Die Märkte im Angesicht des Schwarzen Schwans

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Anleger, die in US-Aktien investiert sind, können derzeit guter Dinge sein. Die amerikanischen Aktienindizes vermeldeten in den zurückliegenden vier Wochen gleich mehrmals neue Allzeithochs. Selbst wenn der Kursverlauf des S&P 500 in der Fünfjahresbetrachtung eine nachlassende Dynamik zeigt: Seit dem diesjährigen Tief im Februar hat der Index unaufhaltsam zugelegt und die Höchststände zuletzt in Trippelschritten immer weiter nach oben gestemmt.

Wendete man ausschliesslich charttechnische Bewertungskriterien an, wäre dies ein starkes positives Signal hinsichtlich der weiteren Performance des US-Aktienmarkts. Doch es ist ein Kennzeichen der aktuellen Hausse, dass sie bei Marktteilnehmern und -beobachtern eher Unbehagen als Überschwang auslöst.

So heben Kommentatoren verschiedentlich hervor, dass die durchschnittlich gehandelten Volumina der Titel des S&P 500 nur noch rund ein Drittel des Niveaus von Ende 2002 ausmachen. Insgesamt investieren derzeit also deutlich weniger Anleger in Aktien als zu Beginn des Jahrtausends. Ein Vertrauensbeweis sieht anders aus.

Kapitalflüsse weg von Aktien

In dieses Bild passen Untersuchungen der Bank of America Merrill Lynch unter ihren Kunden: In der ersten Augustwoche haben diese – wie bereits in den meisten Wochen seit Jahresanfang – netto mehr Aktien verkauft als gekauft haben. Nichtsdestotrotz war dies eine Woche, in welcher der S&P 500 erst ein neues Allzeithoch markiert hat, bevor er sie mit einem minimalen, 0.1-prozentigen Verlust abschloss. Seit Anfang dieses Jahres zählen einzig Unternehmen, die eigene Aktien zurückkaufen, zu den Nettokäufern. Dem gegenüber stehen Hedgefonds, institutionelle Anleger, Pensionskassen und Kleinanleger allesamt auf der Verkäuferseite.

Hinzu kommt, dass die Gewinne und Umsätze amerikanischer Unternehmen bis ins erste Quartal 2016 über ein Jahr lang rückläufig waren, das BIP-Wachstum in den USA zuletzt deutlich unter den Erwartungen zurückgeblieben ist, das globale Wachstum bereits seit Jahren nicht anspringt, andere Regionen wie Europa und Japan nicht nur mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben und die Zentralbanken weiter im Notstandsmodus operieren. Da lässt sich hinter die Fortsetzung der starken Aktienmarktentwicklung in den USA zumindest ein Fragezeichen setzen.

Die Suche nach den Alternativen

Was sollten Anleger im aktuellen Umfeld tun? In dieser Frage sind sich keine Geringeren als Bill Gross, lange Zeit der ungekrönte «Bond King», und sein Nachfolger auf diesem Rang, Jeff Gundlach, einig: weder Anleihen, noch der breite Aktienmarkt bieten sich an. Aus ihrer Sicht sind derzeit Gold, Silber, Immobilien und Unternehmen mit real existierenden Vermögenswerten wie zum Beispiel Goldminenbetreiber die Anlagen der Stunde.

In seinem neuesten monatlichen Anlageausblick äussert Bill Gross, dass unser kreditfinanziertes Wirtschafts- und Finanzsystem aufhört zu funktionieren, wenn die investierbaren Vermögenswerte zu viel Risiko für den angebotenen Ertrag beinhalten. Ist dies über einen längeren Zeitraum der Fall, ziehen sich die Anleger von risikobehafteten Vermögensklassen zurück und beginnen, Cash und reale Vermögenswerte wie Gold zu horten.

Hinzu kommt ein wichtiger Aspekt: Die Geschäftsmodelle, die Unternehmen und Finanzinstitute derzeit anwenden, beruhen darauf, dass Banken bei ihnen hinterlegte Einlagen gegen Zinsen an Unternehmen verleihen. Diese investieren das geliehene Geld mit dem Ziel, in der Zukunft höhere Erträge zu erwirtschaften. Wenn der Zins jedoch nahe null liegt, haben die Sparer keinen Anreiz, ihr Geld zur Bank zu bringen, und die Banken haben in der Folge weder die Einlagen noch den Anreiz, Ausleihungen zu tätigen. Besteht die Nullzinsphase also zu lange, bremst sie das Wachstum der Realwirtschaft. Auch dies ist keine gute Nachricht für Anleger in Aktien und Unternehmensanleihen.

Andererseits besteht auch kein akuter Grund für die Anlage in Gold, solange der wirtschaftliche Aufschwung in den Industrieländern nicht völlig zum Erliegen kommt, die Inflationserwartungen nicht anziehen und politische Spannungen regional begrenzt bleiben. Allenfalls aus strategischen Überlegungen kann es Sinn ergeben, einen gewissen Teil des Vermögens in Gold halten. Auch ist nach Kursgewinnen von rund 26 Prozent seit Jahresbeginn der grösste Teil der Goldrally vielleicht bereits vorbei.

Was glänzt ausser Gold?

Für Anleger, die sich von einer höheren Volatilität nicht abschrecken lassen, mag sich ein Blick auf Silber lohnen: Kursgewinne von über 42 Prozent seit Jahresbeginn, ein leicht rückläufiges Angebot bei anziehender Nachfrage sowie – ebenso wie bei Gold – ein gewisser realer Wert begründen seine derzeitige Attraktivität. Und sollten sich alle Untergangsszenarien als übertrieben herausstellen, bietet Silber eine Art Plan B, findet es doch in der Industrie an vielen Stellen Verwendung.

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Bild: Tony Wills CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 12. August 2016 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 14. August | Pipsologie

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