LGT Studie: Privatanleger scheuen das Risiko

LGT Studie: Privatanleger scheuen das Risiko 

Bei Tiefstkursen an der Börse einsteigen und am Allzeithoch wieder verkaufen ist der Traum eines jeden Anlegers. Für den Grossteil wird das aber eine ziemlich unrealistische Wunschvorstellung bleiben, wie unsere aktuelle Studie zeigt.

Sicher gab und gibt es bekannte Börsenspezialisten – ich denke dabei beispielsweise an André Kostolany, Warren Buffett oder George Soros –, die durch ihre Expertise und ihre profunde Kenntnis der Finanzmärkte gewisse Entwicklungen und Marktbewegungen antizipieren können und ihre Investitionen entsprechend ausrichten. Aber der «normale» Privatanleger, der sich sozusagen nebenberuflich um seine Anlagen kümmert, tut sich bei der Wahl des richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkts oft schwer.

Finanzkrise beeinflusst Privatanleger nach wie vor

Deshalb verwundern die Ergebnisse des LGT Private Banking Reports 2014 zum Anlageverhalten vermögender Privatpersonen wenig. Sowohl schweizerische als auch österreichische Anleger agieren nach wie vor risikoscheu und halten sehr viel Bargeld in ihren Portfolios – trotz mittlerweile zweijähriger Börsenhausse. Die Finanzkrise, die 2007 ihren Anfang genommen hatte, ist zumindest bei privaten Anlegern offenbar noch sehr präsent und beeinflusst ihr Handeln nach wie vor.

Durchschnittliche Asset Allocation (Ländervergleich)

Immerhin, die österreichischen Anleger fassten seit dem letzten LGT Private Banking Report aus dem Jahr 2010 wieder ein wenig Mut – ihr Cash-Anteil reduzierte sich seit 2012 von 44 auf 29 Prozent – was immer noch einer sehr hohen Liquiditätsquote entspricht. In den Schweizer Portfolios hat sich die Vermögenszusammensetzung in den letzten zwei Jahren so gut wie gar nicht verändert: Auch hier beträgt der Cash-Anteil hohe 29 Prozent; 2012 waren es 27 Prozent, 2010 26 Prozent. Vor allem Rohstoffe und alternative Anlagen werden von den Private-Banking-Kunden zu wenig zur Verbesserung der Rendite-/Risikoeigenschaften der Portfolios genutzt. Die Folge: hohe Klumpenrisiken und unzureichende Diversifikation.

In den Köpfen tut sich etwas

Doch es tut sich etwas in den Köpfen der Private-Banking-Kunden. Vor allem Kunden, die im Jahr 2013 eine unterdurchschnittliche Performance erreichten, planen bis zum Jahresende 2014 ihren Cash-Anteil zugunsten anderer Anlageklassen – überwiegend Aktien und Anleihen – zu reduzieren. In der Schweiz sind es 29 Prozent der Befragten, in Österreich 41 Prozent.

Veränderungsbereitschaft bei Bargeldbeständen (Ländervergleich)

Bleibt zu hoffen, dass die langsam wieder zunehmende Risikofreude der Anleger nicht zu spät kommt. Denn mittlerweile dürfte schon viel vom laufenden Aufschwung eingepreist sein, die meisten Märkte sind nicht mehr als günstig zu bezeichnen. Die Chance, dass einzelne Märkte weiter zulegen, besteht allerdings nach wie vor.

Für Privatanleger, die nicht berufsbedingt den Puls der Märkte fühlen, gibt es meines Erachtens nur einen Weg, um langfristig erfolgreich zu sein: Sie sollten ihre Anlagen professionell diversifizieren und eine strategische Vermögensaufteilung wählen, die ihre Anlageziele und ihren individuellen Anlagehorizont berücksichtigt.

Der LGT Private Banking Report 2014 ist am 21. Mai 2014 erschienen. In den kommenden Wochen werde ich an dieser Stelle verschiedene Aspekte und Ergebnisse der Studie beleuchten.

Bereits erschienene Beiträge zum LGT Private Banking Report:

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