Des einen Freud‘, des anderen Leitzins – Was sind Leitzinsen?

Des einen Freud‘, des anderen Leitzins – Was sind Leitzinsen? 

Anfang Mai diesen Jahres hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf ein historisches Tief gesenkt und damit eine hitzige Diskussion in Europas Medien entfesselt. Wen oder was „leitet“ dieser Leitzins?

Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Banken wie die LGT oder andere Institute Geld von einer Zentralbank leihen können. Er ist also der Zinssatz, den die Banken selbst aufbringen müssen, wenn sie sich Geld von den Notenbanken leihen. In der Regel geben Banken die Leitzinsveränderungen direkt Kreditnehmer und Sparer weiter. Der Leitzins „leitet“ in der Folge die Zinssätze, die Unternehmer und Verbraucher für eigene Kredite aufbringen müssen. Wenn die Zentralbanken den Leitzins senken, verbessern sich beispielsweise die Kreditbedingungen für den Mittelständler, der seinen Maschinenpark erneuern will, für den Bäcker, der in eine neue Filiale investieren möchte, oder den Häuslebauer, dessen Zinsen für den nächsten Kredit sinken. Doch der positive Impuls für die Investitionsbereitschaft hat seinen Preis: Die Zinsen für Sparguthaben und die Renditen für viele Kapitalanlagen sinken ebenfalls. Eine Leitzinssenkung schafft also Vorteile für Kreditnehmer, die auf der anderen Seite von Sparern und Anlegern mit Zinsverlusten quasi „gegenfinanziert“ werden müssen. Eine Anhebung der Leitzinses wirkt sich genau entgegengesetzt aus: Kreditnahmen für Investitionen in den neuen Fuhrpark, das neue Auto oder die Gründung eines Start-ups werden weniger attraktiv, während das Festgeldkonto auf der Bank lukrativer wird. Nahezu alle Zentralbanken nutzen Leitzinsen als wirtschaftspolitische Instrumente: die Bank of England den Repo Rate, die amerikanische Fed die nominale Federal Funds Rate, die London Interbank Offered Rate und die Schweizer Nationalbank den 3-Monats-Libor-Zielband.

Wohin leitet uns der historisch niedrige Leitzins der EZB?

EZB-Präsident Mario Draghi hat ein möglichst investitionsfreundliches Klima und Wachstumsimpulse als Ziele der Niedrigzinspolitik ausgegeben. In nordeuropäischen Ländern wurde vielfach Kritik vor allem durch Vertreter der Geschäftsbanken geäussert, während sie in südlichen Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland begrüsst wurde. Diese europäische Kakophonie hat einen realen Grund: Die europäischen Volkswirtschaften bewegen sich derzeit teilweise gegenläufig. Während Märkte wie die Holland oder Deutschland derzeit immer noch erstaunlich robust sind und (wenn auch geringes) Wachstum erzielen, kämpfen Spanien, Frankreich, Italien oder Griechenland mit der Rezession. Für erstere bedeutet die Leitzinssenkung eine weiter sinkende Attraktivität von Sparguthaben, für letztere zumindest die Chance auf ein verbessertes Investitionsklima.

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