Leitwährungen: Die Supermächte des Geldes

Leitwährungen: Die Supermächte des Geldes 

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Der Dollar ist nicht nur die Währung der derzeit mächtigsten Nation der Welt. Er ist die Supermacht unter den Währungen, der Massstab, an dem andere Währungen gemessen werden.

Eine Währung ist die Einheit für das Geldwesen innerhalb eines Währungsraumes. Der Franken für die Schweiz, der Euro für den gleichnamigen Raum, der Renminbi für China. Doch sie alle richten sich nach einer übergeordneten Macht: Der globalen Leitwährung US-Dollar.

Geschichtlich betrachtet sind Leitwährungen eine Folgeerscheinung des internationalen Staatensystems: die beherrschende Macht gab den Takt vor, bezahlt wurde in ihrer Währung. In der frühen Antike mit der griechischen Drachme, gefolgt vom römischen Denarius, der Valuta des Imperiums. Zur Blütezeit des arabischen Raumes reüssierte der islamische Dinar, der wiederum vom venezianischen Dukaten und dem holländischen Gulden der beiden mächtigsten Handelsnationen ihrer Zeit abgelöst wurde. Während des britischen Weltreiches schwang sich das Pfund in die Splendid Isolation der mächtigsten Leitwährung der Welt auf.

Seit Ende des ersten Weltkriegs gibt der Dollar den Ton im weltweiten Währungssystem an, just nachdem die Vereinigten Staaten dem Britischen Empire die internationale Führungsposition abgelaufen hatten. Als Leitwährung ist der Dollar globaler, umfassender und mächtiger als alle seiner Vorgänger. Diesen Status verdankt er jedoch nicht nur seiner Herkunft, sondern seinem besonderen Verhältnis zum Treibstoff des internationalen Wirtschaftssystems: Der Dollar ist zur Standardwährung für Erdöl und viele andere Rohstoffe geworden. Auch rund die Hälfte aller weltweiten Finanztransaktionen werden in Dollar abgeschlossen. Viele Staaten halten deshalb Devisenreserven in Dollar und machen ihn damit zur wichtigsten Reservewährung. Dieser Status als «Supermacht unter den Währungen» ist ebenso notwendig wie kritisch: Eine Leitwährung wie der Dollar ist einerseits der Ersatz dafür, dass sich Ideen zu einer gemeinsamen Weltwährung oder einem kollektiven Staatssystem nie durchgesetzt haben. Andererseits gehen alle anderen Staaten einseitige Abhängigkeiten gegenüber den USA als dem «Stifter» der Leitwährung ein. Diese Asymmetrie, verbunden mit der wirtschaftlichen Unsicherheit in den USA, ist auch der Grund für Versuche, alternative Leitwährungen zu etablieren, wie den Euro oder den chinesischen Renminbi. Nicht wenige Auguren sehen im Aufstieg Chinas bereits den schleichenden Abschied von der Übermacht des US-Dollars. Doch ginge es nach der Anzahl der Abgesänge, dürfte uns der Dollar als Leitwährung vorläufig erhalten bleiben. Totgesagte leben bekanntlich länger.

Leselinks:
Tobias Straumann beschäftigt sich auf NeverMindTheMarkets mit dem langsamen Abschied vom Dollar.

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