Von diesen Schwierigkeiten liessen sich die Abteibrüder aber nicht abhalten und bauten ihre Herden entschlossen aus. Den Bankiers lieferten sie zusätzliche Mengen an Wolle und Mäntel, um sie bei Laune zu halten.

Sie erhöhten aber nicht nur den Herdenbestand, sondern erweiterten mit dem aufwändigen Bau einer neuen Abtei auch ihr Produktionsareal. Zur Einweihung des neuen Gebäudes gab es ein rauschendes Fest mit einer prominenten Gästeliste, angeführt vom Earl of Lancaster. Zwanzig Jahre später bemerkte der Abt dazu: «Niemand wusste, wie viel sie an diesem Tag ausgegeben hatten».

Als die Herden erneut von einer Krankheit befallen wurden, geriet die Abtei mit ihren Wolllieferungen in Rückstand. Die Bankiers von Cahors veräusserten ihre Forderungen an andere Bankiers und die Bardis, eine Bankiersfamilie aus Florenz, erklärten sich bereit, weitere Mittel einzuschiessen, um das finanzielle Loch zu schliessen. Die Abtei nahm sogar weitere Schulden auf, um die Verbindlichkeiten aus früheren Darlehen zu begleichen. Schliesslich waren die Mönche gezwungen, Vermögenswerte zu veräussern, um diesen Verbindlichkeiten nachzukommen. Als ihnen 1322 endlich das Geld ausging, stellte der König die Abtei unter seinen Schutz. Die Mönche indes mussten den Bettelstab ergreifen, voller Bedauern, sich je auf Geschäfte mit Bankiers eingelassen zu haben.

Bild: By 3268zauber (Own work) CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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