Managerauswahl: Die Risiken im Prozess

Managerauswahl: Die Risiken im Prozess 

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Dachfonds wählen die vermeintlich besten Fondsmanager weltweit aus und stellen daraus Portfolios zusammen, welche Diversifikation und langfristig solide Renditen bieten sollen. Doch der scheinbar streng rationale Auswahlprozess, durch den die Elite der Manager ausgesucht wird, hat neben Stärken auch eine wenig beachtete Schattenseite. Nur wenn man sich dessen bewusst ist, wird es auch gelingen, die Qualität des Prozesses zu erhalten.

Dachfonds investieren bekanntlich nicht direkt in Wertpapiere, sondern in verschiedene Investment- Fonds, die von unterschiedlichen Fondsmanagern verwaltet werden. Diese Fondsmanager für den Dachfonds auszuwählen, ist dabei eine Kunst für sich. Die Analysten der Dachfonds gehen dabei nach einem definierten Investment-Prozess vor, der üblicherweise aus folgenden Schritten besteht:

  1. Screening des gesamten Universums an Fondsmanagern (Talent Scouting)
  2. Identifikation einer Gruppe von Kandidaten (Short-List)
  3. Detaillierte Analyse des besten Fondsmanagers aus der Short-List (Due Diligence)
  4. Vorstellung und Diskussion des Fondsmanagers im Investment Komitee des Dachfonds (das schlussendlich entscheidet, ob dem Fondsmanager Kundengelder anvertraut werden)
  5. Monitoring; nach einem positiven Entscheid wird die Leistung des Fondsmanagers regelmässig überprüft. Dies um sicherzustellen, dass er weiterhin die Anforderungen erfüllt. Wenn nicht, wird seine Weiterbeschäftigung abgelehnt (Disapproval).

Jeder dieser Schritte artikuliert sich über mehrere Komponenten. So wird zum Beispiel beim Talent-Scouting eine Peer-Analyse durchgeführt, es werden auch Infrastruktur und Operations für eine Due Diligence analysiert usw.

Der Prozess: Herr der Realität

Die Entscheidungsprozesse eines Dachfonds sind meist gut strukturiert und nachvollziehbar. Jede Facette der Entscheidung kann genau unter die Lupe genommen werden, die Entscheidung wird nicht nur von einem Analysten, sondern von einem Investment Komitee getragen und hängt nicht nur von der Meinung eines einzigen „Investment-Gurus“ ab, die Robustheit und die Stabilität des Prozesses erlaubt es, konsistente Entscheidungen zu treffen, die Qualität der Entscheidungen ist langfristig vergleichbar usw.

Für Anleger, die in Dachfonds investieren, sendet dieser streng strukturierte Prozess daher ein wichtiges Signal: Er spiegelt nichts Anderes wider, als ihr Bedürfnis nach maximaler Rationalität bei der Managerauswahl. Zudem gibt er ihnen eine gewisse Zuversicht, dass die Investments der selektierten Fondsmanager erfolgreich sein werden.

Die blinden Flecken im Prozess

Allerdings gibt es auch Risiken, welche die Umsetzung eines solchen Investment-Prozesses mit sich trägt. Oft scheinen sich die Akteure selbst, die Analysten oder Dachfondsmanager ihrer nicht bewusst zu sein.

Risiko Nr. 1: Der Prozess ist nur so gut wie sein Analyst.

Ein guter Prozess ist wichtig, aber es kommt darauf an, wie ihn der Analyst umsetzt. Man kann den Prozess Schritt für Schritt verfolgen und dennoch eine ungünstige Entscheidung fällen, denn es gibt schliesslich kein «Rezept» dafür, wie man einen guten Fondsmanager identifiziert. Viel wichtiger ist es, dass der Analyst bei der Beurteilung des Fondsmanagers den optimalen Blickwinkel einnimmt. Dieser Blickwinkel ist für jede Situation ein wenig anders und die Qualitäten des Analysten bestimmen das Ergebnis wesentlich mit. Man vergisst also, dass der Prozess nur so gut ist wie der Analyst.

Risiko Nr. 2: Nachlassende Schärfe der Entscheidungen bei geteilter Verantwortung.

Der Investment-Prozess sieht vor, dass die Verantwortung über die Entscheidung, ob in einen Fonds investiert wird oder nicht, unter dem Analysten, der den externen Manager geprüft hat, und dem Investment Komitee, das die Entscheidung formell trifft, geteilt wird. Auf diese Weise ist die Wahl nicht mehr nur von einer Person abhängig, sondern es schauen gleich mehrere Augen auf ein mögliches Investment. So weit so gut. Allerdings besteht langfristig das Risiko, dass die geteilte Verantwortung die Schärfe der einzelnen Entscheidungsträger verwässert. Man könnte überspitzt sagen: die Demokratisierung der Entscheidung – mehrere Leute müssen zustimmen – schwächt deren Qualität.

Risiko Nr. 3: Anlageentscheid wird zur Routine.

Der Prozess ist mit einer gewissen Regelmässigkeit verbunden, und das kann dazu führen, dass sich Routine und Gewohnheiten einschleichen. Das ist insofern positiv, da die Beurteilungsbasis über die Zeit hinweg relativ homogen bleibt. Es besteht jedoch die Gefahr, dass der Analyst oder der Dachfondsmanager im Prozess sozusagen gefangen ist: Sie hinterfragen einige der Grundannahmen nicht mehr, ihr Sinn für Selbstkritik wird anästhetisiert, die Einführung von innovativen Ansätzen erweist sich als sehr aufwendig, usw.

Risiken nicht aus den Augen verlieren
Der gut strukturierte Investment-Prozesses eines Dachfonds überzeugt dank seiner Logik, welche ihrerseits eine Garantie für erfolgreiche Entscheidungen zu sein scheint. Eine prozessorientierte Anlageentscheidung wie bei Dachfonds bietet in der Tat viele Vorzüge und stellt für Anleger eine sehr effiziente Art dar, um ihre Gelder indirekt zu investieren. Der Prozess ist notwendig, aber eine aktive Überwachung der drei oben erwähnten Risiken ebenso: Nur wenn man die Qualität der Akteure im Prozess, das Kollegialitätsprinzip der Verantwortung und das versteckte Reformpotenzial nicht aus den Augen verliert, wird die Qualität des Prozesses bestehen bleiben.

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