LGT Anlegerstudie: Die Portfolios dürften bunter sein 

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„Don’t put all your eggs in one basket“ – auf diesen Satz stösst man sehr schnell, wenn man sich mit der Vermögensanlage beschäftigt. Er beschreibt treffend eine der wichtigsten Grundregeln für den langfristigen Anlageerfolg: die breite Streuung der Gelder eines Portfolios über verschiedene Anlageklassen. Die Befragten des LGT Private Banking Reports 2018 – einer repräsentativen Studie zum Anlageverhalten vermögender Privatpersonen – scheinen diesem Grundsatz wenig abzugewinnen.

Egal wie sich die Märkte entwickeln – die Portfolios vermögender Private-Banking-Kunden sehen immer ähnlich aus. Das zeigen die verschiedenen Ergebnisse des LGT Private Banking Reports seit 2010. Aktuell halten sie trotz der derzeitigen Zinssituation viel Cash, daneben Aktien und Anleihen, und bleiben somit ihrem gewohnten Anlage-Mix treu.

Durchschnittliche Asset Allocation (Ländervergleich)

LGT Anlegerstudie

Andere Anlageklassen wie Derivate, Rohstoffe oder alternative Anlagen mit denen die Diversifikation verbessert werden könnte, finden zu wesentlich geringeren Anteilen den Weg in das Portfolio vermögender Anleger. So investieren beispielsweise die Befragten in der Schweiz durchschnittlich 78 Prozent ihres Vermögens in Cash (32 Prozent) und Aktien (46 Prozent) und nur 22 Prozent in andere Anlageklassen. Das durchschnittliche Portfolio der deutschen Befragten weist im Vergleich einen etwas höheren Anteil an alternativen Anlagen auf (11 Prozent vs. 4 Prozent) – sie sind somit ein wenig besser diversifiziert als die Schweizer. Dennoch zeigt das Gesamtergebnis, dass in den Portfolios der befragten Private-Banking-Kunden aus allen drei Ländern „zu viele Eier im selben Korb liegen“. Das ist riskant.

Laut Studie sind Anleger die ihre Investitionsentscheidung zusammen mit einem Bankberater treffen, grundsätzlich besser diversifiziert als Investoren die ihre Entscheidung ohne Berater treffen. Damit das Prinzip „Don’t put all your eggs in one basket“ von den Privatanlegern in der Praxis verstärkt umgesetzt wird, müssen Banken und Berater die Chancen und Risiken der verschiedenen Anlageklassen anscheinend aber noch genauer erklären.

Anleger sind mit ihrem Portfolio zufrieden

Obwohl die Asset Allocation der Befragten auf lange Sicht suboptimal ist, haben sie im vergangenen Jahr gute Ergebnisse erzielt und sind damit auch zufrieden.

Rendite und Renditezufriedenheit (Ländervergleich)

LGT Anlegerstudie

Die schweizerischen Privatanleger erzielten im Jahr 2017 eine durchschnittliche Rendite von 11.7 Prozent, die Österreicher 8.8 Prozent und die Deutschen 6.3 Prozent. Wie die Zahlen bereits vermuten lassen, sind die Schweizer mit ihrer Rendite von 11.7 Prozent am zufriedensten (76 Prozent). Interessant ist jedoch, dass die deutschen Anleger mit ihrer Rendite von 6.3 Prozent zufriedener sind (75 Prozent) als die Österreicher (49Prozent). Und das obwohl die österreichischen Befragten eine höhere Rendite (8.8 Prozent), weniger Verluste (5 Prozent vs. 13 Prozent) und mehr Gewinne (95 Prozent vs. 87 Prozent) erzielt haben als die Investoren in Deutschland. Hier sind die österreichischen Befragten also wesentlich kritischer als die Deutschen.

„Mismatch“ zwischen persönlicher Risikoneigung der Befragten und Risikoeinschätzung der Portfolios

Und wie empfinden vermögende Private-Banking-Kunden das Risiko ihrer Anlagen? Gemäss Theorie müsste ein risikoaverser Anleger ein risikoarmes Portfolio besitzen und ein risikofreudiger ein risikoreiches (=Match von Portfoliorisiko und persönlicher Risikoneigung). Die Studienergebnisse des LGT Private Banking Reports zeigen jedoch, dass es des Öfteren zu „Mismatchs“ kommt: 51 Prozent der risikoaversen Befragten schätzen ihr Portfoliorisiko als mittel bis hoch ein, während 56 Prozent der Risikofreudigen das Risiko ihres Portfolios als niedrig bis mittel bewerten.

Risikobereitschaft und persönlicher Risikoscore des Portfolios

LGT Anlegerstudie

Das heisst, bei rund der Hälfte der Befragten stimmt die Risikowahrnehmung des eigenen Portfolios nicht mit der persönlichen Risikoneigung zusammen (=Mismatch). Hier scheint die Risikoeinstufung des Kunden im Beratungsprozess nicht optimal zu funktionieren. Dies kann auf die unterschiedliche Empfindung von Risiken zurückzuführen sein: Ein Kundenberater schätzt das Risiko einer Anlageklasse möglicherweise anders ein als der Kunde selbst. Diesen subjektiven Unterschieden in der Einschätzung von Risiken sollte im Beratungsprozess vermehrt Beachtung geschenkt werden, um Risiko-Mismatchs entgegenzuwirken und die Portfolios entsprechend den Kundenwünschen auszurichten.

Vielleicht sollten Banken und Berater noch mehr Fokus auf die Erläuterung der unterschiedlichen Investitionsmöglichkeiten und die damit verbundenen Chancen und Risiken legen, damit Kunden ihre Portfolios etwas bunter gestalten, breiter aufstellen und somit auch das enthaltene Risiko besser steuern können.

Der LGT Private Banking Report 2018 ist im Juni erschienen. In den kommenden Wochen und Monaten werde ich an dieser Stelle weitere Ergebnisse der Studie beleuchten. Die komplette Ausgabe der Studie können Sie auf unserer Webseite downloaden oder kostenlos bestellen.

Der LGT Private Banking Report wird seit 2010 alle zwei Jahre im Auftrag der LGT durchgeführt. Ziel der Studie ist es, wichtige Erkenntnisse über das Anlageverhalten und die Einstellungen von Private-Banking-Kunden zu erhalten. Befragt werden dabei rund 360 vermögende Privatpersonen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem freien Anlagevermögen von mehr als EUR 500 000 bzw. mehr als CHF 900 000. Autor dieser repräsentativen wissenschaftlichen Studie ist Prof. Dr. Teodoro D. Cocca von der Universität Linz.

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