Lottopsychologie: Spielen ist menschlich

Lottopsychologie: Spielen ist menschlich 

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Glücksspiele verheissen in unserer Phantasie Millionengewinne, obwohl Millionen Spieler in der Realität bei jeder Ziehung leer ausgehen. Lotto, Toto und Co. bieten uns zwar wenig Gewinnchancen, aber vieles, wonach sich unser menschliches Wesen sehnt.

Spieler am Spieltisch oder im Lottofieber auf der Jagd nach dem Jackpot erfahren eine Form von Glück am eigenen Leibe, auch wenn noch keine Zahl gezogen und noch kein Würfel gefallen ist. Allein die Aussicht auf Gewinne lässt den Puls messbar ansteigen, steigert die Durchblutung und sorgt für einen Anstieg der Herzfrequenz, ohne dass sich dabei der Kontostand ändern muss. Diese Euphorie der Spieler hat sich menschheitsgeschichtlich entwickelt und wird von unserer körpereigenen Chemie ausgelöst.

Doping oder die Chemie des Glücks

Ein Spiel, eine Lottoziehung oder eine Roulette-Runde sind die zivilisierten Abbilder der Herausforderungen unserer Vorfahren. Die Jäger in früheren Zeiten versetzte allein die Aussicht auf Beute in Hochstimmung und steigerte das körperliche und geistige Leistungsvermögen. Unser Gehirn belohnte die Jäger bereits, bevor die Beute erlegt war, indem es den Botenstoff Dopamin ausschüttete. Dieses körpereigene Doping war also häufig nicht das Ergebnis einer erfolgreichen Jagd, sondern der eigentliche Grund, warum die Beute überhaupt erlegt werden konnte: Euphorisierte Jäger rennen schneller und verlieren ihre Hemmungen. Dieser urtümliche Mechanismus setzt auch ein, wenn wir Lotto spielen: Wir erhöhen den Einsatz, wenn wir auf einen Gewinn hoffen können. Stellt er sich auch nur ein wenig ein, erhöht sich unser Dopaminspiegel weiter, hebt die Stimmung und lässt uns mehr wagen. Lottospieler sehen also nicht, dass sie finanziell betrachtet verlieren, wenn sich nur ab und an ein Dreier einstellt, sondern kommen gefühlt der erhofften Million immer näher.

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Jackpot Realismus

Der Glücksmechanismus der Jäger ist ausserhalb des Glücksspiels ein hilfreicher Antrieb, etwa wenn sich Teilerfolge in Projekten einstellen oder wenn wir uns in sportlichen Wettkämpfen messen. Doch ausgerechnet im Glücksspiel kann unsere Chemie unseren Verstand ausser Kraft setzen. Lotto und andere Glücksspiele triggern permanent das Verlangen, das aber in den meisten Fällen nie völlig befriedigt wird. Das chemische Stimulationssystem unseres Körpers sorgt dafür, dass wir nicht aufhören, wenn es die Vernunft gebietet, sondern auf der Jagd nach dem kleinen Kick im Alltag weiterspielen. Die ökonomische Vernunft würde gebieten, Auszusteigen, wenn das Verhältnis von Gewinn zu Investition nicht mehr stimmt, aber genau das widerspricht unserer Natur. Kühles Rechnen lohnt sich also, bevor man sich Spiel und Spass hingibt – denn nur dann ist es wirklich möglich.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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